Politik

Ringen um verkaufsoffene Sonntage

Helfen Luftaufnahmen? Beim Brückenfest lässt sich gut feststellen, wie sich die Besucher verteilen.Diese Aufnahme stammt von 2016.

Foto: Helmut Rauer

Helfen Luftaufnahmen? Beim Brückenfest lässt sich gut feststellen, wie sich die Besucher verteilen.Diese Aufnahme stammt von 2016. Foto: Helmut Rauer

Letmathe.   Die Stadt will Rechtssicherheit für 2018 haben. Werden alle Termine 2017 gestrichen?

Jetzt stehen sie alle auf der Kippe, die ursprünglich vorgesehenen verkaufsoffenen Sonntage bis Jahresende – in Letmathe und in der gesamten Stadt. Der Haupt- und Personalausschuss wird in seiner Sitzung am Dienstag, 23. Mai, über eine Drucksache beraten, in der die Stadtverwaltung vorschlägt, zwar alle geplanten Veranstaltungen stattfinden zu lassen – aber ohne geöffnete Geschäfte.

Ausgangspunkt ist das Urteil des Arnsberger Verwaltungsgerichtes vom 4. Mai, was zunächst nur das Gesamtpaket „Iserlohner Autosalon“ am 7. Mai betraf. Eine Begründung der Richter bereitet der Stadtverwaltung besonders Probleme: Sie muss den Nachweis erbringen, dass die Menschen mehrheitlich wegen der eigentlichen Veranstaltung in die City strömen und nicht wegen der geöffneten Geschäfte. In der Drucksache für den Ausschuss wird dazu mitgeteilt: „Derzeit sind für alle Veranstaltungen im Zusammenhang mit verkaufsoffenen Sonntagen keine verwertbaren Daten verfügbar, die den Anforderungen des Verwaltungsgerichtes genügen würden. Es kann nicht dargestellt werden, wie viele Personen in der Vergangenheit ausschließlich aufgrund der Veranstaltungen gekommen sind.“

Das gelte städtischen Angaben zufolge also auch für das Letmather Cityfest, das als nächstes im Kalender eingetragen ist (11. Juni), die Kilianskirmes, das Brückenfest und den Weihnachtsmarkt. Einfacher zu lösen ist die Aufgabe, Veranstaltungs- und Verkaufsfläche in Einklang zu bringen. Größenunterschiede wie beim Autosalon, dessen Fläche mit 22 000 Quadratmetern gegenüber der Verkaufsfläche (mehr als 158 000 Quadratmeter) deutlich zu gering war, gibt es in Letmathe nicht. Ein dritter Punkt ist die räumliche Nähe der jeweiligen Veranstaltung zu den geöffneten Geschäften. Nur die Kombination aus dem vergleichsweise kleinen Weihnachtsmarkt an Haus Letmathe und Einkaufsbummel hat wohl schlechte Karten.

Bleibt also noch das Problem mit der Besucherfrequenz. Die Stadt schlägt vor, ein externes Fachunternehmen für diese Ermittlung zu beauftragen. Informationen und Angebote werden laut Vorlage bereits eingeholt, Näheres soll dazu in der Ausschusssitzung bekannt gegeben werden. Bislang wird davon ausgegangen, dass die Kosten zwischen 15 000 und 20 000 Euro liegen. Sind verlässliche und belastbare Besucherzahlen ermittelt, soll das Gespräch mit Verdi gesucht werden. Die Gewerkschaft hatte Anfang Mai gegen das Gesamtpaket Autosalon geklagt. Ziel ist es, 2018 wieder verkaufsoffene Sonntage genehmigt zu bekommen.

Rainer Großberndt sieht kaum Hürden für Letmathe

Die Letmather Werbegemeinschaft tut sich allerdings schwer damit, den Weg der Stadt Iserlohn mitzugehen. Ihr zweiter Vorsitzender, Rainer Großberndt, äußerte gegenüber der Heimatzeitung die Überzeugung, dass es zwischen den verkaufsoffenen Sonntagen in Iserlohn und Letmathe entscheidende Unterschiede gibt. „So, wie wir unsere Veranstaltungen aufziehen, haben wir die angesprochenen Probleme nicht.“ Doch auch hier gibt es die Einschränkung: Kommen genauso viele Besucher zu Cityfest, Kilianskirmes, Brückenfest und Weihnachtsmarkt, wenn die Geschäfte geschlossen bleiben? „Definitiv“, sagt Großberndt einerseits, andererseits kann aber auch er keinen belastbaren Nachweis aus dem Hut zaubern. „Das kann niemand, auch keine teuer bezahlte Agentur.“ Vieles deutet darauf hin, dass auch die Werbegemeinschaft zur Kasse gebeten wird, wenn es in Letmathe zur Zählung kommt.

Ordnungsamts-Leiterin Angela Schunke deutete das bereits am Montag in einem Gespräch mit Großberndt an und bestätigte das auch auf Nachfrage: „Alle Beteiligten müssen gemeinsam überlegen, wer welchen Anteil an der Rechnung tragen kann.“ Großberndt warnt hingegen vor den Folgen einer Untersuchung an einem verregneten Festsonntag, wodurch die Besucherfrequenz geringer ausfalle. Er schlägt vor, Luftaufnahmen zu machen, oder sich die vorhandenen anzuschauen. „Dann sieht man doch, ob die Straßen leer sind, weil sich alle in den Geschäften aufhalten, ob auf der Straße flaniert wird oder ob die Festbesucher rund um einen Veranstaltungsplatz herum stehen.“

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