Kiliansdom

Sehnsucht nach Kirche und Klang der Orgel

Durch die Anordnung der Plätze wurde beim ersten Sonntagsgottesdienst im Kiliansdom sogar mehr als der nötige Abstand eingehalten.

Durch die Anordnung der Plätze wurde beim ersten Sonntagsgottesdienst im Kiliansdom sogar mehr als der nötige Abstand eingehalten.

Foto: Torsten Lehmann / IKZ

Letmathe.  Bei der ersten Sonntagsmesse nach den Lockerungen waren alle im Kiliansdom möglichen 80 Plätze besetzt.

Bei der ersten Sonntagsmesse im Kiliansdom nach der Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen wurden die Besucher von Dr. Markus Mönig vom Kirchenvorstand vor der Tür begrüßt.

Und das nicht nur, weil man sich zumindest in der Kirche neun Wochen lang nicht gesehen hatte, sondern vor allem auch, um auf die Hygieneregeln hinzuweisen. Da die Verantwortlichen nicht mit Flatterband arbeiten wollten, wurden stattdessen die möglichen Sitzplätze mit weißen Punkten markiert. „Familien bzw. Personen aus einem Haushalt konnten dort natürlich gemeinsam sitzen“, erklärte Dr. Mönig, der mit Markus Schütte als Ordner fungierte. So war trotz des nötigen Abstands Platz für 80 Besucher, der allerdings auch schon ausgeschöpft war, noch bevor die Glocken verstummten. „Weitere zehn mussten wir leider wieder wegschicken, aber die haben alle mit großem Verständnis reagiert“, sagte Schütte. Während die Benutzung der beiden Desinfektionsmittelspender am Eingang in den nächsten Wochen so selbstverständlich sein sollte wie sonst der Griff ins Becken mit dem Weihwasser, sind Masken übrigens aufgrund der eingehaltenen Abstände keine Pflicht. „Wer eine aufsetzt, wird aber nicht schief angeschaut“, unterstrich Dr. Mönig.

Eine weitere Vorsichtsmaßnahme ist der Verzicht auf Gesang. „Teile der Messe, die sonst gesungen werden, werden wir beten“, hatte Pfarrer Frank D. Niemeier zuvor angekündigt. Trotz der Einschränkungen hätten sich viele sehr auf die Gottesdienste in ihrer Kirche gefreut, wie sich auch schon bei den gut besuchten vier Werktagsmessen in der vergangenen Woche gezeigt habe. Und die Menschen hätten sich auf den Klang der Orgel gefreut, die von Heinrich Mainka gespielt wurde. Auch der Gang zur Kommunion fällt zunächst einmal aus. Stattdessen brachte der Pfarrer den Leib Christi zu den Gläubigen in die Bänke. „Man sah viele dankbare Gesichter und spürte, dass es ein Bedürfnis ist, in Gemeinschaft Gottesdienst zu feiern und die Eucharistie zu empfangen“, stellte Gemeindereferentin Aleksandra Reichert fest. Aus Verantwortung gegenüber den Risikogruppen werde man, so Pfarrer Niemeier, mit Ruhe und Bedacht bei möglichen weiteren Lockerungen vorgehen, und auch erst einmal weiter neben den Messen dienstags bis freitags um 18 Uhr, den beiden Vorabendmessen in Mariae Himmelfahrt (17 Uhr) und Herz Jesu Grüne (18 Uhr) und der Sonntagsmesse (11.15 Uhr) im Kiliansdom montags bis samstags um 9 Uhr sowie sonntags um 9.30 Uhr Gottesdienste übertragen.

„Werktags hatten wir dabei zuletzt auch mehr Besucher als sonst in der Kirche“, sagte Pastor Hubert Olbricht, der am Sonntag die Messe zusammen mit Diakon Peter Trotier für den Livestream auf Youtube zelebrierte. Während Trotier kein Problem hat, vor der Kamera in der menschenleeren Kirche zu agieren, bekannte der Pastor, dass das immer noch „ganz schlimm“ für ihn sei: „Das ist nicht mein Ding. Ich muss mir immer vorstellen, dass die Kirche so wie sonst mit Besuchern gefüllt ist, dann geht es.“ Umso mehr sei er jetzt froh, dass es wieder „etwas Normalität“ gebe: „Auch wenn wir es noch nicht so nennen können.“ Diakon Trotier hat hingegen die neuen technischen Möglichkeiten sehr schätzen gelernt, vor allem auch mit Blick auf die Christen, die man dadurch neu bzw. wieder erreicht habe. So habe beispielsweise die 97-jährige Mutter eines Bekannten, die selber nicht mehr in den Dom kommen könne, sich sehr gefreut, dank der Übertragung endlich mal wieder einen Gottesdienst in der eigenen Kirche miterleben zu dürfen.

„Für den bisweilen auftretenden Versatz zwischen Bild und Ton können wir übrigens leider nichts, bei uns geht beides gleichzeitig raus“, verdeutlichte Kirchenvorstandsmitglied Volker Bellebaum. Der Kameramann, Regisseur und Ton-Techniker in einem bei der Übertragung der Gottesdienste sorgte am Sonntag anlässlich des Ehrentags für alle Mütter für eine besondere Zugabe: Über die Pfarrnachrichten, WhatsApp und Insta­gram hatte Aleksandra Reichert dazu aufgerufen, selbst aufgenommene Grüße zu schicken. Insgesamt 14 sehr schöne und teils auch sehr emotionale Botschaften an die Frauen, ohne die ja jeder von uns gar nicht auf der Welt wäre, kamen dabei zusammen und bedeuteten für die Angesprochenen eine ganz besondere Überraschung zum Muttertag.

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