Freiwillige Feuerwehr

Warum ein Lösseler Mitglied in gleich zwei Löschgruppen ist

Jens Klusmann ist stolz auf die Leistung seiner Kameraden bei Unwettereinsätzen und greift selbst sogar lieber zur Kettensäge als zur Wasserspritze.

Jens Klusmann ist stolz auf die Leistung seiner Kameraden bei Unwettereinsätzen und greift selbst sogar lieber zur Kettensäge als zur Wasserspritze.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Lössel.  Jens Klusmann nutzt seinen technischen Sachverstand für die gute Sache. Als Feuerwehrmann fährt er zweigleisig.

„Unehrenhaft“ habe er zur Freiwilligen Feuerwehr gefunden, sagt Jens Klusmann und scherzt damit über sich selbst. Der 39-jährige Diplomingenieur ist seit 2002 Mitglied der Löschgruppe Lössel. Damals war er zum Wehrdienst einberufen worden und wollte lieber direkt mit seinem Studium an der FH Südwestfalen in Iserlohn beginnen – auch ein regulärer Wehrersatzdienst hätte Zeit gekostet. „Alternativ konnte man sich für sechs Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr verpflichten“, erklärt Klusmann weiter. Das kam nicht nur seinen Studienplänen entgegen, sondern auch seinem Bedürfnis, etwas sozial Wertvolles zu leisten.

Der gebürtige Pillingser begeistert sich seit seiner Kindheit für naturwissenschaftliche Zusammenhänge und Technik, wirkt aber keinesfalls unterkühlt. Mit Kritik fängt Jens Klusmann bei sich selbst an. Als er seinen Bildungsweg skizziert, klingt das fast wie eine Entschuldigung: Seine Leistung an der Saatschule habe seinerzeit nicht für eine Realschulempfehlung gereicht: „Darauf bin ich nicht stolz, aber zum Glück hatte ich an der Hauptschule sehr engagierte Lehrer. Das war wichtig für alles, was danach kam.“

Jens Klusmann arbeitete sich nach oben: An der Hauptschule erwarb er die Mittlere Reife und während der anschließenden Ausbildung zum Werkstoffprüfer sein Fachabitur, das für ihn den Weg ins Maschinenbau-Studium öffnete. „Wissenschaftler oder Astronaut wollte ich als Kind werden“, erzählt der 39-Jährige. Auch bei der Freiwilligen Feuerwehr gäbe es viele Berührungspunkte mit Technik und naturwissenschaftlichen Zusammenhängen – ob es nun darum gehe, Wasser den Berg hochzupumpen oder das Hebelgesetz praktisch anzuwenden.

Das Feuerwehr-Gen hat eine Generation übersprungen

Auch wenn Jens Klusmann nicht wie manch anderer als Jugendlicher in der Löschgruppe angefangen hat, fließt in seinen Adern offenbar doch Brandschützer-Blut: „Mein Opa war lange bei der Freiwilligen Feuerwehr, der hatte hier auch eine leitende Funktion.“ Von daher habe es für ihn immer schon einen Kontakt zur Wehr gegeben, er habe früher nur nicht über eine Mitgliedschaft nachgedacht. „Man muss das nicht von Klein auf machen, man kommt auch später noch gut rein“, lautet seine Erfahrung.

Gefallen habe ihm auf Anhieb die facettenreiche Grundausbildung, die er zufällig zusammen mit Bekannten absolvierte. „Das war eine schöne und spannende Zeit.“ Die Löschgruppe Lössel habe sich in der Zeit nach seinem Beitritt stark verjüngt, im Durchschnitt seien die aktuell 16 Mitglieder 35 Jahre alt: „Ich bin heute der Zweitälteste.“

Jens Klusmann wäre ohne die Corona-Pandemie verheiratet, sagt er, die Feier musste verschoben werden. Seine Verlobte hält im Beruf Menschen fit und trainiert auch Iserlohner Feuerwehrleute im Rahmen einer „Unterstützungseinheit“ der Löschgruppe Stadtmitte. „Sport und Fitness ist auch mir sehr wichtig“, betont der 39-Jährige, der Mitglied in einem Leichtathletikverein ist, gern durch die Wälder joggt und mit dem Rennrad oder Mountainbike unterwegs ist. Nur einer Fortbewegungsart kann er wenig abgewinnen: „Ich schwimme nicht gern“, gibt er zu.

Wie wichtig körperliches Leistungsvermögen ist, merke man spätestens, wenn man „beim Sturmeinsatz mehrere Stunden mit der Kettensäge hantiert.“ Das sei übrigens eine Spezialität der Lösseler, die bedingt durch ihre geografische Lage mehr Bäume wegzusägen als Brände zu löschen hätten. Jens Klusmann macht das nichts aus, im Gegenteil: Die Kettensäge zu bedienen macht ihm am meisten Spaß, auch wenn das auf die Dauer „wahnsinnig anstrengend“ sei.

In den Bergen kann er Kraft tanken

Der 39-Jährige ist unternehmungslustig und hat unter anderem schon Mittel- und Nordamerika bereist: „Die Welt ist unfassbar schön, es gibt so viel zu entdecken.“ Hauptsache, es ist nicht zu flach: „In den Bergen tanke ich Kraft, auch ohne blauen Himmel.“ Die Berge begleiten ihn auch in seinen Lesegewohnheiten: skandinavische Krimis fesseln ihn besonders.

Jens Klusmann bezeichnet sich selbst als „völlig unmusikalisch“, hört aber gern Musik: Linkin Park, Faithless, Clueso, Armin van Buren, Fettes Brot und „U2“ fallen ihm als Erstes ein. Bei Livemusik hat er schon vor Corona kleineren Clubkonzerten den Vorzug vor den großen Massenshows gegeben.

Ins Stadion zieht es ihn ohnehin kaum: „Mannschaftssport ins nicht mein Ding, Teamwork bei der Feuerwehr ist mir aber wichtig.“ In Gefahrensituationen gehe man zu zweit vor und müsse sich auf den Partner verlassen können. Bei seinem ersten Einsatz ging nachts der Melder, es brannte in einem Hochhaus. „Da sind wir gefühlt in der Kurve auf drei Reifen hingefahren“, erinnert er sich. Prägender seien aber der WEKA-Brand und Unwettereinsätze gewesen. Die Lösseler rücken auch zu überörtlichen Einsätzen aus, daher hat Jens Klusmann schon Überschwemmungen miterlebt.

Der 39-Jährige wohnt in Iserlohn und arbeitet als Betriebsleiter bei einem Unternehmen in Altena. Als Freiwilliger Feuerwehrmann fährt er daher mehrgleisig und ist seit zwei Jahren auch Mitglied in einer Altenaer Löschgruppe: „Damit ich auch tagsüber für Einsätze zur Verfügung stehe“, erklärt er unter Verweis auf den langen Weg bis nach Lössel. Dort austreten kommt für ihn nicht in Frage: „Die Kameradschaft gibt man nicht auf.“

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