Gesellschaft

„Wir sollten miteinander reden“

Sonja Hartwig und Kazim Erdoganreisenmit ihrem Buch „Kazim, wie schaffen wir das?“ durchs Land. Auch Haus Letmathe lag auf der Route.

Foto: Manuela Radigk

Sonja Hartwig und Kazim Erdoganreisenmit ihrem Buch „Kazim, wie schaffen wir das?“ durchs Land. Auch Haus Letmathe lag auf der Route. Foto: Manuela Radigk

Letmathe.   Sonja Hartwig und Kazim Erdogan stellten ein gemeinsames Buch vor.

Den 13. Halt ihrer großen Lesereise machten Sonja Hartwig und Kazim Erdogan in der Bücherei Letmathe. „Kazim, wie schaffen wir das?“, so lautet der sprechende Titel des Buches, mit dem sie am Donnerstag zu Gast waren. Was damit genau gemeint ist? Geglückte Integration.

Die freie Journalistin Sonja Hartwig hatte den Neuköllner Psychologen Kazim Erdogan lange bei seiner Arbeit begleitet und stellt den Bundesverdienstkreuzträger und seine Erlebnisse in ihrem Buch vor. Erdogan gründete verschiedene Selbsthilfegruppen für türkische Männer, die von ihren Eindrücken in Deutschland berichteten und so in einen Dialog einstiegen. Hier gab es die unterschiedlichsten Themen: Gefühl der Ausgrenzung aus der Gesellschaft, Gewalt in der Kindererziehung, geschiedene Ehen und noch viele mehr.

Durch Gespräche im Alltag die deutsche Sprache lernen

Schnell wurde klar, dass die Themen nicht nur für Menschen türkischer Herkunft gelten. Eine wichtige Lösung der Probleme sieht Erdogan in der Kommunikation: „Wir sollten miteinander reden und nicht aneinander vorbei“. Hierfür sei es auch wichtig, dass man als Mensch mit Migrationshintergrund beziehungsweise mit „einer individuellen Zuwanderungsgeschichte“ die deutsche Sprache lerne. Dies geschehe nicht nur durch das Sammeln der einzelnen Sprachkurszertifikate, sondern durch Gespräche im Alltag. Man könne zum Beispiel Begegnungen durch gemeinsame Veranstaltungen fördern. Diese Idee weitet Erdogan auch auf die heutigen Flüchtlinge aus: Die Türkischstämmigen könnten ihnen beim Ankommen helfen. Schließlich wüssten sie am besten, wie es bei ihrer Ankunft in Deutschland gewesen sei.

Das Besondere an der Lesung von Sonja Hartwig: Sie stellte das Buch abschnittsweise vor und ließ dazwischen immer Zeit für Diskussionen. Die Zuschauer in der voll besetzten Bücherei Letmathe nutzten die Gelegenheit um auch durchaus kritische Fragen, vorrangig an Erdogan, zu stellen, der nur zu gerne seine Ansichten und Lösungsvorschläge ausführte. Das Ergebnis: Jeder Mensch sollte sich ein kleines Stück weit einbringen.

Auch die Organisatoren waren mit der positiven Resonanz und der Veranstaltung an sich sehr zufrieden. Erstmals kooperierten der „BildPunkt“ Letmathe (vertreten durch Peter Trotier) und die Stadtbücherei (vertreten durch Gudrun Völcker) zusammen. Unterstützt wurde das Kooperationsprojekt durch den Integrationsrat Iserlohn. Die Verantwortlichen äußerten bereits ihr ernsthaftes Interesse, weitere Termine gemeinsam zu gestalten.

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