Kirche

Sascha Heinrich füllt den Kiliansdom

Sascha Heinrichs Primizfeier und die erste Heilige Messe im restaurierten Kiliansdom lockten zahlreiche Besucher.

Sascha Heinrichs Primizfeier und die erste Heilige Messe im restaurierten Kiliansdom lockten zahlreiche Besucher.

Foto: Miriam Mandt-Böckelmann / IKZ

Letmathe.  Erste Heilige Messe nach der Restaurierung mit Primizfeier für waschechten Letmather.

Der Kiliansdom strahlt, Weihrauch-Schwaden liegen in der Luft und die Bänke sind bis auf den letzten Platz gefüllt, viele müssen stehen. Kinder werden im Wagen gewiegt, Rollatoren im Mittelgang geparkt und sogar die Damen in Schwesterntracht schießen noch schnell ein Foto: Die Letmather lockt an diesem Sonntag eine doppelte Premiere. Es ist nicht nur die Primizfeier von „ihrem“ Sascha Heinrich, viele wollen auch „ihre“ alte Kirche in neuem Glanz erstrahlen sehen. Dem Neupriester wird eine ganz besondere Ehre zuteil: Er darf seine erste Heilige Messe im Kiliansdom feiern, es ist gleichzeitig die erste Eucharistiefeier nach der Wiedereröffnung mit einem Konzert an Pfingsten (wie berichtet).

Sascha Heinrich wirkt in der Menge fast ein wenig verloren. Er ist niemand, der den Stolz über das, was er in den letzten Jahren erreicht hat, offen vor sich herträgt. Dabei war der Weg zum „zweiten Leben“ des Letmathers lang, und es brauchte viel Mut und Einsatz, um ihn zu gehen: Den 32-Jährigen kann man mit allem Respekt wohl als „Spätberufenen“ bezeichnen. Nach der Schule erlernt er bei den Stadtwerken Iserlohn den Beruf der Fachkraft für Wasserversorgungstechnik, später qualifiziert er sich weiter zum Wassermeister (IHK). Lange ist er als Messdiener in der Gemeinde tätig und leitet diverse Jugendgruppen. Dann, nach den Erlebnissen des Weltjugendtages 2011 in Madrid, die Wende in seinem Leben: Heinrich setzt alles auf eine Karte, sie heißt „Gott“ . . .

Von 2012 bis 2013 absolviert er das Propädeutikum im Erzbischöflichen Priesterseminar, es folgt ein Theologiestudium im Studienhaus St. Lambert in Lantershofen. Nach seinem Abschluss am überdiözesanen Seminar zur Priesterausbildung wird der Letmather 2017 in den Pastoralkurs des Erzbistums Paderborn aufgenommen. Es folgen Stationen als Diakon im Praktikum in Siegen. Mit seiner ersten Messe in der alten Heimat schließt sich nun der Kreis: Taufe, Kommunion und Firmung – alles hat der Neupriester hier erlebt. Leider ist die Rückkehr in die Heimat nicht von Dauer: Für ihn geht es nach Attendorn, dort wird er eine Pfarrstelle besetzen.

Viele waren bei der Priesterweihe in Paderborn

Es sind unvergessliche Tage auch für die engagierten Gläubigen im Pastoralverbund Letmathe rund um Pastor Frank D. Niemeier: Immer seltener kommt es vor, dass junge Männer den Weg zu Gott finden – und dann einer aus „ihrer“ Gemeinde. Ehre, Stolz und Dankbarkeit zugleich. Zahlreich sind sie zu Heinrichs Priesterweihe am Pfingstwochenende in Paderborn gekommen und haben erlebt, wie dieser vor Erzbischof Becker und der Gemeinde sein Weiheversprechen ablegte. Die Bilder gehen wohl niemandem so schnell aus dem Kopf: Während die Gottesdienstteilnehmer für die drei Weihekandidaten beten, liegen diese flach ausgestreckt auf dem Boden des Altarraums im Hohen Dom – ein Zeichen der besonderen Hingabe.

Anschließend erhält der Neupriester von seinem Letmather Heimat-Pfarrer Frank-Dietmar Niemeier das priesterliche Gewand aus Stola und Messgewand angelegt. Das wird nun bei der Primizfeier durch ein besonderes Gewand ergänzt: Es ist ein Geschenk der Gemeinde an den Neupriester und natürlich spielt darauf, wie auch in Heinrichs Primizspruch („Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude aus den Quellen des Heils“) das Symbol des Wassers eine Rolle. Das nasse Element hat für den Wassermeister eine besondere Bedeutung, das betont auch Subregens Philip Peters vom Studienhaus St. Lambert in seiner Predigt, in der er auf die Bedeutung des Lebensspenders verweist und gleichzeitig meint: „Priester sein, das heißt, den Durst nach Liebe und Leben auf andere Weise zu stillen und das Wasser, das Gott uns schenkt, an die Menschen weiterzugeben.“

Priester muss am Leben der Menschen teilnehmen

Es sind auch nachdenkliche Töne zu hören: Heinrich habe den Priesterberuf in einer Zeit gewählt, in der alles nicht so einfach sei. Es gelänge der Kirche nicht immer, die Menschen zu begeistern, das dürfe man nicht verschweigen, so der Subregens. Aber er sei sicher, dass Heinrich den Draht zu den Menschen finde, er sei „einer von ihnen“. Denn: „Jemand, der Priester sein will, darf nicht abgehoben sein, in irgendwelchen Sphären schweben, er muss am Leben der Menschen teilnehmen und ihre Sprache sprechen.“ Der Rat des stellvertretenden Leiters des bischöflichen Seminars: „Bleib so nah an den Menschen, wie du es immer warst. Spiritualität, Geistigkeit und Bodenständigkeit – das geht bei dir zusammen!“ Dafür gab es Applaus,. Und der so Gelobte? Dem kommen die Tränen – und ihm fehlen die Worte. Sein Dank geht an die Eltern Thomas und Brigitte und an alle Anwesenden. Er sagt: „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass eine Gemeinde so hinter einem Primizianten steht.“ Ganz besonders nennt er Volker Bellebaum vom Kirchenvorstand, der die Renovierung jeden Tag begleitet hat. „Danke Volker, dass du es möglich gemacht hast, dass die Glocken von St. Kilian an diesem Tag läuten!“ Und das tun sie – pünktlich zur Wandlung. Gemeinsam singt die Gemeinde als besonderes Zeichen der der Geschlossenheit das „Kilianslied“.

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