Geschichte

Tafeln rufen Stadtgeschichte in Erinnerung

Die Geschichtstafeln sind da, entsprechend erleichtert sind die Initiatoren. Von links: Karsten Meininghaus, Rainer Großberndt, Mike-Sebastian Janke, Stefan Baumann und Dr. Norbert Hesse.

Foto: Oliver Bergmann

Die Geschichtstafeln sind da, entsprechend erleichtert sind die Initiatoren. Von links: Karsten Meininghaus, Rainer Großberndt, Mike-Sebastian Janke, Stefan Baumann und Dr. Norbert Hesse.

Letmathe.   Die ersten von 17 Exemplaren stehen im Innenstadtbereich. Am Mittwoch gab es eine Präsentation an der Trillingschen Villa.

Der Kiliansdom ist selbstverständlich dabei, auch die Friedenskirche, Haus Schmale-Hannig samt Saalbau und sogar die alte evangelische Kirche. Haus Letmathe, der Bahnhof, das Rathaus durften natürlich auch nicht fehlen. Stadtbildprägende Gebäude wie diese erhalten in diesen Tagen ihre seit vielen Jahren angekündigten Geschichtstafeln.

„Vor fünf Jahren haben wir den politischen Antrag gestellt“, blickt der Ortsunions-Vorsitzende Karsten Meininghaus zurück – jedoch nicht im Groll. „Wir wissen doch, dass nicht alles von heute auf morgen umgesetzt werden kann.“

Stellvertretend für alle insgesamt 17 Tafeln, die zum Teil schon aufgestellt sind oder noch von Mitarbeitern des Märkische Stadtbetriebes Iserlohn/Hemer noch aufgestellt werden, beraumte die Stadt für den frühen Mittwochnachmittag einen Fototermin an der Trillingschen Villa an. Heinrich Trilling, damals Direktor der Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke, baute sie sich als Wohnhaus – das geht natürlich aus dem Tafel-Text zur Geschichte des Gebäudes hervor. Auch interessant: 1942 ging es in den Besitz der Stadt Letmathe über, seit 1960 wird es von der Stadtverwaltung genutzt. Daran änderte auch die kommunale Neuordnung nichts.

Momentan hat es den Anschein, als habe die Stadt vor Beginn des Herstellungsprozesses durch einen Iserlohner Betrieb an alles gedacht. Stefan Baumann von der Abteilung Stadtentwicklung und Grundstücke, sagte, dass die Platten ausgetauscht werden können, falls sie durch mutwillige Beschädigungen unansehnlich werden sollten.

Oberfläche verträgt sogar UV-Strahlung

Natürliche Einflüsse bereiten ihm überhaupt keine Sorgen, obwohl das Schild der Trillingschen Villa oder auch das der Realschule direkt nebenan in Richtung Süden aufgestellt wurden. „Die Farbe verbleicht nicht, darauf haben wir geachtet. In 20 Jahren wird es natürlich nicht mehr wie neu aussehen, aber die nächsten Sommer werden absolut unproblematisch sein. Rund 4000 Euro hat die Stadt für die 17 Tafeln ausgegeben, also etwa 230 Euro pro Exemplar.

Stadtbaurat Mike-Sebastian Janke wies darauf hin, dass nicht die Verwaltung, sondern die von den Letmather Vereinen ehrenamtlich geleistete Arbeit das Projekt erst entscheidend vorangebracht habe. „Ohne sie hätte das alles nicht funktioniert.“ Janke sprach maßgeblich vom Heimatverein, dessen Vorsitzenden Dr. Norbert Hesse die Worte des scheidenden Beisitzenden beinahe unangenehm waren. „Wir hatten eines Tages einen Anruf von Stadtplaner Thorsten Grote bekommen und dann gemeinsam in seinem Büro gesessen und die Sache besprochen“, blickt Hesse zurück. Vom Heimatverein stammten die Entwürfe für die einzelnen Tafeln, auch die Werbegemeinschaft schlug Standorte vor. „Unser Germanist Franjo Schlotmann hat Korrektur gelesen“, ergänzte Hesse.

Bei den Standorten handelt es sich um eine gedankenvolle Mischung aus typischen Baudenkmälern wie eingangs erwähnt, dann aus Gebäuden, die zwar jeder kennten, deren Geschichte aber in Vergessenheit geraten ist und aus historischen Ereignissen.

Tafeln erinnern auch an abstrakte Orte

So sind das Verwaltungsgebäude der Kalkwerke an der Helmkestraße, die Letmather Brücken oder das Oberdorf in die Auswahl gekommen. Die Promenade bekommt eine Tafel mit bedeutenden Hochwasserereignissen. Ganz bewusst fehlt noch eine Tafel für das stählerne Kreuz, das an Robert Boss erinnert. Der damals 30-Jährige wollte 1932 die Insassen eines gekenterten Bootes retten und kam dabei selbst in der Lenne ums Leben. Lange Zeit stand das Kreuz weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit auf dem Obergraben des Hohenlimburger Hoesch-Werks. Von dort musste es verschwinden, demnächst soll es seinen Platz am neuen Radweg bekommen – inklusive Tafel.

Eine weitere Tafel ist für die Stadtspange West reserviert, die auf die historischen Gebäude an der früheren Mühlenstraße erinnern soll. Dazu muss die Stadtspange bekanntlich erst noch gebaut werden. Noch einmal zurück zur Trillingschen Villa: Deren Tafel muss wahrscheinlich zum Jahresende schon wieder erneuert werden. Denn dass die Zweigstelle der Musikschule dort einziehen wird, ist ein bedeutender Meilenstein des Hauses.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik