Politik

Scheffler lässt seine Zukunft offen

Michael Scheffler stand am Sonntagabend die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Es ist wahrscheinlich, dass zu seinen 17 Jahren in Düsseldorf kein weiteres mehr hinzu kommt.

Foto: Michael May

Michael Scheffler stand am Sonntagabend die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Es ist wahrscheinlich, dass zu seinen 17 Jahren in Düsseldorf kein weiteres mehr hinzu kommt. Foto: Michael May

Letmathe.   Der Letmather Abgeordnete verliert mit dem Wahlkreis auch den Sitz im Landtag.

17 Jahre gehörte Michael Scheffler dem Düsseldorfer Landtag an. Doch ausgerechnet in der bevorstehenden 17. Legislaturperiode ist er nicht mehr dabei. Was am Sonntagabend bereits stark zu vermuten war, hat der SPD-Politiker der Letmather Redaktion der Heimatzeitung am frühen Montagnachmittag in einem Telefongespräch bestätigt: Auch über die Landesliste seiner Partei bleibt ihm der Sprung ins Parlament verwehrt. Den Sieg im Wahlkreis 121 hatte Thorsten Schick (CDU) eingeheimst.

Scheffler ist zu diesem Zeitpunkt irgendwo im Land mit dem Auto unterwegs, sein Terminkalender ist gut gefüllt. Wer ihn sprechen hört, kommt nicht sofort darauf, dass er „eine unruhige Nacht“, wie er selbst sagt, hinter sich hat. Er macht einen gefassten, aber nachdenklichen Eindruck. Freundlich und sachlich – wie immer – antwortet er auf die vielen Fragen, die sich am Tag nach der Wahl stellen.

Auch in Letmathe ist Scheffler nur zweiter Sieger

Was nun kommt? Das weiß er noch nicht. „Ich muss das alles erstmal sacken lassen und ein paar Nächte drüber schlafen. Es ist ja alles noch sehr frisch.“ 4,5 Prozentpunkte ist er im Wahlkreis hinter Schick gelandet, dessen Vorsprung in Letmathe mit 5,28 Prozentpunkten sogar noch etwas größer ausgefallen ist. Woran es gelegen hat, dass seine SPD im ganzen Land erhebliche Verluste hinnehmen musste? Scheffler antwortet diplomatisch, sagt, dass darüber jetzt in Ruhe diskutiert werden müsse. Und wird dann doch etwas konkreter: „Vielleicht hatten wir nicht die richtigen Themen, sind im Wahlkampf teils zu defensiv gewesen. Unsere ,Abteilung Attacke’ wirkte gehemmt. Wir haben es außerdem versäumt, auch mal Themen zuzuspitzen. Im Nachhinein sieht man viele Dinge anders.“

Niederlage hin oder her – auf sein Wahlkampf-Team lässt er nichts kommen. „Wir waren bis zum Anschlag und darüber hinaus im Einsatz. Es tut mir deshalb auch leid für die Leute, die sich so unglaublich ins Zeug gelegt haben.“ So groß aktuell der Schock wegen des Wahlausgangs auch ist – Scheffler hat ihn schon einmal überwunden. Damals, 2005, als das durch die Wahl in NRW ausgelöste politische Beben noch stärker war und letztendlich auch zum Regierungswechsel auf Bundesebene führte, schöpfte Scheffler schnell wieder neuen Mut, kehrte 2010 in den Landtag zurück und verteidigte seinen Platz vor fünf Jahren erfolgreich. Sein Kampfgeist flackert auch in dieser schwierigen Situation wieder auf, als er sagt: „Sich hängen lassen bringt nichts.“ Im selben Atemzug bestätigt und untermauert er aber gleichzeitig den Eindruck der am Wahlabend entstanden ist: Dass seine landespolitische Laufbahn beendet ist. Immerhin feiert Michael Scheffler im Laufe dieses Jahres seinen 63. Geburtstag. „Und“, sagt er abschließend, „irgendwann kommt vielleicht auch einmal der Zeitpunkt, ab dem man nicht mehr nach dem Terminkalender leben möchte.“

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