Die Kripo rät

Vorbereitet sein, wenn Gefahren drohen

Kriminalhauptkommissar Frank Enser referierte beim Frauentreff der evangelischen Christuskirchengemeinde am Roden über das Kriminalitätspotenzial, das auf der Straße lauert - und zeigte, wie sich die Bürger schützen können.

Foto: Oliver Bergmann

Kriminalhauptkommissar Frank Enser referierte beim Frauentreff der evangelischen Christuskirchengemeinde am Roden über das Kriminalitätspotenzial, das auf der Straße lauert - und zeigte, wie sich die Bürger schützen können. Foto: Oliver Bergmann

Roden.   Das Thema, über das Kriminalhauptkommissar Enser beim Frauentreff am Roden sprach, geht jeden an: Wie verhält man sich, wenn man von Dieben oder Betrügern bedroht wird?

Es ist gewiss nicht so, dass wir keinen Schritt mehr auf die Straße setzen können, ohne befürchten zu müssen, Opfer eines Kriminalitätsdeliktes zu werden. Aber die Gefahr eines Überfalls in der Dunkelheit oder von Trickbetrügern bestohlen zu werden, ist natürlich gegeben. Die gute Nachricht: Es gibt Möglichkeiten sich zu schützen und bedrohliche Situationen schadlos zu überstehen.

Dazu muss man nicht erst Kriminalhauptkommissar werden – so wie Frank Enser. Er ist der Fachmann der Kreispolizeibehörde MK für Jugendkriminalität und Gewalt und ein gefragter Referent. Für gut zwei Stunden war er beim evangelischen Frauentreff der Christuskirchengemeinde Roden zu Gast. In dieser Zeit gelang es ihm, seinen Zuhörerinnen die Sinne zu schärfen und ihnen die Ängste zu nehmen. Die Kernbotschaft: „Täter haben auch Ängste und Sorgen. Sie stehen unter Stress. Und sie sind grundsätzlich faul und feige.“

Rund ums Geldabholen lauern viele potenzielle Gefahren

Ausführlich sprach Enser über Fallen, die in Geldinstituten lauern. Dort bestehe immer die Gefahr, beobachtet zu werden – etwa wenn am Automat die Geheimnummer eingegeben, das Geld nach der Auszahlung nachgezählt und das Portemonnaie eingesteckt wird. Spä­testens wenn man dann draußen von einer unbekannten Person angesprochen wird, ist Vorsicht geboten: „Es stoßen dann schnell eine zweite und eine dritte Person dazu, die ein Ablenkungsmanöver starten, einer von ihnen nimmt sich das Portemonnaie.“ Ensers Tipp: Die Geheimzahl nicht einfach nur verdeckt eingeben, sondern nach Möglichkeit mit mehreren Fingern. So kann das Tipp-Bild aus der Entfernung nicht nachvollzogen werden. „Und rütteln sie ruhig mal am Bedienfeld des Automaten, um sicherzustellen, dass er nicht manipuliert ist.“ Moderne Geräte seien zwar gegen kriminelle Eingriffe geschützt, aber wer weiß schon, wie alt der Automat ist, von dem Geld abgeholt wird? In jedem Fall gilt: „Wenn der Automat nicht mehr mit mir ,spricht’, dann stimmt etwas nicht. Verlassen Sie ihn unter keinen Umständen.“

Szenenwechsel: Mit der letzten Bahn, dem letzten Bus geht es nachts nach Hause. Die Straßen sind leer, doch im Hintergrund sind Schritte zu hören. Kein gutes Gefühl. Frank Ensers Rat: „Schauen Sie sich um, wenn Sie sich unsicher fühlen. Dadurch signalisieren Sie der Person, dass Sie sie gesehen haben. Und suchen Sie bei Gefahr die nächste Menschenansammlung auf. Gehen Sie in die verrufenste Kneipe, drücken Sie mit der ganzen Handfläche auf die Türklingeln eines Mehrfamilienhauses. Es ist egal, ob es 23 Uhr oder später ist. Dadurch stellen Sie Öffentlichkeit her.“

Selbst wenn ein Konflikt nicht mehr zu vermeiden sein sollte, ist noch nicht alles verloren. In solch einem Fall sollte der Angreifer angebrüllt, aber unter gar keinen Umständen geduzt werden. Das erwecke den Eindruck eines Streits unter Bekannten – und daraus halten sich Passanten in der Regel heraus. Es gibt auch Hilfsmittel. Klassiker sind Pfefferspray, Tränengas und der Elektroschocker.

Pfefferspray ausprobierenund einsatzbereit halten

Von den beiden Letztgenannten rät Frank Enser ausdrücklich ab, weil der Elektroschocker schnell gegen einen selbst verwendet werden kann und weil Tränengas unter das Waffengesetz fällt. Das Pfefferspray sollte nach dem Erwerb ausprobiert werden. „Gehen Sie in den Wald und finden Sie heraus, ob ein Strahl oder Nebel aus der Dose kommt.“ Im Ernstfall muss das Spray natürlich bereits einsatzbereit zur Hand sein. „Sprühen Sie konsequent ins Gesicht, es können dadurch keine Folgeschäden entstehen.“ Auch ein Pieper kann hilfreich sein. „Vielleicht stört es den Angreifer nicht, aber auch dadurch erzeugen Sie Öffentlichkeit.“

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