Pandemie

Wie Maler in Letmathe die Krise und die Lockerung erleben

Christoph Wieloch und Petra Lukoschek haben die Galerie „Tunichtgut und Sorglos“ an der Hagener Straße erst im Herbst eröffnet – nach der Schließung bangte das Künstlerpaar um seinen Traum.

Christoph Wieloch und Petra Lukoschek haben die Galerie „Tunichtgut und Sorglos“ an der Hagener Straße erst im Herbst eröffnet – nach der Schließung bangte das Künstlerpaar um seinen Traum.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe.  Petra Lukoschek und Christoph Wieloch halten an ihrer Galerie „Tunichtgut und Sorglos“ fest – zur Not auch ohne schwarze Zahlen.

Petra Lukoschek und Christoph Wieloch sind Maler, Bildhauer, Schreiber, Kunstverein-Mitstreiter und seit vergangenem Herbst Betreiber der Galerie „Tunichtgut und Sorglos“ an der Hagener Straße. Die Corona-Krise lässt viele ihrer kreativen Kollegen ebenso verzweifeln wie Selbstständige – trotzdem sind die beiden weit davon entfernt, das Handtuch zu werfen, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung bekräftigen.

Wie ist aktuell die Stimmung?

Christoph Wieloch: Wir kämpfen wie alle anderen mit den Maßnahmen, sind aber nicht so deprimiert wie manche unserer Bekannten. Wir hoffen, dass sich die Lage bald wieder normalisiert – mir fällt auf, dass die Fußgänger schon wieder entspannter wirken, statt des Tunnelblicks Richtung Drogerie oder Supermarkt gucken sie wieder in die Schaufenster.

Petra Lukoschek: Ich bin froh, dass wir relativ schnell wieder öffnen durften und die Leute zum Malen zurückkommen. Ganz ehrlich: Als wir unsere Galerie nach ein paar Monaten schon wieder schließen mussten, dachte ich erst: Das war’s jetzt, mit unserem Traum ist es aus.

Welche Folgen haben die
neuen Vorschriften für Sie?

Lukoschek: Es dürfen sich nur zwei Kunden gleichzeitig drinnen aufhalten – kommt ein dritter, muss ich den rausschicken. Das ist befremdlich, man handelt gegen seine Natur. Auch meine Malkurse darf ich nur noch mit zwei Teilnehmern durchführen, deshalb musste ich die Kurse aufteilen. Und ich traue mich derzeit nicht, mich mit meiner Staffelei an die Straße zu setzen. Im September hat das viel Interesse erzeugt, manche haben sogar spontan Porträts in Auftrag gegeben.

Wieloch: Die Leute sind zögerlicher geworden, etwas zu kaufen, viele warten vorerst ab mit nicht lebensnotwendigen Ausgaben. Das bremst die Entwicklung der Galerie natürlich erheblich.

Was macht die Krise
mit Ihrer Kreativität?

Lukoschek: Da ich mehr Kurse betreue, habe ich weniger Zeit zu malen. In den Wochen des Lockdowns habe ich dafür mein Buch fertig geschrieben, an dem ich seit fünf Jahren gearbeitet hatte – es ist eine fantastische Geschichte von Elfen, die im Wald bei Iserlohn leben und zum Nordpol reisen wollen, weil dort Wünsche erfüllt werden. Ich habe das Manuskript einem Verlag geschickt und warte jetzt auf Antwort.

Wieloch: Gerade habe ich wieder angefangen zu malen. In den letzten Wochen waren wir aus Mangel an anderen Ausgehmöglichkeiten viel im Wald spazieren, dabei habe ich Holz für meine Skulpturen gesammelt. Das Ergebnis kann man im Schaufenster sehen.

Greifen Sie die Krise inhaltlich auf?

Wieloch: Meine Kunst ist dafür vielleicht zu abstrakt. Außerdem möchte ich den Leuten eher etwas anbieten, das sie auf andere Gedanken bringt. Seit Wochen gibt es ja kaum noch andere Themen als Corona, irgendwann ist es einfach zu viel. Ich sehe, was andere zur Krise machen, damit kann ich aber nicht immer etwas anfangen. Die Mona Lisa mit Mundschutz zum Beispiel, soll das lustig sein? Oder ist es nicht vielmehr zum Heulen?

Lukoschek: Vielleicht bin ich noch in Schockstarre, aber bislang inspiriert mich die Krise nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich persönlich gar nicht so niedergedrückt fühle, in meinem Bekanntenkreis ist niemand an dem Virus erkrankt. Grundsätzlich verarbeite ich durchaus auch bedrückende Themen mit meinen Bildern, das da vorn zum Beispiel (zeigt auf das Porträt einer jungen Frau mit kurz geschorenem Kopf) zeigt eine Verwandte von mir, die an Krebs erkrankt ist und die wegen der Pandemie niemand im Krankenhaus besuchen durfte, nicht mal ihr Partner. Vielleicht habe ich Corona also doch schon aufgegriffen, bewusst darüber nachgedacht habe ich aber wirklich nicht.

Was halten Sie von den
Soforthilfen für Selbstständige?

Lukoschek: Unser Antrag wurde schnell bearbeitet und bewilligt, dann aber eine ganze Weile nicht ausgezahlt, weil es so viele Betrugsfälle gab. Inzwischen haben wir das Geld bekommen, und ich bin dafür sehr dankbar. Das ist schon eine große Hilfe, um die laufenden Kosten zu decken.

Wieloch: Man muss dazu aber auch sagen, dass wir mit der Galerie nicht unseren Lebensunterhalt verdienen, aktuell ist das Ganze sogar ein Minusgeschäft. In meinem Hauptjob kann ich bislang normal weiter arbeiten, zum Glück.

Zweifeln Sie in diesen
Tagen am Künstlerdasein?

Lukoschek: Niemals! Das könnte ich gar nicht. Kunst und Kultur sind unglaublich wichtig, nehmen Sie nur diese Musik (im Hintergrund: ein Klavierstück von Chopin), das ist Nahrung für die Seele. Es ist ein Wunder, dass wir diesen Traum leben können. Früher habe ich bei einem Kunstverlag gearbeitet, wo nur gemalt wurde, was verkauft wurde – das war schrecklich.

Wieloch: Ohne Kunst und Kultur würden wir verblöden. Deshalb ist es so wichtig, dass die aktuelle Entwicklung kein Dauerzustand wird. Das wäre nicht gut – für uns alle.

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