Lesecafé im Visier

Anonyme Anzeige schockierte den Mendener Hausfrauenbund

Der leckere Kuchen im Lesecafé der Stadtbücherei – hier ein Archivbild mit Polit-Prominenz – wurde im Sommer durch die anonyme Anzeige plötzlich zum Problemfall für den Mendener Hausfrauenbund. Heute ist alles überstanden.

Der leckere Kuchen im Lesecafé der Stadtbücherei – hier ein Archivbild mit Polit-Prominenz – wurde im Sommer durch die anonyme Anzeige plötzlich zum Problemfall für den Mendener Hausfrauenbund. Heute ist alles überstanden.

Foto: Archiv, Martina Dinslage

Menden.  Nach einer anonymen Anzeige nahmen Lebensmittelkontrolleure das ehrenamtlich betriebene Lesecafé in der Stadtbücherei ins Visier.

„Als die kamen, war das für uns ein totaler Schock“, sagt Ilona Schön. Die Vorsitzende des Deutschen Hausfrauenbundes (DHB) Menden meint jenen Tag im Frühsommer, als plötzlich das Gesundheitsamt des Märkischen Kreises und das städtische Ordnungsamt im Lesecafé der Mendener Stadtbücherei standen. Anlass war eine anonyme Anzeige, unterschrieben von „besorgten Bürgern“. Deren Besorgnis war so groß, dass sie den Mendener Hausfrauenverein beim Gesundheitsamt des Kreises, beim Ordnungsamt der Stadt und der Vollständigkeit halber auch beim Finanzamt Iserlohn angezeigt hatten. Vorwurf: Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Vereins, der seit drei Jahrzehnten das Lesecafé in der Stadtbücherei beanstandungsfrei betreibt, würden gegen Lebensmittelrecht verstoßen.

Die EU-Norm 852

Dass in den 30 Jahren des Betriebs noch niemand nach dem Genuss der leckeren selbstgebackenen Torten der Vereinsfrauen über Bauchweh geklagt hatte, spielte da keine Rolle mehr. Die Behörden waren eingeschaltet – und sind nach Angaben von Kreis-Sprecherin Ursula Erkens auch verpflichtet, zu reagieren: „Es gibt die EU-Norm 852.“ Die schreibt seit 2014 vor, was auch Vereine in Sachen Lebensmittelhygiene einzuhalten haben.

Zeugnisse und Listen

Die Folgen für die DHB-Truppe: Nach ihrer Belehrung durch die Lebensmittel-Überwachung des MK meldeten sich die ehrenamtlichen Kräfte aus dem Lesecafé zu Schulungen in Sachen Lebensmittelrecht an. Ihre Küche wurde untersucht und abgenommen, sie selbst hatten allesamt Gesundheitszeugnisse vorzulegen. Und sie lernten, warum sie Kuchen und Torten nicht mehr zuhause backen und im Café anbieten dürfen: Die Kühlkette werde ja unterbrochen. Wegen möglicher Allergene ist seither eine Zutatenliste ausgehängt.

Kunden lieben Torte

„Kuchen dürfen wir nur noch durchgebacken anbieten, und zwar im nahen Seniorentreff“, sagt Ilona Schön. Und warum? „Weil wir nur dort, in einem öffentlich zugänglichen Raum, vom Ordnungsamt jederzeit kontrolliert werden können. In Privatwohnungen dürften die nicht hinein, sagte man uns.“ Sahnetorten sind im Lesecafé seither wegen der Kühlung tabu. „Wir haben da sofort auf Apfelkuchen und ähnliches umgestellt.“ Was beileibe nicht bei allen Stammgästen auf Begeisterung stieß: „Die Kunden wollten gerne weiter die leckeren hausgemachten Torten essen, aber das ging halt nicht mehr.“

Kreis lobt das Team

Bei ihrem Team aus fünf Frauen und einem Mann, das alles so geduldig mitmachte, könne sie sich nur bedanken, sagt Ilona Schön. „Dieser Umgang mir dem Ehrenamt hätte in manch anderem Verein wohl das Aus bedeutet.“ Und die Sache gehe letztlich auch alle anderen Vereine an, die vor Veranstaltungen teilweise öffentlich zu Kuchenspenden aufriefen. „Da geht viel nach dem Motto: Wo kein Kläger, da kein Richter.“ Die Kreis-Sprecherin fand indes nur lobende Worte für den DHB: „Die haben alles prima hingekriegt. Davon konnten wir uns noch vor kurzem überzeugen.“

Anzeige „schäbig“

Trotzdem: Schäbig findet Ilona Schön im Nachhinein vor allem die anonyme Meldung ans Finanzamt: „Wir sind auch da geprüft und nicht beanstandet worden.“ Die Erlöse fielen bei den bewusst niedrigen Kuchenpreisen sehr schmal aus – und fließen dann an den Hausfrauenbund. „Wir als DHB spenden das Geld dann an den Hospizkreis Menden. Oder das Kinderhospiz in Olpe.“

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