Kirche

Priesterweihe rückt immer näher

Für Sascha Heinrich hat ein spannendes Jahr begonnen. Für den 21. April ist seine Weihe zum Diakon terminiert. Dann darf er Menschen Taufen und Trauen.

Foto: Oliver Bergmann

Für Sascha Heinrich hat ein spannendes Jahr begonnen. Für den 21. April ist seine Weihe zum Diakon terminiert. Dann darf er Menschen Taufen und Trauen. Foto: Oliver Bergmann

Genna.   Sascha Heinrich hat vor sechs Jahren noch einmal ganz von vorne angefangen.

„Ich habe ihn für bekloppt erklärt“, raunt es aus der Küche. Nebenan im gemütlichen Essbereich beantwortet Sascha Heinrich ausführlich die Fragen des Heimatzeitungsredakteurs zu seiner außergewöhnlichen und weit fortgeschrittenen beruflichen Neuorientierung vom Handwerksmeister zum Geistlichen in der katholischen Kirche. Als sich sein Vater Thomas zu Wort meldet, geht es gerade geht es um die Reaktionen seiner Mitmenschen, zu denen natürlich auch sein Vater gehört. Später relativiert er die spontane Reaktion zwar, aber es gibt dazu ja auch eine Vorgeschichte, die bis ins Jahr 2012 zurückreicht.

Sascha Heinrich ist gerade 25 Jahre jung und trotzdem schon dabei, die ersten Sprossen auf der Karriereleiter bei den Stadtwerken Iserlohn zu erklimmen. Nach dem Realschulabschluss lässt er sich zur Fachkraft für Wasserversorgungstechnik ausbilden, erwirbt sogar den Meisterbrief und bekommt eine entsprechende Anstellung. Unterm Dach im Haus seiner Eltern an der Bergstraße richtet er sich eine Wohnung ein. „Auch mein neues Büro am Stadtwerke-Sitz an der Stefanstraße hatte ich gerade erst bezogen, als ich mich gefragt habe ob es das wirklich ist, was ich bis zur Rente machen möchte“, erklärt er. „Ich war zu diesem Zeitpunkt seit neun Jahren im Beruf.“ Hätte er die Frage bejaht, würde es diese Geschichte nicht geben. Aus Letmathe kommt also, wenn alles seinen normalen Gang geht, ab 8. Juni 2019 ein weiterer Priester.

Niemeier und Bartels wussten als Erste Bescheid

Dann schaltet sich sein Vater nochmal ein. „Natürlich war Saschas Entscheidung im ersten Moment ein Schock für uns. Er war doch gerade mit allem fertig und hatte beste Aussichten. In seine Wohnung hat er viel Geld und ich viel Arbeit gesteckt. Aber irgendwie war damit zu rechnen. Schon vor seiner Ausbildung wollte er ins Priesterseminar.“ Deshalb klopfen ihm auch einige Weggefährten auf die Schulter. „Endlich macht er’s“, soll ein Freund damals gesagt haben. „Die Pastoren Frank Niemeier und Guido Bartels hatte ich als Erste in meine Pläne eingeweiht.“

Doch so schnell ging das alles nicht. Heinrich fragt beim Bistum Paderborn an und muss erstmal im Gespräch mit dem Regens, dem bischöflichen Ausbildungsleiter, bestehen. Ein Bewerbungsverfahren schließt sich an, obwohl die Priesterinteressenten nicht gerade Schlange stehen. „Das Verfahren bestand aus Gesprächen und psychologischen Tests, auch ein polizeiliches Führungszeugnis wurde angefordert“, schildert der heute 30-Jährige. „Ich saß gerade in einer Sitzung mit dem Vorstand der St.-Hubertus-Schützen, dem ich als Geschäftsführer selbst angehörte, als der entscheidende Anruf aus Paderborn kam.“

Es ist genau die Zeit, in der die Missbrauchsvorfälle in der katholischen Kirche die Schlagzeilen beherrschen. Verständlich also, dass nur Männer eine Chance bekommen, die für das Amt geeignet erscheinen. Heinrich bekommt grünes Licht und wird zu einem Propädeutikum, einem Vorbereitungsseminar, zugelassen, er lernt Griechisch und Latein, um anschließend in dem vierjährigen Theologie-Studium für Spätberufene im Studienhaus St. Lambert in der Eifel bestehen zu können. Er hat bestanden, obwohl es die Anfangszeit in sich hatte. „50 bis 80 Seiten Text sollten wir pro Tag erfassen, also lesen und verstehen. Dabei war ich nie der große Leser. Und auch wenn ich immer regelmäßig und gerne in die Kirche gegangen bin, waren tägliche Gottesdienste und Andachten der Einstieg in ein ganz neues Leben. Genauso wie das tägliche Gebet. Das war durchaus eine Herausforderung. Aber es dient der Beziehungspflege zu Christus. Und ihn brauche ich – als Freund, als Wegweiser und als mein Gegenüber.“

Während des Studiums in der Eifel unter Gleichgesinnten

Im Studium lernt Sascha Heinrich Gleichgesinnte kennen, die wie er zu den Spätberufenen gehören, und die alle aus dem Leben kommen. „Da saßen der Polizist, das Vorstandsmitglied eines Wirtschaftsunternehmens und der Filialleiter von Edeka. Da wusste ich, dass mein Hintergrund noch relativ harmlos war. Mehr noch: Mein Beruf hat mich auf die Welt vorbereitet. Als ich mit dem Studium anfing, wusste ich wie es ist, wenn man sein eigenes Geld verdient, und ich wusste auch was ein Acht-Stunden-Tag ist.

Vor wenigen Monaten hat ein zweijähriger Pastoralkurs begonnen. Den praktischen Teil dieses finalen Abschnitts des Priesterseminars leistet er in der Gemeinde Eiserfeld im Pastoralverbundes Siegen-Süd, den theoretischen Feinschliff bekommt er in Paderborn verpasst. „In Eiserfeld habe ich an Heiligabend einer Krippenfeier mit 300 Besuchern vorgestanden. Da war ich schon nervös, aber auf solche Situationen werden wir gut vorbereitet.“ Auch der ganze Ablauf eines Gottesdienstes bereitet ihm keine Kopfschmerzen. Das Singen vor vollem Dom ist er als Mitglied des Oratorienchores gewohnt. „Der Gesang in einer Messe muss auch nicht zwingend gregorianisch geprägt sein.“

Ein Gespräch mit einem angehenden Priester kann natürlich nicht geführt werden, ohne dass die Zölibatsfrage auf den Tisch kommt. Sascha Heinrich lächelt fast schon gelangweilt, als es soweit ist. Er beginnt zu erklären: „Die Frage der Einsamkeit muss jeder für sich klären. Ich zum Beispiel bin gerne alleine, aber nie einsam. Dann würde ich verzweifeln. Oder nehmen wir das Weihnachtsfest. Als Priester hat man sowieso keine Zeit für Familie und Idylle unterm Weihnachtsbaum. So gesehen schenkt mir der Zölibat eine gewisse Freiheit, auch wenn sie aufgezwungen ist.“ Dass es immer wieder Kollegen gibt, die am Zölibat scheitern, macht ihm keine Angst. „Es gibt doch auch Leute, die an der Ehe scheitern.“

Also kann ein Haken hinter diese viel diskutierte Frage gesetzt werden. Blicken wir nach vorne: In vier Monaten steht die Weihe zum Diakon an. Sascha Heinrich wäre damit befugt, Menschen zu taufen und zu trauen. Und Pfingsten 2019 könnte er sein Ziel erreichen: die Weihe zum Priester – als wahrscheinlich erster Meister der Wasserversorgungstechnik.

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