Bürgerinitiative

Sorge um die „letzte grüne Lunge“ in Dröschede

Die Übersicht zeigt die private Grünfläche (farbig markiert) und den geplanten Durchstoß zur Rauhe Hardt.

Die Übersicht zeigt die private Grünfläche (farbig markiert) und den geplanten Durchstoß zur Rauhe Hardt.

Foto: Privat / IKZ

Dröschede.  Anwohner und Vereine laufen Sturm gegen geplante Seniorenwohnungen im Dröscheder Ortskern.

Es brodelt im Dorf. Unter der Führung von Monika Stockmann, Sprecherin der Dröscheder Vereine, laufen Anwohner Sturm gegen ein privates Bauvorhaben, das zunächst harmlos klingt. Eine zweigeschossige Wohnanlage für Senioren hat das Letmather Architekturbüro Brill und Göcking entworfen. In zwei Wohngemeinschaften für acht bis zehn Personen und vier Zweizimmerwohnungen sollen Ältere barrierefrei und in fußläufiger Distanz zu den Angeboten im Dorfkern leben können.

Dorfcharakter soll nicht noch mehr leiden

„Wir haben nichts gegen ein Seniorenwohnheim“, stellt Monika Stockmann bei einem Ortsbesuch klar und ergänzt genau so resolut: „Aber bitte nicht hier!“ Wo liegt das Problem? Es geht um den Bereich zwischen Hellweg, Kampstraße, Rauhe Hardt, Schultenhof und Kuhloweg, genauer eine unbebaute Fläche, die an das Sträßchen Im Brauck grenzt. Rasen, Bäume, Sträucher – hier hat die Nachbarschaft einen grünen Flecken, der den dörflichen Charakter der Siedlung unterstreicht.

Um diese „grüne Lunge“ bangen die Dröscheder, die sich hinter der Vereinsgemeinschaft formieren. Im städtischen Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung sind bezüglich einer Änderung des Bebauungsplans Dröschede Ortskern (L 17), die das Wohngebiet zulasten der privaten Grünfläche ausweiten würde, zuletzt Zweifel laut geworden. Auf seiner Sitzung vom 8. Oktober votierte der Rat der Stadt Iserlohn mit 26 zu 20 Stimmen und einer Enthaltung für einen entsprechenden Aufstellungsbeschluss – endgültig entschieden ist damit noch nichts, aber das Bauvorhaben ist zum Projekt geworden, das beraten wird und in den nächsten Jahren umgesetzt werden könnte, wenn sich die politischen Waagschalen nicht wieder verlagern.

Im Visier von Investoren ist die Grünfläche schon seit 2013

Es wäre nicht das erste Mal – Bestrebungen, die Wohnbebauung im Dröscheder Ortskern auszuweiten, standen schon 2013 auf der Tagesordnung, wurden aber wieder kassiert. Die jetzt Protestierenden werfen insbesondere der CDU vor, gegen den Bürgerwillen zu handeln. Der Bereich sei jetzt schon zu stark mit Durchgangsverkehr belastet, erklärt die Dorfsprecherin. Vertreter der Fraktionen SPD, Grüne und Linke hatten sich im Rat gegen den Beschluss ausgesprochen. Ratsmitglied Ilona Höche (CDU) berief sich laut Protokoll auf „positive Resonanz“ von Anwohnern, was bei Monika Stockmann Kopfschütteln hervorruft: „Wer soll das sein? Wir kennen niemanden, der dafür ist.“

Auch die geplante Zuwegung für die Seniorenwohnanlage über eine Stichstraße, die von Rauhe Hardt abgehen und den Garten eines Anliegers verkleinern würde, prangert die Dorfsprecherin als unzumutbar an: „Die können dann im Vorbeifahren die Dachziegel runternehmen“, verweist sie auf den engen Raum. Stadtbaurat Thorsten Grote erläutert in einer Unterlage zum Sachverhalt, die Grünfläche sei für einen Kinderspielplatz frei gehalten worden, der inzwischen auf der benachbarten städtischen Grünfläche an Im Brauck entstanden ist. „Es gibt damit keinen hinreichenden Grund mehr, eine Fläche mit einer Nutzungsfestsetzung, für die vorhersehbar kein Bedarf erkennbar ist, weiterhin dauerhaft zu bevorraten“, heißt es dort.

Die unzufriedenen Dröscheder befürchten eine Eskalation der angespannten Verkehrsbelastung durch Besucher und vor allem Pflegedienste, die mehrmals täglich anreisen und in der Nähe parken müssen. Auch ästhetisch passe der Entwurf nicht zu den bestehenden Gebäuden im Umkreis, meinen Monika Stockmann und ihre Mitstreiter und widersprechen damit der Einschätzung Ilona Höches, der Neubau würde „das Erscheinungsbild der Umgebung nicht beeinträchtigen“. Das Bündnis gegen das Bauvorhaben hat einen offenen Brief an die Fraktionen angekündigt und will zu einer Ortsbegehung einladen, um seinen Standpunkt zu vermitteln.

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