Lesung

Vermittler zwischen den Welten

Der Autor Deva Manik (30) stellte sein Buch „Im Glashaus – Zwischen den Welten“ in der Aula des Gymnasiums Letmathe vor 140 Jugendlichen vor.

Foto: Cornelia Merkel

Der Autor Deva Manik (30) stellte sein Buch „Im Glashaus – Zwischen den Welten“ in der Aula des Gymnasiums Letmathe vor 140 Jugendlichen vor. Foto: Cornelia Merkel

Letmathe  Autor Deva Manik motiviert Jugendliche, aus persönlichen Krisen zu lernen.

. „Nicht aufgeben, es gibt immer einen Ausweg“, formuliert Deva Manik seinen Rat an die 140 Gymnasiasten. Auch wenn sie Probleme mit den Eltern, Lehrern, Mitschülern oder falschen Freunden haben. Der 30-jährige Autor und frühere Flüchtlingshelfer aus Köln berichtete von extremen Erfahrungen, die er in seinem autobiografischen Buch „Im Glashaus – Zwischen den Welten“ verarbeitete. In Zusammenarbeit mit dem Integrationszentrum Arnsberg referierte er am Methodentag der 15- bis 17-jährigen Schüler aus den Stufen 9 und Q1 in der Aula.

Er kam 1987 als Devakumaran Manickavasagan in einem Asylbewerberheim in Ratingen als Kind srilankesischer Flüchtlinge zur Welt. Mittlerweile nennt er sich Deva Manik. Er lebt in Köln, arbeitet als fester Referent der Katholischen Hochschule und engagiert sich als Vortragsreisender in Sachen Integration von Migranten. Anhand seiner eigenen Lebensgeschichte beschrieb er die Schwierigkeiten von Kindern und Jugendlichen, die zwischen zwei Kulturen in Deutschland aufwachsen.

Häusliche Gewalt und schulische Probleme

„Es leben 60000 Tamilen in Deutschland. Ich weiß, wie Kinder und Jugendliche sich fühlen“, schilderte der Autor seinen Zwiespalt: „Bin ich ein Tamile mit deutschen Wurzeln? Oder ein Deutscher mit tamilischen Wurzeln?“ Manik berichtete von häuslicher Gewalt, die darin gipfelte, dass sich seine Eltern trennten, von daraus resultierenden schulischen Problemen, falschen Freunden und Drogenerfahrungen. Bei diesen Themen konnte sich sein junges Publikum wiederfinden, wie durch die Handzeichen am Ende deutlich wurde.

„Ich habe mein wahres Ich versteckt“, berichtete der Autor, dass seine Eltern ihm die Teilnahme an Jahrgangsfahrten und Partys verboten haben. „Ich war ein Außenseiter in beiden Welten.“ Trotz überzeugender Erklärungen sei es ihm nicht gelungen, sie umzustimmen. Deva Manik zog eine Maske auf, um seine Rollen in den verschiedenen Kulturen zu verdeutlichen. „Ich war wie eine Marionette“, schilderte er seine Fremdsteuerung, um den strengen Erwartungen seiner Eltern gerecht zu werden, die Einfluss auf sein Freizeitverhalten und seine schulische und berufliche Entwicklung nahmen. „Etwas machen, wozu man keine Lust hat. Das kennt Ihr bestimmt?“ Große Zustimmung.

Deva Manik berichtete von der fortwährenden Unterdrückung durch die Eltern, vom innerlichen Chaos, der Flucht in Alkohol, Drogen, Gewalt und Internet. „Ich war 12, als meine Eltern sich trennten. Ich war 18, als meine Mutter mich wegen meiner Übergriffe angeklagt hat und vor Gericht gezerrt hat. Mit 19 wurde ich rausgeworfen, mitten im Abitur“, schilderte er Erlebnisse, die ihn in die innere Isolation getrieben haben. Dann beschrieb er die Wende, die ihm gelang, weil ein Lehrer ihm nochmal eine Bewährungschance gegeben hatte, die er dann auch genutzt hat. Deva Manik ließ stolz sein Gymnasialzeugnis rundgehen, mit dem er den Beweis antrat, dass er mit eisernem Willen die Schule geschafft hat, auch wenn es zeitweise keineswegs danach aussah.

Nach dem Zusammenbruch erfolgte der Neustart

„Mit 24 verlor ich meine Anstellung“, schilderte der Autor weitere Rückschläge in seinem bisherigen Lebensweg, die zu einem kompletten Zusammenbruch geführt haben. „Dann verlor ich meine Traumfrau, mein Geld und mein Leben, das ich mir aufgebaut habe.“ Dann sei er kurz davor gewesen, aufzugeben, habe aber doch noch die Kurve gekriegt, als er mit Obdachlosen ins Gespräch gekommen war, die vergleichbare Abstürze erlebt hatten. Mit eindrucksvollen Gesten berichtete Manik, wie er sich in eine Psychotherapie begeben und eine Bilanz seiner Hoch- und Tiefpunkte aufgeschrieben hat: „Das war der Neuanfang.“

Sein Rat an die Jugendlichen war: „Wenn das Leben Euch ‘ne Chance gibt, greift zu.“ Er arbeitet als Dozent für soziale Vereine und hat Jugendlichen bei der Berufsorientierung geholfen. Als Leiter einer Notunterkunft habe er sich besonders um Kinder und Jugendliche gekümmert. Seine Mutter ist mittlerweile verstorben, und sein Vater ist wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt. Er selbst fühle sich mittlerweile hier angekommen.

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