Gemeinschaftsdienst

Wie man bei psychischen Störungen helfen kann

Bei der Fachtagung des Gemeinschaftsdienstes Kinder, Jugend und Familie (von links): Henning Wiesemann, Dr. Michael Hipp und Diana Velling

Bei der Fachtagung des Gemeinschaftsdienstes Kinder, Jugend und Familie (von links): Henning Wiesemann, Dr. Michael Hipp und Diana Velling

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Stübbeken.   Der Gemeinschaftsdienst Kinder, Jugend und Familie leistet mit der „Marte Meo“-Beratung einen Beitrag, um bei psychischen Störungen von Eltern und Kindern zu helfen. Das wurde bei einer Fachtagung vorgestellt.

Wie kann man Eltern und Kindern helfen, die unter psychischen Störungen leiden? Dieser Frage war eine bundesweite Fachtagung gewidmet, zu der der Gemeinschaftsdienst Kinder, Jugend und Familie e.V. im Stübbeken eingeladen hatte. Rund 200 Fachkräfte aus Jugendämtern, Familienzentren, Beratungsstellen, Kindertagesstätten und anderen Einrichtungen nahmen in der Dorfhalle daran teil.

Dr. Michael Hipp (Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie) machte in einem Vortrag deutlich, dass psychische Störungen bei Eltern selten erblich bedingt seien, sondern in den meisten Fällen auf Traumatisierungen beruhten. Die Störungen rührten oft von Vernachlässigungen im frühkindlichen Alter, Gewalterlebnissen oder sexuellem Missbrauch her. Die Betroffenen würden oft enge Bindungen und soziale Beziehungen meiden., was sich auf ihre Beziehung zu den eigenen Kindern auswirkt und deren „Bindungsentwicklung“ ebenfalls beeinträchtigt .Besonders Kinder im Alter bis zu fünf Jahren seien davon betroffen.

Leider ließen sich viele betroffene Eltern nicht auf die notwendigen Hilfen und Therapien ein, stellte der Referent fest. Sie hätten Angst über ihre Erkrankungen zu reden, weil sie stigmatisiert werden könnten. Und es sei schwer, das Tabu zu brechen.

Alle diese Hintergründe müsse man als Helfer oder Berater immer berücksichtigen, mahnte Dr. Hipp. Er gab dem Fachpublikum einen Überblick über Maßnahmen, wie man den Betroffenen am besten helfen kann. Dazu gehören Therapien zur Traumabewältigung, die Zusammenarbeit von Erwachsenenpsychiatrie und Jugendhilfe, der Aufbau eines „sicheren äußeren Ortes“ und das Angebot verlässlicher und Vertrauen schaffender Beziehungen oder die Förderung der Mutter / Vater-Kind-Interaktion.

Dabei kann auch die videogestützte Analyse- und Beratungsmethode „Marte Meo“ hilfreich sein, die beim Gemeinschaftsdienst angewendet wird. Seit Oktober 2015 besteht die eigenständige Beratung „Blickwechsel Marte Meo“, die von Henning Wiesemann und Diana Velling vorgestellt wurde und mittlerweile auch ambulant angeboten wird (www.gemeinschaftsdienst.de).

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