Stadtentwicklung

Quo vadis, Letmather Innenstadt?

Domarkaden: Das Eiscafé San Remo ist kürzlich eingezogen, im Oktober soll das Tierfachgeschäft „PetBuddy“ öffnen und in dem bislang „schlafenden“ Imbiss könnte bald Essen zu erwerben sein.

Domarkaden: Das Eiscafé San Remo ist kürzlich eingezogen, im Oktober soll das Tierfachgeschäft „PetBuddy“ öffnen und in dem bislang „schlafenden“ Imbiss könnte bald Essen zu erwerben sein.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe.  Bei Händlern und Gastwirten ist viel in Bewegung, weitere Bauprojekte kündigen sich an – mancher Leerstand bleibt.

Die Hagener Straße ist ein Einkaufsparadies, die Hagener Straße geht den Bach runter. Letmathe wird immer lebenswerter, Letmathe stirbt aus. Große Visionen auf der einen, Frust und Pessimismus auf der anderen Seite. Es gibt ihn nicht, den durchschnittlichen Letmather, der repräsentativ für alle sprechen könnte – dafür stehen sich zu oft gegensätzliche Ansichten gegenüber. Das liegt nicht nur daran, dass es Gewinner und Verlierer, Vorwärtsgewandte und Nostalgiker gibt. Die Ursachen liegen auch in einer Alltagserfahrung begründet, die mit disparaten Eindrücken aufwartet.

Ein Spaziergang durch die Innenstadt zeigt das auf eindrückliche Weise. Rainer Großberndt, Urgestein und Sprachrohr der Werbegemeinschaft, ist ein gut informierter Führer, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält. Seine Vorstellungen teilt nicht jeder, für eine lebhafte Diskussion ist aber stets gesorgt. Unstrittig und unwiderlegbar: Das Stadtbild verändert sich. Der Altbau Hagener Straße 61, früher Eiscafé Panciera und Außenposten der Heimatzeitung, ist wie angekündigt verschwunden.

Wohnqualität steigt, damit allerdings auch der Mietspiegel

Das Bauprojekt auf der schmalen Parzelle kann exemplarisch für eine der Tendenzen stehen: Schaffung neuen Wohnraums primär für Ältere, die Supermarkt und Apotheke fußläufig erreichen können wollen und bei der Miete nicht kleckern müssen. Das geplante Ladenlokal im Erdgeschoss ist eine Auflage der Stadt, ein Mieter muss sich erst noch finden. Ein ähnliches Objekt wird weiter unten, an der Seitenstraße „Zum Volksgarten“ bereits hochgezogen. Etwa mittig, an der Marienstraße, soll es Pläne geben, auch das Gebäude, in dem vormals Familie Rösch ihren Laden betrieb, in dieser Manier neu zu bauen.

Bei den Händlern und Gastronomen sind zwei Entwicklungen zu verzeichnen: Die einen verschwinden, die anderen ziehen um. Nicht zurückkehren wird das Letmather Eck – die Schilder der früheren Traditionskneipe hängen noch, das Gebäude wird aber inzwischen privat bewohnt. Auch im Haus Schmale Hannig wird nicht mehr ausgeschenkt, das Gebäude dahinter ist sichtlich verfallen Der letzte Mieter, ein Second-Hand-Laden für Kindermode, ist nach Hohenlimburg gegangen. Darüber informiert ein Zettel hinter einem der kaputten Fenster. Der Besitzer wolle das Objekt loswerden, heißt es, möglicher Käufer: die Stadt.

Es gibt ihn, den Leerstand, aus verschiedenen Gründen und mit unterschiedlichen Perspektiven. Das Ladenlokal im Erdgeschoss der Nummer 14, bis vor anderthalb Jahren Stammplatz des Bekleidungsgeschäfts „Mode für Sie“, soll eine hausgemachte Brache sein, Uneinigkeit der Eigentümergemeinschaft die Ursache. Die Zukunft der früheren Heimat der Boutique „Ambiente“ (Nummer 38) steht genauso in den Sternen wie die des Gebäudes quer gegenüber (Nummer 41), wo die Fleischerei Bührmann einsam die Stellung hält. Beide Objekte sind in derselben privaten Hand, eine schwierige Lebenssituation sorgt derzeit offenbar für Ungewissheit.

Der Istanbul-Grill (Nummer 11) würde die leerstehende Fläche nebenan gern nutzen, aber ein Wanddurchbruch lasse sich baulich kaum realisieren, erfährt man bei einem kurzen Gespräch. Hinter der mit Schiefer verkleideten Fassade des ehemaligen Geschenkeladens „Dies & Das“ wird wahrscheinlich nie wieder etwas über eine Ladentheke gereicht, der bauliche Zustand soll beklagenswert sein.

Das Kindermoden-Fachgeschäft „Tinybelle“ war erst im vergangenen Jahr an die Treppe hinunter zur Fingerhutsmühle umgezogen, jetzt ruht der Betrieb – warum, ist unklar. Der renovierte, aber bislang vor sich hin schlummernde Imbiss an den Domarkaden hingegen könnte bald doch noch öffnen – es soll einen Mieter geben, war vor Ort zu erfahren.

Hinter den Arkaden, an der Fingerhutsmühle, scheint sich das Café Krönchen wohl zu fühlen, nachdem die Betreiber an der Hagener Straße 56 mit der „Stoffblume“ getauscht haben, die selbst zuvor weiter „unten“ ansässig waren. Eindeutig lässt sich keine Strömungsrichtung festmachen, manche Händler ziehen auf-, andere abwärts. Mitunter tauschen auch direkte Nachbarn, wie im Fall von Tedi und Takko im Lennekarree. „Hier gehören eigentlich die Marktstände hin“, findet Rainer Großberndt, aber die Marktbeschicker sähen das anders.

Neuzugänge vor allem in den Domarkaden

Ein neues Gesicht bei den Arkaden ist die Zweigstelle des Eiscafés San Remo. Im Oktober soll das Tierfachgeschäft „PetBuddy“ dazustoßen, später eine Filiale der Allianz-Versicherung. Das R-Café am Flussufer scheint, einigen Unkenrufen zum Trotz, bislang zu florieren. Die neue Konkurrenz muss für alteingesessenen Gastronomen einen bitteren Beigeschmack haben, aber Großberndt ist überzeugt: „Hier werden ganz neue Gesichter nach Letmathe gelockt.“

Wenn die Verwaltung in den nächsten Jahren beim Verkehrskonzept konsequent agiert und dabei auch die Parkplatznot im Innenstadtbereich angeht, wenn der Lückenschluss auf der „Lenneschiene“ gelingt, wenn es Geld aus der „Regionale“ für die Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes gibt . . . viele Weichen für die Zukunft sind noch beweglich. Klar ist nur, dass sich die Dinge weiter verändern werden. Darauf dürfe es nur eine Antwort geben, meint Rainer Großberndt: „Man muss immer weiter nach vorne denken und neue Ideen zulassen.“ Davon hat er noch immer genug – unter anderem träumt er von einer riesigen Open-Air-Leinwand gegenüber der Lennepromenade.

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