Comedy

Schocktherapie gegen Berührungsängste mit Martin Fromme

Martin Fromme ist bei seinem Comedyprogramm schonungslos provokativ – damit verfolgt er ein hehres Ziel.

Martin Fromme ist bei seinem Comedyprogramm schonungslos provokativ – damit verfolgt er ein hehres Ziel.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe.  Komiker Martin Fromme hat im „Bahnsteig 42“ zur Holzhammermethode gegriffen, um einen unbefangenen Umgang mit Behinderungen zu befördern.

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Wenn es etwas gibt, das Martin Fromme auf der Bühne ablehnt, ist es Subtilität. Sein Wahlspruch „Besser Arm ab als arm dran“, das in Druckbuchstaben auf seinem T-Shirt prangt, ist ein gutes Indiz für seinen Humor. Die voll besetzten Stuhlreihen zeigten bei seinem erneuten Auftritt im Rahmen der Reihe „Kultur am Bahnsteig 42“, diesmal mit seinem neuen Programm „Glückliches Händchen“, dass er damit beim Letmather Publikum keineswegs aneckt.

Der Komiker sucht permanent die Provokation. Für den guten Zweck, natürlich. Wenn er vor den Gästen in Augenhöhe mit seinem Armstummel herumfuchtelt, genießt er – ganz bestimmt – nicht die leisen Qualen der höflichen Menschen, die zwischen dem unwillkürlichen Impuls des Anstarrens und der ein Leben lang trainierten Kunst des Vorbeischauens hin- und hergerissen werden. „Ich mache es euch leichter, ich sehe nicht hin“, treibt Martin Fromme das Spiel auf die Spitze und lässt das Publikum für einen Moment ungestört gucken – wohin auch immer.

Deshalb sei er Comedian geworden: „Als Behinderter wird man sowieso angestarrt, auf der Straße gibt es dafür aber kein Geld, das ist scheiße.“ Derbe Sprache gehört ebenso zum Konzept wie erbarmungslose politische Unkorrektheit. Bei Witzen auch über andere Handicaps kennt er kein Pardon, auch nicht bei „unsichtbaren“. Geistig Behinderte etwa, die unter Verfolgungswahn leiden, sollte man bei den Paralympics im Sprint antreten lassen – da seien Spitzenleistungen doch garantiert.

Grenzüberschreitung für die gute Sache

Martin Fromme sucht den Tabubruch, die Grenzüberschreitung. Das Sexuelle ist ihm dazu ebenso recht wie das Fäkale. Auch vor Gewalt schreckt er nicht zurück und lässt sein Comedian-Alter-Ego in einer Geschichte eine lästige Stalkerin, die sich aus Gefallsucht Arme und Beine hat amputieren lassen, an der Hoteltür „wegtreten“. Martin Fromme darf das, er ist ja selbst behindert. Und noch dazu Künstler. Das gibt ihm einen doppelten Freifahrtschein – oder?

Erfolg ist dem Komiker zweifellos bei seiner Mission beschieden, Menschen mit dem zu konfrontieren, was im Alltag Wortfindungsstörungen und betretene Blicken zu Boden bereitet. Das ist bewundernswert, solange die Provokation nicht zum Selbstzweck gerät.

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