Kabarett

Wenn der richtige Humor an das falsche Publikum gerät

Till Reiners gab im Gewölbekeller eine Vorpremiere seines neuen Programms „Bescheidenheit“.

Till Reiners gab im Gewölbekeller eine Vorpremiere seines neuen Programms „Bescheidenheit“.

Foto: Michael May

Letmathe.   Der Auftritt im Gewölbekeller dürfte für den Comedian Till Reiners einer der schwierigsten seiner Karriere gewesen sein.

„Mein Humor ist immer richtig, nur das Publikum ist manchmal falsch!“ Das sind quasi die ersten Worte, mit denen der Comedian Till Reiners in sein neues Programm „Bescheidenheit“ startet – und selten dürften die so gut gepasst haben wie am Dienstagabend im Gewölbekeller, denn dort war das Publikum definitiv das falsche.

Was gehässig klingen mag, ist in diesem Fall eine schlichte Tatsache. Wenn vorne ein 34-Jähriger mit Mikro in der Hand steht und Witze über die Synchronisation von „Breaking Bad“, sinn- und endlose Facebook-Diskussionen oder den US-Rapper Jay-Z macht, ihm allerdings ein Publikum gegenüber sitzt, das altersbedingt weder von der Erfolgsserie noch von dem Musiker je gehört hat, dann gestaltet sich so eine Show schwierig. Vor allem für Till Reiners, der einem zwischenzeitlich leid tun konnte. Auch unqualifizierte und wirklich störende Zwischenrufe musste er über sich ergehen lassen. Wie locker und schlagfertig er darauf reagiert hat, zeigt, wie gut er sein Fach tatsächlich beherrscht.

In Berlin oder Köln funktioniert das Programm

Macht er das gleiche Programm in einer hippen Szene-Kneipe in Berlin-Mitte oder irgendwo in Köln – oder vermutlich auch vor einem deutlich jüngeren Publikum in Iserlohn – dann funktioniert es. Definitiv. Eine Schelte hat das Publikum im Gewölbekeller deswegen sicherlich nicht verdient, vermutlich wussten nur beide Seiten vorher nicht so richtig, auf was sie sich an diesem Abend eigentlich einlassen.

Wenn die Themen nämlich doch mal einigermaßen passten, dann wurde durchaus gelacht im Gewölbekeller. Zum Beispiel, wenn Reiners über die lästigen AGBs sprach, die wohl nie jemand liest, oder dass er sich auf Partys immer lieber als Herzchirurg vorstellt: „Da fragt nie einer nach. Das wird einfach akzeptiert. Da hat auch keiner Verbesserungsvorschläge.“ Oder wenn es um die vier größten Risiken der Deutschen ging: kein Sport, ungesundes Essen, Rauchen und Alkohol.

Es wurde allerdings nie so ausgiebig gelacht, dass Till Reiners sich nach seiner letzten Nummer und dem Applaus getraut hätte, die Bühne zu verlassen, um für eine Zugabe zurückzukommen. „Das war mir hier an diesem Abend einfach zu unsicher“, gab er zu. Eine Zugabe gab es trotzdem – auch wenn einige Zuschauer auch damit sicherlich nichts anfangen konnten.

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