Ausbildung

Suche nach den grünsten Daumen

Anhand von Abbildungen gilt es an dieser Station, Wildkräuter korrekt zu benennen und Angaben zu Genießbarkeit und Saatzeit zu machen.

Anhand von Abbildungen gilt es an dieser Station, Wildkräuter korrekt zu benennen und Angaben zu Genießbarkeit und Saatzeit zu machen.

Foto: Alexander Barth

Letmathe.  Sechs Nachwuchsgärtner haben sich am Berufskolleg MK beim Leistungswettbewerb für den Landesentscheid im Juni qualifiziert.

Der „grüne Daumen“ ist nicht angeboren – zumindest die Lehrer am Berufskolleg des Märkischen Kreises sind davon überzeugt, dass mit Fleiß und Übung jeder ein guter Gärtner werden kann. Mit ihren Fertigkeiten treten die Berufsschüler auch gegeneinander an, nämlich beim Berufswettbewerb der Arbeitsgemeinschaft deutscher Junggärtner (AdJ) und des Zentralverbands Gartenbau (ZVG). Die Unterrichtsräume an der Aucheler Straße waren Schauplatz der ersten Auswahlrunde bei dem bundesweiten Wettkampf: In Dreierteams galt es, an zehn verschiedenen Stationen theoretisches Wissen und praktische Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Die 60 teilnehmenden Jugendlichen rekrutierten sich aus den Schwerpunkten Garten- und Landschafts-, Zierpflanzen- und Friedhofsgartenbau. Dabei sind gemischte Teams im Vorteil, erklärte Lehrer Ron Skoluda: „Die Gruppen müssen aus allen Bereichen Aufgaben lösen. Clevere Teams haben für jede Aufgabe einen Spezialisten dabei.“ In der Praxis müssen die Auszubildenden aber auch gut zusammenarbeiten, damit der Plan aufgeht, und sich innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens auf eine Antwort einigen, die sie in die Lösungsbögen eintragen. „Die Kooperation ist bewusst Teil der Herausforderung“, verrät Ron Skoluda beim Rundgang, während die Jugendlichen konzentriert an den Stationen knobeln – im Berufsleben sind die Lehrlinge später oftmals auch keine Einzelkämpfer.

Wo man nichts sehen kann, ist Fühlen keine Schande

In der Theorie müssen die Teilnehmer zum Beispiel Wildpflanzen anhand von Abbildungen bestimmen und den korrekten deutschen oder wissenschaftlichen Namen nennen. Und nur mit der Bezeichnung kommen sie nicht weit: Ist ein Teil der Pflanze genießbar? Wenn ja, welcher? Und wann sollte die Art im Freiland gepflanzt oder ausgesät werden? Auch diese Fragen wollen sachkundig beantwortet werden. In der Praxis tasten die Berufsschüler Lagergemüse in blickdichten Kästen ab und müssen rein haptisch entscheiden, womit sie es zu tun haben. Andere Fähigkeiten sind eher allgemeiner Natur, etwa das Schätzen von Maßen, Mengen und Gewichten. In Volumen ausgedrückt, wie viel Blumenerde ist in Karton A? Und in Kilogramm, wie viel Kartoffeln in Behälter B? Wie groß ist Fliese C, in Zentimetern? Wer nicht gut schätzen kann, mag das unfair finden. „Wir vermitteln, Vergleiche anzustellen. Wenn die Schüler sich merken, wie lang etwa ihre Hand oder ihr Unterarm ist, hilft ihnen das schon sehr weiter“, erläutert die Lehrkraft an der Schätzstation.

Nicht zu kurz kommt der kreative Bereich. Die Symbolik und emotionale Wirkung von zahlreichen Farben sollen die Teams an der Station 4 angeben und mit vorgegebenen Materialien eine Collage passend zu einer zufällig ermittelten Jahreszeit gestalten. Was die gelungene Gestaltung einer Grünanlage ausmacht, soll nicht rein subjektiv vom persönlichen Geschmack des Gärtners abhängen, sondern auch objektiv einzuschätzen sein. Das Gleiche gilt für die abschließende Bewertung, bei der sich zwei Teams für den Landesentscheid qualifiziert haben, der im Juni stattfindet. Den ersten Platz haben Robin Beinghaus (20), Johannes Loft (21) und Joel List (21) erstritten, Platz zwei geht an Alexandra Strunk (22), Tabea Renkewitz (17) und Viktoria Oberste-Brink-Bockholt (27).

Gärtner spezialisieren sich auf einen der sieben Bereiche Zierpflanzen, Obst, Stauden, Baumschulen, Gemüse, Friedhöfe oder Garten und Landschaft und werden als Fachkräfte derzeit verstärkt von Betrieben gesucht.

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