Luftballon-Wettbewerbe

Sorge vor Ballon-Verbot: Gefährlich für Wildtiere?

Falls sich Iserlohn ein Vorbild an Gütersloh nimmt, könnte der Ballonwettbewerb auf der Kirmes irgendwann der Vergangenheit angehören

Falls sich Iserlohn ein Vorbild an Gütersloh nimmt, könnte der Ballonwettbewerb auf der Kirmes irgendwann der Vergangenheit angehören

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe/Iserlohn.  Der Ballonwettbewerb der DAHW hilft schwer kranken Menschen. Naturschützer warnen jedoch vor Gefahren für Wildtiere – Verbote gibt es bereits

212 Kilometer ist der diesjährige Rekord beim Luftballonwettbewerb der Deutschen Lepra- und Tuberkulosenhilfe (früher Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk, DAHW) auf der Kilianskirmes. So weit flog der Luftballon des 49-jährigen Markus Stange nach Nordosten, gefunden wurde er in Salzgitter. Platz zwei geht an Klaus Rosenblatt (78) aus Lasbeck, dessen Ballon es bis nach Höxter geschafft hat. Mit 136 Kilometern teilt er sich den zweiten Rang mit Ingo Niebecker, der bei der Stadtverwaltung arbeitet: Seine Luftpost ist im benachbarten Holzminden angekommen. Während der Prämierung im Rathaus am Schillerplatz ist er nicht weit weg, kann wegen einer ausufernden Sitzung allerdings nicht dazustoßen.

Die beiden anderen Gewinner sind Stammgäste auf der Kilianskirmes. „Ich bin da gern mit Freunden und genieße die Atmosphäre“, sagt Markus Stange, der zum „fünften oder sechsten Mal“ am Wettbewerb teilgenommen hat. Klaus Rosenblatt erinnert sich noch an Zeiten, als die Luftballonaktion für Kinder untrennbar mit dem Kirmesbesuch verbunden gewesen sei. Seine verstorbene Schwiegermutter habe jahrzehntelang mitgemacht, er selbst jetzt zum ersten Mal – und durfte sich prompt über eine Urkunde und kleine Preise freuen.

Aber, und da stimmt Markus Stange ihm zu: „Es geht darum, die gute Sache zu unterstützen.“ Rosenblatt, der sich lange als Vorsitzender der Lasbecker Siedlergemeinschaft engagiert hat, weiß, wie wichtig und gleichzeitig schwierig das ist. In diesem Sinne dankte Vizebürgermeister Thorsten Schick der Hauptorganisatorin Sabine Schlücking ebenso für ihren Einsatz wie den übrigen ehrenamtlichen Helfern.

Die Vertreterin der Letmather Abteilung des DAHW ist aktuell in Sorge: In den Niederlanden sind Verbote von Wettbewerben mit Heliumballons auf dem Vormarsch; seit Amsterdam 2015 als erste Stadt diesen Schritt gegangen ist, haben mehr als 60 Kommunen nachgezogen. Und im September ist die Verwaltung in Gütersloh einem Bürgerantrag gefolgt und hat Ballonwettbewerbe bei Veranstaltungen städtischer Einrichtungen wie Kitas unterbunden.

Genaue Zahlen zu Wildschädendurch Ballons liegen nicht vor

Manche Tierschützer machen die Reste der bunten Flugobjekte für verendete Wildtiere wie Vögel verantwortlich, in manchen Kreisen erntet diese Entscheidung daher Applaus, sogar von einer „Vorreiterrolle“ war schon die Rede. Sabine Schlücking betont, der Verein setze bewusst auf biologisch abbaubares Material und verzichte auf Plastikschnüre.

Wie groß ist die Gefahr für Tiere tatsächlich? Klar ist, dass auch Kautschukballons und Hanfschnüre der biologischen Zersetzung Wochen oder Monate widerstehen und Todesfälle im Zusammenhang mit Luftballonresten nicht frei erfunden sind. Eine Anfrage beim NABU Märkischer Kreis ergab, dass hier bislang keine solchen Fälle dokumentiert worden seien. Meeresbiologen der Universität Wageningen (Niederlande) warnen vor Luftballons und berufen sich dabei auf Untersuchungen von verendeten Seevögeln, bei einer Art seien in zwei Prozent der Kadaver Reste von Ballon-Latex nachgewiesen worden. Generell würden solche Fälle „ab und zu“ gemeldet.

Unabhängig von der Antwort auf diese Frage hat Sabine Schlücking auch die steigenden Kosten für Helium im Blick: „Wenn das so weitergeht, müssen wir die Preise anheben.“ Thorsten Schick beruhigte: Ein Luftballonverbot sei in Iserlohn derzeit nicht absehbar und die Teilnehmer seien sicherlich bereit, auch ein wenig mehr für die gute Sache zu geben: „Viele runden doch jetzt schon auf.“ Insgesamt, bilanzierte Sabine Schlücking, sind auf der vergangenen Kilianskirmes 1225 Luftballons auf die Reise gegangen.

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