Lesung

Unkonventionelle Krimi-Kost

Walter Gödde, früherer Lehrer für Deutsch, Biologie und Kunst an der Realschule, las im Pfarrheim von Herz Jesu in der Grüne unter anderem aus seinem zweiten Krimi „Ziegenverbiss“.

Walter Gödde, früherer Lehrer für Deutsch, Biologie und Kunst an der Realschule, las im Pfarrheim von Herz Jesu in der Grüne unter anderem aus seinem zweiten Krimi „Ziegenverbiss“.

Foto: Michael May / IKZ

Grüne.  Der pensionierte Lehrer Walter Gödde las im Pfarrheim von Herz Jesu aus seinem zweiten Buch „Ziegenverbiss“.

Im kommenden Jahr kann Walter Gödde auf sechs Jahrzehnte literarischen und künstlerischen Schaffens zurückblicken. Am Freitag las der 75-jährige frühere Lehrer der Realschule Letmathe, dessen erste Texte einst in einer Schülerzeitung erschienen sind, zum zweiten Mal im Pfarrheim von Herz Jesu in der Grüne, darunter aus seinem zweiten Krimi „Ziegenverbiss“.

Dass es ein kurzweiliger (Vor-)Abend wurde, lag auch daran, dass der gebürtige Plettenberger und Wahl-Letmather von der Berliner Allee („Früher das erste, jetzt das zweite Haus, wenn man aus Oestrich kommt“) auch viele Einblicke in den Entstehungsprozess seiner unzähligen Gedichte, kurzen Texte, kleinen Erzählungen und eben der beiden Krimis gab. Und auch sehr offen mit dem finanziellen Ertrag seines Hobbys umging: Insgesamt habe er an Honoraren bislang 450 Mark (tatsächlich Mark, nicht Euro, ist also schon eine Weile her) bekommen, 400 davon für zweieinhalb Minuten in einer WDR-Sendung. „Und weil meine Texte so kurz sind, konnte ich gleich fünf darin unterbringen“, erinnerte er sich mit einem Schmunzeln.

Nichts verdient habe er hingegen an seinem ersten 2011 erschienenen Buch „Mordprojekt“. Dabei hatte seinerzeit der Verleger dem Werk den wohl verkaufsfördernd gedachten Untertitel „Ein Sauerlandkrimi“ gegeben. Ob es gewirkt hat, weiß Walter Gödde indes nicht: „Ich habe lediglich ein paar Exem­plare, aber nie einen Vertrag bekommen, trotz mehrmaliger Aufforderung.“ Klagen wollte er gegen den Verleger, der später übrigens insolvent gegangen sei, aber auch nicht: „Denn die Verfahrenskosten hätte ich dann wohl tragen müssen.“

Der unkonventionelle Kriminalroman, der seinerzeit vom Kritiker der Heimatzeitung als „literarisch ambitioniert, experimentell und postmodern“ bezeichnet wurde, der zudem „mit einem gewissen Humor“ geschrieben worden sei, muss aber eine gewisse Verbreitung gefunden haben, weiß Walter Gödde anhand von positiven Rückmeldungen. „Und wenn man ein bisschen Anerkennung bekommt, hat man auch Lust, einen weiteren Krimi zu schreiben.“ Erschienen ist „Ziegenverbiss“ schließlich Ende 2018 und zwar als Selbstveröffentlichung bei „Books on Demand“, kann entsprechend im Buchhandel bestellt werden und ist auch in der Kleinen Buchhandlung erhältlich. Auch das zweite Abenteuer um Detektiv Heinrich Hiesken, der auch in der Fiktion fiktiv ist, nämlich nur in der Fantasie und im Laptop des Ich-Erzählers, also des Autors, vorkommt, ist kein gewöhnlicher Krimi. Die von Gödde vorgetragene Kostprobe klang auf jeden Fall interessant.

Büchereileiterin Stephanie Führer dankte dann am Ende auch für den „tollen unterhaltsamen Abend“ und machte auf den nächsten Literaturtreff am 23. April aufmerksam, wenn es um Elke Heidenreich und ihr Buch „Alles kein Zufall“ geht, sowie auf die nächste Lesung am 12. Mai mit dem Thema „Literatur und Gebet“.

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