Pandemie

Wie die Corona-Krise Iserlohner Händler zum Umdenken bewegt

Eigentlich symbolisieren sie Liebesbeziehungen, aber derzeit können die Schlösser auf der Lennebrücke am Letnetti-Platz für die Ladenlokale stehen, die wegen der Pandemie nicht öffnen dürfen

Eigentlich symbolisieren sie Liebesbeziehungen, aber derzeit können die Schlösser auf der Lennebrücke am Letnetti-Platz für die Ladenlokale stehen, die wegen der Pandemie nicht öffnen dürfen

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe/Iserlohn.  Online gibt es keine Ladenschließungen – dieser Devise folgend stemmen sich heimische Händler, Gastronomen und Dienstleister gegen die Krise.

Die Innenstädte sind verwaist, die meisten Geschäfte gemäß behördlicher Anordnung zum Seuchenschutz geschlossen. Das lässt zwei Gruppen im Regen stehen: Erstens Verbraucher, die derzeit nicht nur auf den „Erlebniseinkauf“, sondern auch auf regelmäßig oder akut benötigte Waren und Dienstleistungen verzichten müssen. Auf der anderen Seite die Händler, Gastronomen und Dienstleister, die finanzielle Einbußen erleiden und zum Teil um ihre Existenz bangen.

Über einen Regenschirm freut sich jetzt eine Allianz heimischer Gewerbetreibender gemeinsam mit den Werbegemeinschaften Letmathe und Iserlohn sowie dem Stadtmarketing. Auf den beiden Internetseiten lieferservice-iserlohn.de und mein-iserlohn.de soll das Engagement gebündelt werden, das örtliche Geschäftsleute an den Tag legen, um den Auswirkungen der Corona-Krise zu begegnen. Diese sei ein „schwerer Schlag“, schreiben Letmather Händler in einem offenen Brief, der gleichzeitig Hilferuf und Hilfsangebot ist: „Wir möchten Ihnen zeigen, dass wir weiterhin für Sie da sind, sei es per Onlineshop, Telefonberatung, Onlineberatung oder Gutscheinverkauf. (. . .) In dieser besonders komplizierten Phase schaffen wir es ohne Ihre Hilfe nicht“.

Bestrebungen seit Jahren, bislang zu wenig Bereitschaft

Hinter den beiden Webseiten steckt der Letmather Christian Wisniewski, der im Hauptberuf in der Personalvermittlung tätig ist und den neuen Onlineauftritt „privat“ zur Verfügung stellt, wie er dort schriftlich und auch im Gespräch mit unserer Redaktion betont. Der 44-Jährige möchte damit einen Beitrag leisten, um die Krise wirtschaftlich abzumildern. Inhaber der Domains ist er schon seit fast zehn Jahren – das Projekt basiert auf einer Idee, die mindestens so alt ist.

„Es gibt nirgendwo eine Übersicht, wer in Iserlohn was anbietet, liefert oder einen Onlineshop betreibt“, erläutert er die Ausgangslage. Mit Blick auf die Onlinekonkurrenz, über die vor allem Einzelhändler schon lange klagen, drängt sich die Frage auf: Warum gibt es ein solches Portal für Iserlohn nicht längst? Entsprechende Bestrebungen hat es in den vergangenen Jahren es schließlich von verschiedenen Seiten gegeben. Sein eigenes Projekt sei immer wieder gescheitert, berichtet Christian Wisniewski, nicht zuletzt an mangelnder Bereitschaft der Gewerbetreibenden, für ein solches Angebot etwas Geld in die Hand zu nehmen.

„Es sollte damals nicht viel Geld Kosten, Händler sollten etwa einen Jahresbeitrag von 50 Euro entrichten. Ich hatte mir eine stärkere Resonanz erhofft, denn das Internet war ja auch 2010 nicht erst zehn Tage alt“, sagt er rückblickend. Trotzdem sei nicht einmal jeder zehnte Ladenbetreiber bereit gewesen, für eine gemeinsame Onlineplattform zu investieren. Natürlich könne er Geschäftsleute mit einem kleinen Kundenstamm, die überwiegend älteren Semesters sind, verstehen. Schließlich koste etwa das Einstellen von Artikeln in einen Onlineshop auch Zeit und damit Geld. Aber: „Auch an Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern war das immer schwer zu vermitteln.“

Der Notlage gemeinsam undmit Kreativität die Stirn bieten

Getrieben von den Zwängen der virusbedingten Wirtschaftskrise findet offenbar ein Umdenken statt. „Ich höre anklingen, dass das Stadtmarketing und die Werbegemeinschaften mittelfristig bereit sein könnten, sich an dem Projekt auch richtig zu beteiligen“, schildert Wisniewski seine Wahrnehmung. Die Werbegemeinschaft Iserlohn gestalte etwa ein Logo für die Seite unser-iserlohn.de, die damit offiziell am heutigen Mittwoch online gehen soll, in rudimentärer Form aber schon am Dienstag abrufbar war. Während letztere als eine Art virtueller Marktplatz gedacht ist, gleicht lieferservice-iserlohn.de eher einem Branchenverzeichnis.

Geordnet nach den Kategorien „Haushaltshilfen“, „Lebensmittel“, „Gastronomie“, „Einzelhandel“ und „Dienstleistung“ sind Links und Kontaktdaten zu Initiativen wie „Iserlohn hilft“ aufgelistet sowie zu Betrieben, die sich auf die Krise einstellen – sei es die Fleischerei, die jetzt ein tägliches Mittagsmenü anbietet und auf Vorbestellung nach Hause liefert, oder der Hörakustiker, der Geräte zur Reparatur abholen kommt und diese „selbstverständlich desinfiziert“ wieder dort abliefert. Wer seine Dienstleistung nicht aus der Ferne abwickeln kann, bietet rabattierte Gutscheine an, mit denen Kunden die lokalen Betriebe unterstützen können. Der Grundgedanke: Wenn Kunden die Dienstleistung jetzt schon kaufen, können sie sie später in Anspruch nehmen – und der Betrieb kann solange die Miete und andere laufende Kosten bezahlen, die trotz Corona-Verordnung anfallen. Um dann, wie die Letmather Unternehmer in ihrem Brief hoffen, „gemeinsam in die Normalität zurückzukehren.“

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