Vierbeiner

Warum Bello die Maske nervös macht – und was dagegen hilft

Kirsten Koch, Inhaberin der Hundeschule Fellows in Letmathe, mit Australian Shepard "Hummel" erklärt, wie man dem Hund die Angst vor dem Mundschutz nehmen kann.

Kirsten Koch, Inhaberin der Hundeschule Fellows in Letmathe, mit Australian Shepard "Hummel" erklärt, wie man dem Hund die Angst vor dem Mundschutz nehmen kann.

Foto: Carolin Meffert / IKZ

Letmathe.  Eine Hundetrainerin aus Letmathe erklärt, welches Problem der Mund-Nasen-Schutz für Vierbeiner birgt und gibt Verhaltenstipps.

Nicht nur für Menschen ist das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes gewöhnungsbedürftig. Viele Hunde werden durch das Stück Stoff im Gesicht verunsichert und können negativ darauf reagieren. Kirsten Koch, Leiterin der Hundeschule „Fellows“ in Letmathe erklärt, was daran für die Vierbeiner problematisch ist: „Hunde sind auf unsere Mimik geprägt und sozialisiert. Das Problem ist einfach, dass man in diesem Moment überhaupt nicht mehr klar lesbar ist. Hunde gehen ganz viel über Körpersprache und reagieren darauf.“ Wenn der Mund-Nasen-Schutz das halbe Gesicht verdeckt, fällt es Hunden demnach schwerer zu entscheiden, wie sich Zweibeiner fühlen und was sie wollen.

Doch durch Training können die Vierbeiner auch an den Mundschutz gewöhnt werden, und das am besten zunächst zu Hause, weil die eigenen vier Wände für das Tier einen sicheren Ort darstellen. „Man sollte dem Hund den Mundschutz erstmal präsentieren ohne ihn aufzusetzen“, rät Kirsten Koch. Damit eine positive Verknüpfung mit dem Gegenstand entsteht, sollten kleine Spiele oder eine Leckerchensuche damit verbunden werden.

Schrittweise könne man sich die Maske vor Nase und Mund halten, das Training immer weiter steigern und dabei auch den Hund ansprechen. „Das finde ich immer ganz wichtig, weil der Hund in dem Moment auch noch mal Sicherheit erfährt, wenn er die Stimme hört“, erklärt die Trainerin. Habe der Hund sich ein wenig an die Maske gewöhnt, könne das Training nach draußen verlagert werden. Dabei könne die Maske auch zunächst nur locker um den Hals hängen, bis sie vollständig aufgesetzt wird.

Angst verdirbt auch Hundenden Appetit – ein Indikator

Ob der Vierbeiner mit Streicheleinheiten oder mit Leckerchen belohnt werden sollte, hänge ganz individuell von dem jeweiligen Hund ab. Futter sei ein ganz guter Indikator um zu überprüfen, ob der Hund nur unsicher oder vielleicht sogar schon ängstlich ist. „Wenn der Hund in einen Angstzustand gerät, dann würde er in dem Moment auch kein Futter mehr annehmen, weil sich der ganze Körper eigentlich auf Flucht einstellt“, erklärt Kirsten Koch weiter.

Die Hundetrainerin hat in den vergangenen Wochen eine weitere Veränderung im Verhalten vieler Hunde bemerkt: „Weil die Leute viel zu Hause sind, vermehren sich die Anfragen, dass die Hunde nicht mehr alleine bleiben können.“ Probleme könnten dann auftreten, wenn es für Frauchen und Herrchen wieder ins Berufsleben geht.

Für die Corona-Zeit empfiehlt die Hundetrainerin, sich nicht dem faulen Lenz hinzugeben. Die Zeit solle genutzt werden, um sich intensiv mit seinem Hund zu beschäftigen. Der Faktor Zeit habe aber gerade in der Corona-Krise auch einen negativen Effekt. „Ich weiß, dass sich viele in der Corona-Zeit leider Gottes auch Hunde anschaffen“, sagt sie. Dadurch steige auch die Befürchtung der Tierheime und Züchter, dass die Hunde nicht gehalten werden und es hinterher, sobald wieder Normalität einkehrt, zu regelrechten Überschwemmungen im Tierheim kommt, weil es im Alltag dann doch nicht passt. „Man sollte dabei langfristig denken“, appelliert Kirsten Koch.

Dokumentation per Video eröffnet neue Möglichkeiten

Und auch für die Arbeit in der Hundeschule haben sich ihr neue Wege eröffnet. „Wir haben ganz viele Onlinetrainings gemacht. Dafür mussten die Kunden auch eigenhändig Videos drehen und uns zuschicken, so dass wir ein bisschen Körperanalyse mit denen machen konnten.“ So konnten auch die Teilnehmer aus Sicht des Trainers sehen, wie sich ihre eigene Körpersprache zum Hund verhält, und warum diese vom Hund in bestimmten Momenten fehlinterpretiert wurden. „Das ist schon ein ganz enormer Vorteil gewesen und schön, weil man es den Leuten wiederholt zeigen oder in Zeitlupe ablaufen lassen konnte.“ So seien sie auf Nuancen der Körpersprache und der Reaktion der Hunde aufmerksam geworden, die, wenn man mitten in der Übung stecke, längst nicht immer bewusst wahrgenommen würden.

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