Stadtentwicklung

Was ist aus Letmathe 2040 geworden?

Der Burgberg in Oestrich, hier mit dem Lager der Spedition Winner an Pater und Nonne, ist bislang nicht touristisch erschlossen.

Der Burgberg in Oestrich, hier mit dem Lager der Spedition Winner an Pater und Nonne, ist bislang nicht touristisch erschlossen.

Foto: Archiv

Letmathe.  Um das Stadtentwicklungskonzept ist es ruhig geworden. Ein Blick auf das Bild, das sich auf der interaktiven Karte von Letmathe zeigt.

„Weg mit dem Bordell“ wünscht sich ein Bürger mit Blick auf die „Villa Erotica“ am Dröscheder Berg. Diesem Ansinnen stimmen 16 Personen zu, zwölf andere widersprechen. Die Anregung ist eine von vielen, die auf der Internetseite mein-iserlohn-2040.de im vergangenen Jahr für den Raum Letmathe zusammengetragen worden sind. Das Stadtentwicklungsprojekt ruht gerade, allerdings nur vor den Kulissen – dahinter werten die beauftragten Wissenschaftler derzeit die Ergebnisse der Befragung aus, die im Rahmen der Feldstudie erfolgt ist. Ziel ist ein Konzept mit Visionen für das Jahr 2040, an denen sich die heimischen Stadtplaner orientieren können – ausdrücklich nicht nur mit Blick auf die Innenstädte, sondern auf alle Ortsteile.

Auf einer interaktiven Karte konnten Bürger über Monate Orte markieren und kritisieren, loben oder eigene Vorschläge formulieren. Vielleicht unverdient schlummert das Ergebnis seitdem online vor sich hin, was teilweise mit dem verhaltenen Grad der Beteiligung zu tun haben mag. Dieser ist in der Peripherie am stärksten ausgeprägt: „Der Ortsteil Lasbeck wird in den Planungen der Stadt nicht oder nur unwesentlich berücksichtigt, während andere, ebenfalls außerhalb der Innenstadt gelegene Ortsteile, attraktiver gemacht werden“, heißt es in einer Beanstandung, der 47 Bürger zugestimmt haben – widersprochen hat nur einer. Konkret würden die Anwohner dort „mit dem Steinbruch und der damit einhergehenden Belastung durch Staub und Schwerlastverkehr allein gelassen“. Die Pläne zum Bau einer Entlastungsstrecke zwischen Steinbruch und dem Anschluss Diepke sollten wieder aufgenommen werden, lautet eine Anregung („finde ich auch“: 36 Stimmen, „finde ich nicht“: eine Stimme).

Außerdem wird das Fehlen eines Fuß- und Radwegs nach Letmathe kritisiert, damit nicht die einzige Route durchs Industriegebiet Stenglingsen führt (Zustimmung: 23, keine Gegenstimme). Fühlen sich die Lasbecker stiefmütterlich behandelt von der Verwaltung? „Vor Jahren habe ich mal gefragt, ob die eigentlich wissen, wo Lasbeck ist“, erinnert sich Klaus Rosenblatt, Ehrenvorsitzender der Siedlergemeinschaft, in diesem Zusammenhang. Unterm Strich schlägt er versöhnliche Töne an, immerhin wolle die Stadt ja endlich die Brücke erneuern lassen.

Am Komer in Lasbeck ist der Plan nie Realität geworden

Eine spitze Bemerkung kann er sich aber nicht verkneifen: „Bleibt nur zu hoffen, dass wir das noch erleben.“ Hartwig Günther, 2. Vorsitzender der Siedlergemeinschaft, wirkt nicht nur in Bezug auf den Steinbruch resigniert, sondern auch, was den Bereich Am Komer angeht: Die Umwidmung von einem reinen Wohn- in ein gemischtes Gewerbegebiet habe dem Dorf eine ewige Baustelle beschert. „Im Rathaus hatten die einen Plan, da war alles schön eingezeichnet mit Bürgersteigen und Wendeplatz“, erinnert er sich. In der Realität sei nichts davon fertig und alles mit Firmenwagen zugeparkt: „Da ist kein Durchkommen. Wahrscheinlich wird das nie gemacht.“

Die Bürger können sich auch das eine oder andere Lob für ihre Heimat abringen: Eine positive Entwicklung am Bahnhof stellen elf Bürger fest. Volksgarten und Lennepromenade haben ebenfalls virtuelle Herzchen-Sticker gewonnen. An der Lennepromenade wünschen 13 Teilnehmer sich Videoüberwachung gegen Vandalismus, drei sind dagegen. Den Wunsch nach Sitz- und Grillmöbeln am Ufer teilen 14, acht lehnen dies ab. Das R-Café können drei Nutzer kaum erwarten, während ebenso viele damit offenbar nicht zu begeistern sind. Sechs Personen haben im Sommer 2018 zugestimmt, der Bereich an der Treppe Fingerhutsmühle sei „nicht sehr einladend, teilweise „Angstraum“.

An der Fingerhutsmühle haben sich die Dinge schon geändert

Mit der Umgestaltung des Bereichs mit dem Arbeitstitel „Stadtspange West“ könnte sich das erledigt haben, die gewünschte Fußgängerbrücke über den Langen Kummer (fünf Befürworter, drei Gegner) ist nicht in Sicht. Das Naherholungsgebiet Dröschede soll ausgebaut und besser gepflegt werden (14 Stimmen), was durch den jüngsten Förderbescheid einer Umsetzung zumindest näherrücken dürfte. Im Volksgarten, wenngleich allgemein beliebt, wünschen die Bürger sich mehr Spielmöglichkeiten für Kinder und eine bessere Pflege des Gewässers.

Härter gehen Anwohner mit dem Spielplatz An der Stennert ins Gericht: „Ein Witz“ sei das Angebot, da biete jeder heimische Garten mehr (sechs Nutzer stimmen zu, fünf widersprechen). Auch in Lössel vermisst eine Mutter einen „angemessenen“ Spielplatz, der auch den Eltern Raum für Begegnungen bietet – in dieser Rolle fühle sie sich manchmal recht einsam, schreibt sie und erhält Zustimmung von sechs Bürgern. In Lössel sollten außerdem die öffentlichen Grünflächen mehr Zuwendung erfahren, finden ein Nutzer und zehn Gleichgesinnte, insbesondere im Bereich des Gehwegs und an der Bushaltestelle Am Liethbach.

Die Hoffnung auf ein Freibad wird so bald nicht erfüllt

Mehr tun könnte die Stadt in den Augen mancher Bürger an zwei Aussichtspunkten: Auf der renaturierten Deponie „Rote Halde“, wo ein Wanderweg mit Ruhebänken gut hinpassen würde (sieben Befürworter), und am Humpfertturm, wo bedingt durch den Baumwuchs von einer Aussicht keine Rede mehr sein könne (vier Unterstützer). Ein dutzend Nutzer wünschen sich wieder ein eigenes Freibad – diesem Anliegen hatte die Iserlohner Bädergesellschaft zuletzt eine klare Absage erteilt. Tatsächlich stimmten drei Nutzer gegen den Vorschlag.

Im Übrigen wünschen sich die Bürger mehr Kreisverkehre, vor allem am Alten Markt, und die Entschärfung verschiedener Verkehrssituationen, etwa am Schälk, die besonders von Radfahrern als gefährlich empfunden werden. Eine konkrete Anregung für den Ausbau der heimischen Sehenswürdigkeiten kommt aus Oestrich: „Der Burgberg könnte erschlossen werden. Ein Rundweg für Spaziergänge, Erläuterungen zur Historie des Burgbergs, Aussichtsflächen (. . .) und Erholungsbereiche“ stoßen bei 21 Bürgern auf Zustimmung, nur einer ist dagegen. Für die Umsetzung der nicht realisierten Ideen hat die Verwaltung noch etwas Zeit. 20 Jahre, fünf Monate und zwei Tage, um genau zu sein.

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