Angelsport

Warum man den Karpfen nicht so leicht an den Haken kriegt

Etwas Fingerfertigkeit ist gefragt, wenn es den Faden zu verknoten oder Köder wie Regenwürmer am Haken zu befestigen gilt. Besser als frischer Fisch munden Jan Rasche nur noch Tortellini.

Etwas Fingerfertigkeit ist gefragt, wenn es den Faden zu verknoten oder Köder wie Regenwürmer am Haken zu befestigen gilt. Besser als frischer Fisch munden Jan Rasche nur noch Tortellini.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe.  Für Angler ist die Lenne vor allem ein Jagdrevier. Ein Ausflug mit Jan Rasche vom Fischereiverein Lennetal

„Petri Heil“ rufen sich nur Angler zu. Dass der traditionelle Gruß etwas mit dem heiligen Petrus zu tun hat, weil dieser der Überlieferung zufolge selbst Fischer war, erschließt sich auch dem Laien. Ansonsten ist das Bild des Anglers außerhalb von Fachkreisen geprägt von Naturverbundenheit, unstillbarem Appetit auf alles, was mal Schuppen oder Schale hatte – und vor allem ganz viel Geduld. Wir haben Jan Rasche, Veranstaltungswart beim Fischereiverein Lennetal, bei einem Ausflug ans Wasser begleitet.

„Wir sagen meist einfach nur Petri“, erklärt der 30-Jährige, der von Beruf Erzieher ist. Den unkomplizierten Oestricher bringt kaum etwas aus der Ruhe und er lacht gern und häufig, nicht zuletzt über sich selbst. Beim Angeln begleitet ihn „Fenrir“, sein acht Monate alter Labrador, der im Kontrast zum Namensvetter aus der nordischen Mythologie verspielt herumtobt und es genießt, gekrault zu werden. Mit Eifersucht hingegen scheint er zu beäugen, wie Jan das Lockfutter anrührt: ein stärkehaltiger Brei, der zu Knödeln geformt und in den Fluss geworfen wird, um den Bereich für Fische attraktiver zu machen.

Auch fürs ,einfache’ Angeln braucht es einige Ausrüstung

Jan hat einen grünen Flecken in der Nähe des Umspannwerks an der Gennaer Straße ausgewählt, vom Parkplatz aus geht es ein wenig querfeldein. Es gibt einiges an Ausrüstung zu schleppen: neben Angeln und Lockfutter sind es Campingstühle, Sortierkästen mit Haken und Ködern, eine Kühlbox mit Lebendködern (Maden) und diverse weitere Utensilien. „Was wir hier machen, ist Grundangeln“, erläutert Jan, während er seine Sachen auspackt. Dabei wird der Köder mit einem Bleigewicht in Grundnähe gehalten – die Lenne ist an dieser Stelle nicht tief.

Ein mit dem Haken verbundener Schwimmer zeigt an, wenn Fische anbeißen. Während der Normalsterbliche diese vielleicht nach Größe und Farbe unterscheidet und welcher Speisefisch am besten schmeckt, sind die schuppigen Wassertiere für Angler wie Jan Wesen mit eigenem Charakter, deren Fähigkeiten und Vorlieben er kennt. „Karpfen kriegt man nicht so leicht an den Haken, die sind ziemlich schlau. So eine Forelle ist dagegen eher blöde.“

Ähnlich ist das bei Jans Vereinskollegen Andreas Schuller, der sich etwas später dazugesellt. Der 24-jährige Stübbeker erklärt, dass viele Fische Stellen mit höherer Fließgeschwindigkeit bevorzugen würden und dass zu „saubere“ Abschnitte den Fang erschweren können: „Hier gibt es so gut wie keine Algen oder Wasserpflanzen, die als Versteckmöglichkeiten dienen könnten, solche Bereiche meiden Fische eher.“ Für den besseren Durchblick nutzt er eine Sonnenbrille mit Polarisationsfilter, die für einen Teil des Lichtspektrums undurchlässig sind und so Spiegelungen auf der Wasseroberfläche reduzieren.

Ansonsten kommt hier wenig Hightech zum Einsatz, Jan bevorzugt die althergebrachten Methoden: „Es gibt heute alle möglichen Sachen, zum Beispiel chemische Lockstoffe. Aber früher sind die Leute auch mit Angel und Regenwurm losgezogen und haben Fische gefangen.“ Etwas anderes sei das auf hoher See oder mit dem Boot auf Sorpe oder Möhne, wo auch der 30-Jährige gern auf digitale Hilfsmittel zurückgreift. Das hat stellenweise Ähnlichkeiten mit Unterwasser-Kriegsführung, wenn etwa Fischschwärme mit Sonargeräten geortet werden.

Gefangene Fische müssen zunächst gemessen werden

Während die beiden erzählen, macht sich eine Forelle durch einen Sprung bemerkbar – dicht über der Wasseroberfläche tummeln sich nahrhafte Fluginsekten. Und wenn nun eine anbeißt? „Dann lande ich den Fisch mit meinem Kescher und prüfe mit einem Maßband, ob er groß genug ist. Wenn ja, wird er mit diesem Knüppel hier betäubt, dann gibt es einen Stich ins Herz“, erklärt Jan. Damit habe er keine Probleme: „Ich behandle das Tier respektvoll. Und wenn ich im Supermarkt Fleisch kaufe, musste dafür auch ein Schwein sterben“, betont er.

Petrus gewährt den Anglern heute keinen Erfolg, darüber wirkt Jan Rasche aber nicht allzu betrübt. „Ich genieße die Ruhe und draußen in der Natur zu sein“, bestätigt er zumindest ein Klischee.

Auf seinem persönlichen Speiseplan hingegen steht über allerlei Fischgerichten (frischer Fisch schmeckt ihm einfach zubereitet am besten) doch etwas anderes ganz oben: „Am liebsten esse ich Tortellini“, gesteht er leicht
verlegen und lacht.

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