Klimawandel

Warum Waldbesitzer nachhaltig denken sollten

Schwere Schäden: Andreas Wiebe, Landesbetriebsleiter Wald und Holz NRW (li.), und Revierförster Jörg Dommermuth diskutieren bei einem Ortsbesuch die Lage im Bezirk Letmathe, hier auf einem Hügel in der Nähe des Kühlbachs (ein Teil des Iserlohner Nordens gehört zum Forstbezirk Letmathe).

Schwere Schäden: Andreas Wiebe, Landesbetriebsleiter Wald und Holz NRW (li.), und Revierförster Jörg Dommermuth diskutieren bei einem Ortsbesuch die Lage im Bezirk Letmathe, hier auf einem Hügel in der Nähe des Kühlbachs (ein Teil des Iserlohner Nordens gehört zum Forstbezirk Letmathe).

Foto: Alexander Barth

Letmathe.  Im Forstbezirk Letmathe ist bis zu einem Drittel des Baumbestands bedroht. Was private Besitzer tun können.

Ein Viertel, möglicherweise ein Drittel der Bäume im Forstbezirk Letmathe wird die widrigen Umweltbedingungen nicht überstehen, schätzt Revierförster Jörg Dommermuth vom Landesbetrieb Wald und Holz, der verantwortlich ist für das gut 1600 Hektar große Gebiet: „Das genau zu beurteilen, ist schwierig, innerhalb von Tagen kann sich der Zustand von Bäumen verändern.“ Im Vergleich mit dem Iserlohner Stadtwald, der 40 Prozent seines Bestands verlieren soll, wirkt Dommermuths Einschätzung optimistisch. Wie der Wald auf Sturm, Trockenheit und Schädlingsbefall reagiert, hänge von vielen Faktoren ab. Besonders gefährdet seien Südflächen sowie Hang- und Kuppellagen, in denen sich die Kronen gerade von Fichten rötlich braun färben – ein klares Indiz, dass wahrscheinlich jede Hilfe zu spät kommt.

Borkenkäfer finden immer neue Einfallspforten

„Es ist frustrierend“, gesteht der Förster: „Man versucht, Fichten zu erhalten, die noch frisches Grün austreiben. Aber wenn ich einen befallenen Saum wegnehme, schafft das wieder neue Angriffsfläche für die Borkenkäfer.“ Immer wieder müsse er die bittere Erfahrung machen, bei Inspektionen einige Tage nach einer aufwendigen Rettungsmaßnahme den ganzen Bestand an dieser Stelle befallen vorzufinden. „Solange es weiter so wenig regnet, wird das so bleiben“, gibt sich Dommermuth keinen Illusionen hin.

Dabei kann er für seinen Bezirk noch von Glück reden, denn dort herrscht die Fichte nicht unangefochten: Mit deutlich mehr als 50 Prozent sind Laubbäume in der Überzahl, die meisten davon sind Buchen, aber auch Eichen sind mit etwa 15 Prozent vertreten. Das könnte sich ändern, wenn die privaten Waldbesitzer zu kurzfristig denken und auf jene hören, die in diesen Tagen zu Monokulturen raten. „Davon haben wir noch viele aus der Nachkriegszeit, als viele aus wirtschaftlicher Not handelten. Beim Wald muss man in Jahrzehnten oder Jahrhunderten denken, und wir sollten die nachfolgenden Generationen im Blick haben“, appelliert Jörg Dommermuth an die ökologische Verantwortung von Waldbesitzern. Tatsächlich, betont er, müssten sich Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit nicht widersprechen: „Je mehr Baumarten man auf einer Fläche hat, desto nachhaltiger kann man wirtschaften.“ In Anbetracht der Unwägbarkeit, wie sich das Klima entwickeln wird, könnten sich Monokulturen auch finanziell als Fiasko erweisen.

Fichten seien zwar am stärksten betroffen, andere Arten jedoch keinesfalls immun. Den Lärchen etwa gehe es ebenfalls schlecht und als nächstes seien die Buchen an der Reihe, auf die sich eine andere Borkenkäferart spezialisiert hat. Die Trockenheit hemme die Harzproduktion und mache die Pflanzen angreifbar, erläutert Dommermuth. Die Schädlinge hätten zwar Fressfeinde wie Vögel und Ameisen, aber nicht viele, vor denen sie sich hinter der Rinde nicht verstecken könnten: „Da kommen nur noch Spechte dran, und für den Baum ist es dann schon zu spät. Die Larven verpuppen sich und fliegen los zu den nächsten.“ Frisch befallene Bäume sollten zügig entnommen werden, rät der Förster privaten Waldbesitzern, dann könne man das Holz noch einigermaßen vermarkten. Empfehlenswert sei außerdem, sich über Fördermöglichkeiten zu informieren, denn Bund und Land haben ein millionenschweres Hilfsprogramm aufgelegt (siehe Infokasten).

Waldbesitzer sollten sich schnell um Totholz kümmern

Akut müsse jetzt vor allem das Totholz so schnell wie möglich abtransportiert oder als Brutstätte für Borkenkäfer unbrauchbar gemacht werden. Auf den bereits abgestorbenen Flächen wäre eine Wiederaufforstung wünschenswert, der jedoch zwei Dinge im Weg stehen: „Mit den Einnahmen aus dem Holzverkauf ist das momentan nicht zu finanzieren. Und selbst wenn Besitzer bereit sind, zu investieren – die jungen Bäume vertrocknen nur, solange es nicht deutlich mehr regnet.“

Wer Wald im Bezirk besitzt, kann sich bei Jörg Dommermuth Rat holen. Derzeit betreut der Förster 170 Grundbesitzer. Wer sich nicht selbst kümmern will, kann verschiedene Arbeiten im Auftrag erledigen lassen, entweder als Einzelleistung – was bei etwa 80 Euro pro Arbeitsstunde schnell ins Geld gehen kann – oder als Mitglied der Forstbetriebsgemeinschaft Ruhr-Lenne. Dabei sind die Kosten gedeckelt und grundlegende Dienstleistungen in einem Basispaket zusammengefasst.

Über die Zukunft ihrer Waldstücke müssen private Besitzer letztlich selbst entscheiden. Darüber sollte man im Zweifel besser eine Nacht mehr schlafen, meint Dommermuth: „Es könnte sich lohnen, die Entwicklung in den nächsten zwei bis drei Jahren zu beobachten.“

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