Marienhospital

Sozialplan nicht mehr als ein Trostpflaster

Schon im Februar 1996 gingen Tausende gegen die damals drohende Schließung des Marienhospitals auf die Straße. Damals konnte diese noch einmal abgewendet werden.

Schon im Februar 1996 gingen Tausende gegen die damals drohende Schließung des Marienhospitals auf die Straße. Damals konnte diese noch einmal abgewendet werden.

Foto: Archiv / IKZ

Letmathe.  Der Betriebsrat zeigt sich zufrieden mit dem ausgehandelten Sozialplan, aber auch Verständnis für Unmutsreaktionen im Marienhospital.

Nur ein kleiner Teil der Belegschaft des Marienhospitals wird ein Übernahmeangebot der Trägergesellschaft Märkische Gesundheitsholding annehmen und ab November im Klinikum Lüdenscheid oder in der Stadtklinik Werdohl arbeiten – das ist nach aktuellem Stand der Recherchen unserer Zeitung die einzige realistische Erwartung. Als Entscheidungsgrundlage haben die Mitarbeiter jetzt auch einen Sozialplan vorliegen, den die Geschäftsführung und der Betriebsrat ausgehandelt und der Belegschaft am Montag vorgelegt haben.

Zusätzliche Fahrtkosten werden teilweise ausgeglichen

Gegenstand der Verhandlungen war die Frage, inwieweit Mitarbeitern, die das Übernahmeangebot der GmbH annehmen, eine Entschädigung für die finanziellen Nachteile zusteht, die ihnen durch den längeren Arbeitsweg entstehen. Betriebsrat Jürgen Weber erläutert dies anhand eines Beispiels: „Ein Mitarbeiter wohnt in der Nähe des Marienhospitals und ist bislang zu Fuß zur Arbeit gegangen, bald muss er nach Lüdenscheid fahren. Er muss den Sprit bezahlen und vielleicht noch für einen Parkplatz.“

Für einen Teil dieser Kosten stehe dem Beschäftigten eine Ausgleichszahlung durch den Arbeitgeber zu. Dazu gibt es verschiedene gesetzliche Vorgaben, der Rest ist Verhandlungssache. In Fällen, in denen Mitarbeiter kein Auto haben und sich für den neuen Arbeitsweg eins anschaffen, sehe der Sozialplan finanzielle Hilfe aus einem Härtefonds vor. „Das ist eine ganz ordentliche Summe“, meint der Betriebsrat, ohne Zahlen zu nennen.

Wer sich den täglichen Weg über die A 45 ersparen und näher an den neuen Arbeitsort ziehen möchte, habe ebenfalls Anspruch auf einen finanziellen Ausgleich, und zwar in Höhe der Fahrtkosten, die er durch den Umzug vermeidet – nicht für immer, sondern für die im Sozialplan vereinbarte Dauer. „Üblich sind zwei bis drei Jahre, wir konnten eine deutliche längere Laufzeit aushandeln“, berichtet Jürgen Weber, der sich mit dem Ergebnis der Verhandlungen zufrieden zeigte.

Dieser Einschätzung wollen nicht alle Beschäftigte folgen, einige sind enttäuscht. Zum Teil hätten sie schon Anwälte für Arbeitsrecht eingeschaltet, hieß es im Nachgang der Betriebsversammlung, die unter strengen Auflagen stattgefunden haben soll. So berichten Mitarbeiter, dass anders als bei zuvor die Betriebsausweise kontrolliert worden seien – wer keinen vorzeigen konnte, musste draußen bleiben. Wer Inhalte der Besprechung an die Öffentlichkeit gebe, müsse mit dienstlichen Konsequenzen rechnen, habe die Ansage gelautet.

Betriebsrat Jürgen Weber hat Verständnis für Unmutsreaktionen der Belegschaft: „Die Betroffenen sind bei einem Sozialplan immer unzufrieden. Das Grundproblem ist ja, dass ihnen der Arbeitsplatz weggerissen wird. Wir können durch den Sozialplan nur finanzielle Nachteile ausgleichen – damit haben wir, glaube ich, ein gutes Pflaster gemacht, um die Heilung zu unterstützen.“ Wenn der Betriebsrat keine so juristisch beschlagene Person für die Verhandlungsführung gefunden hätte, sähe das Ergebnis wesentlich schlechter aus, ist Weber überzeugt: „Wir wurden bei den Gesprächen gut unterstützt.“

Bonuszahlungen für die einen, für andere lohnt es sich nicht

Er deutete an, dass der Betriebsrat in den vergangenen Wochen weitere Vorteile wie Bonuszahlungen für Beschäftigte ausgehandelt habe, um die Übernahmeangebote attraktiver zu machen. Diese sind formal nicht Bestandteil des Sozialplans. Mit allen Angestellten sei gesprochen worden, bekräftigte Weber die Aussage von Geschäftsführer Dr. Thorsten Kehe, unabhängig davon, ob sie in Voll- oder Teilzeit oder auf geringfügiger Basis angestellt seien. Er räumte allerdings ein, dass für letztere die Perspektive, ihre Tätigkeit in Lüdenscheid oder Werdohl fortzuführen, wenig verlockend sein könne. „Die Fahrtkosten werden ja nicht zu 100 Prozent erstattet. Wenn die Betroffenen die verbleibende Summe noch von ihrem Arbeitslohn abziehen müssen, lohnt es sich für viele kaum.“

In den nächsten Tagen erwartet die GmbH Rückmeldungen von den Mitarbeitern. Wer bereits ein Angebot einer Klinik im näheren Umkreis – Iserlohn, Hagen, Hemer – in der Schublade hat, dürfte sich jetzt schnell entscheiden. Viele der anderen Häuser hatten seit der Ankündigung der Schließung verstärkt und zum Teil mit großem Aufwand um das begehrte medizinische Fachpersonal gebuhlt (wir berichteten).

Eine Sonderstellung nimmt die Schmerzklinik ein, die vielen als Alleinstellungsmerkmal in Letmathe gilt. Thorsten Kehe hatte sich im Kreisausschuss auf Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung berufen, die erweisen sollen, was aus der ambulanten Behandlung von Patienten wird. Dem Vernehmen nach haben Chefarzt Dr. Wolfgang Welke und die GmbH abweichende Vorstellungen über die Zukunft. Implantationen werden dort offenbar nicht mehr vorgenommen, Patienten berichten schon seit Längerem von Schwierigkeiten, einen Termin zu bekommen. Einige wollen jetzt Absagen für vereinbarte OP-Termine erhalten haben.

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