Marienhospital

Stadt arbeitet fiebrig an der Klinik-Rettung

Unverdrossen optimistisch und engagiert bei der Arbeit: Die Ärte, Schwestern und Pfleger des Marienhospitals in Letmathe

Unverdrossen optimistisch und engagiert bei der Arbeit: Die Ärte, Schwestern und Pfleger des Marienhospitals in Letmathe

Foto: Frank Jungbluth / IKZ

Letmathe/Lüdenscheid.  Vergessene Abrechnungen in der Bilanz, Mitarbeiter-Schikane. Das Dauerfeuer gegen das Marienhospital aus Richtung Lüdenscheid hört nicht auf.

Es ist der 17. Juli 2019, ein heißer Tag. Um die Mittagszeit empfängt Landrat Thomas Gemke (CDU) im Iserlohner Kreishaus in seinem Büro Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens, den Sozialdezernenten Martin Stolte und Stadtkämmerer Michael Wojtek. Mit dabei ist auch André Koch, Kaufmännischer Direktor der Märkischen Kliniken, dem Unternehmen, das dem Marienhospital Letmathe für immer den Strom abstellen will. Spätestens am 31. Dezember 2019. Oder doch schon früher.

Es ist der 7. August 2019, vor sechs Wochen hat der Kreistag gegen das Marienhospital Letmathe entschieden. Ausgerechnet die, von denen die Beschäftigten in der Klinik Hilfe erwartet hatten, sind die willigsten Vollstrecker des Landrates und des Vorsitzenden der Geschäftsführung der Märkischen Kliniken, Dr. Thorsten Kehe – der Betriebsrat der Kliniken und die SPD-Kreistagsabgeordneten aus dem Südkreis helfen in dieser Koalition der Abwickler, die Reihen zu schließen und das Aus in Letmathe zu besiegeln.

An diesem Mittwoch sind die Beschäftigten und Ärzte des Marienhospitals wieder auf der Straße, um noch einmal deutlich zu machen: „Uns gibt es noch, wir bleiben hier, wir gehen nicht.“ Es habe nur zwei Kündigungen gegeben, sagt Michael Hillebrand (60), seit 42 Jahren Pfleger im Marienhospital. Er ist unruhig in diesen Tagen. So wie viele Kolleginnen und Kollegen und ebenso viele Patienten. „Die Leute vertrauen uns ja“, weiß Hillebrand. „Und sie brauchen dieses Krankenhaus.“

Beim Gespräch zwischen Landrat und Bürgermeister am 17. Juli im sozusagen exterritorialen Büro von Thomas Gemke in der früheren Kreisstadt Iserlohn geht es um Datensätze und Unterstützung des heutigen Besitzers des Marienhospitals für den vielleicht künftigen Eigner der Klinik – die Stadt Iserlohn.

Der Rat hat am 7. Juli beschlossen, dass man versuchen will, das Krankenhaus mit den mehr als 146 Jahren Tradition in Letmathe zu retten. Die Verwaltung ist beauftragt, alles herauszufinden, was man braucht, um eine seriöse Basis für den Betrieb zu haben. Rechnet sich das? Was brauchen wir alles? Wie viel müsste man – beispielsweise für modernen Brandschutz – investieren? Mit wem könnte man kooperieren?

Da stehen sie wieder, vor der gläsernen Eingangstür, auf der steht: „Hände weg vom Marienhospital“. Die Beschäftigten wollten sich schon vor Wochen bedanken bei den Bürgern der Stadt, den vielen Patienten aus der Umgebung, die hier her kommen, um optimal versorgt zu werden. Sie kommen, weil der erfahrene Chirurg Dr. Rudolf Hollenders einen exzellenten Ruf hat und viele Patienten nur ihm eine größere Operation zutrauen. Sie kommen nach Letmathe, weil sie in der Schmerzklinik von Dr. Wolfgang Welke nach jahrelanger Pein endlich Linderung erfahren haben.

„Uns wurde untersagt, das Banner mit der Dank-Botschaft aufzuhängen“, sagt Pfleger Michael Hillebrand. Die Geschichte von der geplanten Abwicklung des Marienhospitals sei auch eine der Halbwahrheiten und Spekulationen. Jedem, der hier seinen Arbeitsplatz nach der Schließung verlöre, werde eine neue Stelle im Klinikverbund, in Lüdenscheid oder Werdohl, angeboten.

„Die Wahrheit ist eine andere“, weiß Hillebrand. Gerade Beschäftigte mit kleinen Jobs und kleinem Gehalt seien am Ende im Stich gelassen worden. 49 Pflegekräfte sind noch im Marienhospital, knapp 50 Betten sind belegt. „Das ist auch die Sommerflaute“, sagt Dr. Wolfgang Welke. Natürlich müsse sich jede Schwester, jeder Arzt, jeder Pfleger heute Gedanken machen um den Tag nach der Schließung. Klinikdirektor Dr. Ulrich Müller weiß um die Begehrlichkeiten der anderen Kliniken um Letmathe herum. Fachkräfte werden nicht untergehen, wenn das Marienhospital sinkt.

„Das Zeitfenster ist klein,wir können nicht warten“

„Die Beschäftigten sind keine Ratten, die das sinkende Schiff verlassen, alle halten aus, alle kämpfen und arbeiten hart“, sagt Michael Hillebrand. „Wir glauben an dieses Krankenhaus.“ Die Signale seien wichtig, meint er. So wie der Hoffnungsschimmer, der von Experten kommt, die Vizebürgermeister Michael Scheffler kennt. Die können sich vorstellen, auch so ein kleines Haus profitabel zu führen.

Gesundheitsdezernent Martin Stolte kündigt an, dass man schon Anfang September im Kreis der Dezernenten im Rathaus erörtern will, was man ermittelt hat. „Wir führen zur Zeit viele Gespräche. Die Dezernentenrunde wird ein Meilenstein. Wir warten sicher nicht bis zur Sitzung des Rates im Oktober. Das Zeitfenster ist dafür zu klein“, sagt er.

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