Prävention

Wie Bibberbold seinen Neid verstehen lernt

Schülerin Paula und Kobold Zornibold – die bekannten Figuren aus dem Fernsehen sind in der Saatschule im leibhaftigen Original aufgetreten. In diesen Genuss kamen die Schüler dank des groß angelegten Präventionsprojektes von Papilio.

Schülerin Paula und Kobold Zornibold – die bekannten Figuren aus dem Fernsehen sind in der Saatschule im leibhaftigen Original aufgetreten. In diesen Genuss kamen die Schüler dank des groß angelegten Präventionsprojektes von Papilio.

Foto: Michael May

Letmathe.  Die Augsburger Puppenkiste gastierte im Rahmen eines neuen Präventionsprojekts an der Letmather Saatschule.

Die Kistenkobolde verspüren ein bohrendes Gefühl, wenn der Lehrer mal wieder die Leistung der Spitzenschüler hervorhebt. Benennen können sie es aber nicht, und das macht ihnen zusätzlich zu schaffen. Heulibold, Zornibold, Freudibold und Bibberbold sind nur mit ihren namensgebenden basalen Emotionen vertraut – bis sie Paula in der Menschenschule besuchen. „Das ist Neid“, erklärt das Mädchen und macht den Kobolden ein noch größeres Geschenk: Verständnis. „Ist doch auch doof, wenn immer nur die anderen gelobt werden“, sagt sie und Bibberbold fühlt sich sofort besser.

Sollten Ihnen diese Namen bekannt vorkommen, ist das kein Zufall. Das Marionetten-Theaterstück „Paula kommt in die Schule“, das am Dienstag in der Saatschule Tourneepremiere gefeiert hat, entspringt tatsächlich der berühmten Augsburger Puppenkiste. Die Aufführung ist Teil eines Präventionsprojekts, das Kindern dabei helfen soll, auch mit negativen Gefühlen umzugehen.

„In Kitas und Schulen muss immer mehr Erziehung geleistet werden, die zu Hause nicht erfolgt. Das kann man finden, wie man will, aber über die Notwendigkeit kann heute niemand mehr ernsthaft diskutieren“, benannte Volker Schmidt, Vorsitzender des Drogenberatungsvereins Drobs, die Ausgangslage. Um den damit oft überforderten Bildungseinrichtungen unter die Arme zu greifen, haben bundesweit 33 Grundschulen an dem Modellprojekt des Sozialunternehmens „Papilio“ teilgenommen, das von der Knappschaft Krankenkasse unterstützt wird.

Die Verantwortlichen legen großen Wert darauf, eine belegbare nachhaltige Wirkung zu erzielen, erklärte Projektleiterin Dr. Charlotte Peter: „Wir haben das Programm über zwei Jahre intensiv wissenschaftlich vorbereitet. Parallel läuft eine unabhängige Studie, um den Erfolg zu beurteilen.“ Um diesen zu gewährleisten, setzt „Papilio“ auf eine längerfristige Nachbereitung und „Multiplikatoren“ – das Schneeballprinzip – und bildet Trainer aus, die ihr Wissen an Schulen weiter vermitteln. Im Rahmen von insgesamt vier Seminartagen lernen dann Lehrer wie Ulrike Tripp, das entwicklungsorientierte Konzept in der Praxis mit den Kindern umzusetzen.

Einmalige Maßnahmen ohne Begleitung greifen zu kurz

Das ambitionierte Projekt mit Professor Herber Scheithauer von der Freien Universität Berlin als wissenschaftlicher Mentor entspricht dem Anspruch, der heute in der Präventionsarbeit an Kindergärten und Schulen formuliert wird, bestätigte Volker Schmidt: „Früher kam ein mal jemand an die Schule und man hielt die Probleme für gelöst. Heute wissen wir, das so ein Vorgehen Zeitverschwendung ist.“

Ulrike Tripp räumte ein, dass es nicht leicht sei, das Projekt neben dem Regelunterricht umzusetzen, wirkte aber überzeugt, dass der Aufwand sich lohnt. „Die Kinder finden die Kobolde ganz toll, mit denen können sie sich identifizieren“, lautet ihre Erfahrung.

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