Leben

Wenn Flüchtlinge wollen, aber nicht dürfen

Christian Schellnack (li.), leitet das Unternehmen Phönix-Metallguss: 20 seiner 26 Mitarbeiter sind Flüchtlinge.

Christian Schellnack (li.), leitet das Unternehmen Phönix-Metallguss: 20 seiner 26 Mitarbeiter sind Flüchtlinge.

Foto: Kevin Pinnow / IKZ

Iserlohn.  Unternehmen setzen verstärkt auf Flüchtlinge – denen droht aber oft die Abschiebung.

Sein Unternehmen Phoenix-Metallguss wächst von Jahr zu Jahr, immer wieder sucht Christian Schellnack neue Mitarbeiter. Das Problem: Er findet kaum welche. „Der Arbeitsmarkt ist fast leer. Oder viele sind nicht gewillt, die harte und dreckige Arbeit in der Gießerei zu machen.“ Zumindest Deutsche. Denn mit Flüchtlingen hat der 46-Jährige gute Erfahrungen gemacht. Doch denen droht oftmals die Abschiebung.

Insgesamt beschäftigt Christian Schellnack 26 Mitarbeiter, 20 von ihnen sind Flüchtlinge. In wenigen Wochen stellt der Geschäftsführer die nächsten drei ein – in Vollzeit. So wie alle seine Angestellten. „Ich bin kein Freund von Leiharbeitern.“ Deswegen stattet er alle Mitarbeiter mit festen Verträgen aus. 2200 bis 2500 Euro Grundgehalt verdienen sie je nach Qualifikation, Vorarbeiter bis zu 3000 Euro. Doch trotz festem Arbeitsvertrag und einer gelungenen Integration droht einigen Mitarbeitern die Abschiebung.

Härtefall-Antrag ist meist die letzte Chance

Für einen Vorarbeiter hat Schellnack gemeinsam mit Jens Keienburg von der Flüchtlingsberatung jetzt einen Härtefall-Antrag gestellt. Der junge Mann ist derzeit in Deutschland nur geduldet. So wie viele seiner Mitarbeiter. „Die Leute hängen einfach in der Luft. Das ist unmenschlich“, ärgert sich Schellnack über die Gesetzeslage. Denn sollte der Abschiebestopp nach Afghanistan wieder aufgehoben werden und fünf bis sechs betroffene Mitarbeiter von ihm in ihr Heimatland zurück müssen, hätte das auch für den Unternehmer schwerwiegende Folgen: „Dann kann ich meinen Betrieb dicht machen.“

Und dieses Problem hat nicht nur Christian Schellnack. Immer mehr Unternehmen melden sich bei Jens Keienburg. „Es gibt viele Betriebe und Firmen, die nachfragen, ob es Möglichkeiten gebe, die Flüchtlinge dauerhaft hier zu behalten“, berichtet Keienburg. Und auch die Stadt sowie die Ausländerbehörde seien sehr daran interessiert, dass das funktioniere. Nur große Handhabe hätten sie in den meisten Fällen auch nicht. Es fehle schlichtweg eine Grundlage vom Gesetz her.

Im Fall von Christian Schellnack sind derzeit drei Flüchtlinge von einer Abschiebung bedroht. Zwei davon sind nur noch aufgrund des Abschiebestopps nach Afghanistan hier, einem weiteren Mann auf Afrika hat der 46-Jährige nun eine Ausbildung angeboten, um ihn vor der Abschiebung in sein Heimatland zu bewahren. „Er war einer meiner ersten Mitarbeiter und macht derzeit seinen B1-Sprachkurs. Danach kann er mit der Ausbildung anfangen.“ Denn die – genau wie ein Hochschulstudium – führt unter Berücksichtigung weiterer Auflagen dazu, dass einem geduldeten Ausländer eine Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung der beruflichen Qualifikation entsprechenden Beschäftigung erteilt werden kann.

Flüchtlinge empfehlen den Betrieb bei Bekannten

Übrigens: Bewerbungen von Deutschen bekommt Christian Schellnack auch bis heute kaum. Drei bis vier sind es pro Jahr. Und das, obwohl die Stellenanzeige bei der Agentur für Arbeit dauerhaft geschaltet ist. Bei den Flüchtlingen unterdessen hat es sich rumgesprochen, dass der Unternehmer motivierte Arbeitskräfte sucht. „Viele Bewerber sind Freunde meiner Mitarbeiter“, sagt Schellnack, der aber auch weiß, dass nicht alle Flüchtlinge Lust haben, zu arbeiten. „Mir berichten meine Mitarbeiter immer wieder, dass viele einfach hier sind und von Sozialleistungen leben wollen. Es gibt leider Leute, die das System ausnutzen.“ Und es somit noch schwerer für diejenigen machen, die tatsächlich gewillt sind, in diesem Land Fuß zu fassen.

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