Kultur

Ohne Schnaps nicht zu ertragen

„Bürgermeisterin“ Henrike Knies (Simone Röbern) hat es schwer, das Publikum hat leicht lachen.

„Bürgermeisterin“ Henrike Knies (Simone Röbern) hat es schwer, das Publikum hat leicht lachen.

Foto: Jatzke

Letmathe.  Heike Knies zieht bei Pollmeier die Kommunalpolitik durch den Kakao.

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Die Kommunalwahlen werfen ihre Schatten voraus und das auch in humoristischer Art und Weise. Am Freitagabend konnten sich die „Melange“-Besucher in der Gaststätte Pollmeier von dem alltäglichen Wahnsinn, den Machtkämpfen und den Intrigen im Rathaus überzeugen. Zum ersten Mal war die freie Schauspielerin Simone Röbern aus Bochum zu Gast und unterhielt mit dem Stück „Die Bürgermeisterin“. Ihr Auftritt als Henrike Knies in der temporeichen Ein-Frau-Komödie, geschrieben und inszeniert von Sigi Domke, war ein echter Angriff auf die Lachmuskeln. Nah an der Realität wurden mit Witz und psychologischem Einfühlungsvermögen die Abgründe der Kommunalpolitik dargestellt. Im Zentrum standen dabei die verschiedenen Persönlichkeiten der Volksvertreter.

„Ich brauche Schnaps“, mit diesen Worten und schwer bepackt betritt Simone Röbern als Henrike Knies den Gastraum. Während sich ihre Aufgabe bislang im Wesentlichen darin erschöpft hat, sich in der Nähe des amtierenden Bürgermeisters Dr. Karl-Uwe Stumpf aufzuhalten, beerbt sie diesen über Nacht, nachdem er einem mysteriösen Unfall auf dem Schützenfest zum Opfer gefallen ist.

Sie schildert ihren turbulenten ersten Tag im Amt und redet sich erst einmal den Frust von der Seele. Von den Zumutungen des bürokratischen und oft absurden Kommunalpolitiker-Alltags über Kungeleien und Seilschaften bis hin zu Wahlkampfstrategien nimmt Henrike Knies kein Blatt vor den Mund.

Rat sucht die unfreiwillige Politikerin beim Publikum

Der Besuch im Gastraum diente aber nicht nur dem Vergnügen, galt es, nebenbei doch auch noch einige wichtige Arbeiten zu erledigen. So musste die neue Bürgermeisterin einen Nachruf für ihren Vorgänger verfassen und auch die Würdigung für Riesenrammler Elvis, der bei der heimischen Rammlerschau des Kaninchenzuchtvereins prämiert werden sollte, musste noch geschrieben werden. Natürlich erhoffte sich die gestresste Kommunalpolitikerin dabei Hilfe aus dem Publikum, das sie immer wieder um Rat fragte.

Der mysteriöse Unfall beim Vogelschießen klärte sich bis zum Ende übrigens auf – mehr oder weniger zumindest. Nicht nur beruflich im Rathaus verkehrten Dr. Stumpf und seine Nachfolgerin nämlich zusammen, sie hatte ihm fast sprichwörtlich die Pistole auf die Brust gesetzt: Reinen Tisch machen mit Gattin Evelyn oder sie, seine Geliebte, würde für Klarheit sorgen. Mit ihrer Forderung trieb Henrike Knies ihren Liebhaber Dr. Stumpf in den Tod, als er weglief – direkt in den Lauf des geladenen Gewehres.

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