Dechenhöhle

Zahlen aus 44 Jahren sind wieder da

Helmut Bathe hat Dechenhöhlenleiter Dr. Stefan Niggemann mit der Übergabe einer Kiste voller Statistiken eine große Freude bereitet.

Foto: Oliver Bergmann

Helmut Bathe hat Dechenhöhlenleiter Dr. Stefan Niggemann mit der Übergabe einer Kiste voller Statistiken eine große Freude bereitet. Foto: Oliver Bergmann

Oestrich.   Helmut Bathe übergibt der Dechenhöhle wertvolle Aktenordner und Hefte. Es handelt sich um Statistiken von 1939 bis 1983.

„Ich war ganz überrascht und natürlich begeistert, als sich Helmut Bathe bei mir meldete“, freut sich Dr. Stefan Niggemann, Leiter der Dechenhöhle. Für die Höhle und alle, die mit ihr in Verbindung stehen, ist 2018 bekanntlich ein besonderes Jahr, schließlich jährt sich ihre zufällige Entdeckung zum 150. Mal.

Ist es Zufall oder Schicksal, dass ausgerechnet jetzt alte Dokumente auftauchen, die lange Zeit verschollen oder in Vergessenheit geraten sind? Bathe stattete Niggemann am Samstag einen Besuch ab – und er kam nicht mit leeren Händen. In einer alten Holzkiste der „Fahrkartenausgabestelle (Fka) Dechenhöhle“ hatte er zehn Aktenordner und Bücher dabei, die sämtliche Besucherzahlen seit 1939 enthalten, die auch als Spiegel der gesellschaftlichen Ereignisse betrachtet werden können.

Wurden in jenem Jahr noch 115 154 Besucher gezählt, brach die Zahl in den folgenden Jahren teilweise um mehr als 50 Prozent ein – eine Folge des Zweiten Weltkrieges. 1940 wurden 42 880 Besucher registriert, 1941 immerhin 56 631 und 1942 noch einmal 64 951. Dagegen besuchten 1945 gerade einmal 8106 Menschen die Höhle, drei Jahre später waren es bereits wieder 131 936 Besucher, 10 008 kamen allein an den beiden Pfingstfeiertagen. Gepflegt wurde das Archiv bis zum Ende des Jahres 1983. Niggemann: „Die Zählung ist damit lückenlos. Wir können jetzt die uns vorliegenden Zahlen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen.“

Minutiös erhaltene Statistik zur Höhlengeschichte

In irgendeiner Form soll die Statistik, die außerdem Protokolle beinhaltet, wer welche Führung geleitet hat, auch Bestandteil des Jubiläumsbuches zur Höhlengeschichte sein, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Erfasst sind längst nicht nur die jährlichen Gesamt-Besucherzahlen. Wer wissen möchte, wie viele Schüler und Erwachsene, ob als Gruppe oder Einzelperson, zum Beispiel am 19. März 1977 die Höhle besucht haben, wird in den Unterlagen fündig.

Annemarie Kreckel hatte laut Bathe die Idee, dass diese wertvolle Statistik in den Besitz der Höhlenleitung übergeht. Er selbst führte zwölf Jahre lang Buch. „Wir hatten zum 1. Oktober 1971 die Gaststätte übernommen. Und dazu gehörte auch die Verpflichtung, Eintrittskarten und Fahrkarten zu verkaufen.“ Es ist eine Zeit, an die der langjährige Leiter des Saalbaus durchaus gerne zurückdenkt, auch wenn das plötzliche Ende seines Engagements im Jahr 1984 noch schmerzt. „Jeder Besucher musste durch unsere Gaststätte. Denen haben wir alles Mögliche verkauft. Vor allem unser Andenken-Stand war eine echte Goldgrube.“ Etwas zu trinken gibt es in der früheren Gaststätte heute noch. Kaffee und Cola kommen allerdings nur noch aus dem Automaten. Zu Beginn der 80er Jahre schlitterte die Höhle in eine Krise. Die Besucherzahlen gingen zurück, Gutachter stellten auch noch statische Gefahren fest. Es bestand Einsturzgefahr in einigen Bereichen.

Die Deutsche Bundesbahn trennte sich Ende 1983 von der Höhle, als neue Eigentümerin trat die Mark-Sauerland-Touristik GmbH (MTS) an ihre Stelle. „Sie hat uns am 29. Februar 1984 die Höhle gekündigt“, blickt Helmut Bathe zurück. Es war die Talsohle einer schleichenden Entwicklung, die Bathe allerdings nicht anzulasten war. Seither geht es mit dem Ausflugsziel wieder bergauf, unter anderem rückten zum Jahresende die weihnachtlichen Führungen ins Programm, die heute noch Publikumsmagnet sind.

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