Neubau-Verzögerung

Aus Protest: Mendener Ex-Rektor Dr. Hardt tritt aus CDU aus

Die Einweihung des ersten Anbaus konnte Dr. Thomas Hardt 2015 als Rektor noch mit Schlüsselübergabe und Vorgängerin Christel Schmidt-Timmermann feiern. Doch der Erweiterungsbau verzögert sich jetzt dermaßen, dass der Pädagoge nach 38 Jahren aus Protest aus der CDU ausgetreten ist.

Die Einweihung des ersten Anbaus konnte Dr. Thomas Hardt 2015 als Rektor noch mit Schlüsselübergabe und Vorgängerin Christel Schmidt-Timmermann feiern. Doch der Erweiterungsbau verzögert sich jetzt dermaßen, dass der Pädagoge nach 38 Jahren aus Protest aus der CDU ausgetreten ist.

Foto: Archiv, Arne Poll

Menden.  Die Verzögerung des Erweiterungsbaus für das städtische Hönne-Gymnasium lässt den früheren Rektor Dr. Thomas Hardt mit seiner Partei hadern.

Dr. Thomas Hardt ist nach 38 Jahren aus der CDU ausgetreten – aus Protest gegen die erwartete neuerliche Verzögerung des Erweiterungsbaus für das städtische Gymnasium an der Hönne, kurz GHM. Hardt war bis zur Pensionierung 2017 Rektor dieses Fusionsgymnasiums. Zuvor hatte der heute 67-jährige Pädagoge das Heilig-Geist-Gymnasium geleitet, das 2015 mit dem Walram-Gymnasium in der neuen Schule an der Hönne aufging. Dr. Hardts Schritt ist schon die zweite heftige Reaktion auf den WP-Bericht aus der jüngsten Betriebsausschusssitzung: Die FDP hatte unmittelbar danach den Rücktritt der Leiterin des städtischen Immobilienmanagements (ISM) gefordert.

Dr. Hardt begründet seinen Schritt zunächst mit der Vorhersehbarkeit einer Entwicklung, vor der er gewarnt habe: „Mehrfach habe ich in der Fraktion die ungenauen und lückenhaften Finanz-Kalkulationen des ISM bei der Planung anderer Gebäude beklagt.“ Beim Gesamtschulanbau etwa habe der ISM nur wenige Wochen vor der Umsetzung des Vorhabens durch den Bauträger Kostenansätze vorgelegt, die sich aufgrund angeblich plötzlicher Kostenexplosionen als Farce erwiesen und die Gesamtkosten des Projekts dramatisch verteuert hätten, heißt es in der Austrittserklärung an Kreisverband und Fraktion.

Die Vertrauensfrage

Schon über die Kosten der Renovierungsmaßnahmen an der Hauptschule am Gelben Morgen und der alten Realschule Menden sei im Vorfeld nie detailliert beraten worden. Zusammen mit den Umbaumaßnahmen am Heilig-Geist-Gymnasium, die angeblich alle nicht finanzierbar gewesen seien, habe der ISM „nach willkürlicher Entscheidung“ millionenschwere Ausgaben tätigen dürfen, die für die Erweiterung des Hönne-Gymnasiums nun fehlten.

Real- und Gesamtschule verfügten heute über über ein optimales Lernumfeld und hervorragende Raumbedingungen, „die ihnen selbstverständlich gegönnt seien und die zwingend erforderlich waren. Nur die Gymnasiasten sollen noch lange auf gleichwertige Lernbedingungen warten“, kritisiert Hardt.

Laut ISM habe der Baubeginn am Hönne-Gymnasium noch vor der nächsten Kommunalwahl liegen sollen. Im Betriebsausschuss erklärten CDU und FDP jedoch alle Planungsvarianten für unrealistisch. Hardt dazu: „Wem sollen die Bürgerinnen und Bürger und die Schulgemeinde des GHM noch vertrauen? Findet der Schulanbau in Erwartung eines desaströsen Wahlergebnisses der CDU bei der Kommunalwahl 2020 überhaupt noch statt?“ – zumal sich andere Parteien dem Ausbau gegenüber eher distanziert gezeigt hätten.

Mehrfach, sagt Hardt, habe er gefordert, den ISM aufzulösen. Der Betrieb habe sich als seinen Aufgaben nicht gewachsen gezeigt. Doch dafür habe er in der Fraktion nur ein mildes Lächeln und Verharmlosungen geerntet. Und während sich der ISM nicht um das Gymnasium kümmerte, habe derselbe Betrieb „jede erforderliche Menge personeller Kapazitäten eingesetzt, um die rechtzeitige Fertigstellung des Museums Gut Rödinghausen sicherzustellen“.

Schritt fällt „nicht leicht“

Dies sei „ein Projekt, das die überwältigende Mehrheit der Mendener Bürgerinnen und Bürger ablehnt“. Neben Fördermitteln des Landes habe die Stadt selbst mehrere Millionen Euro für die Renovierung dieses Museums aufgewandt. Viele Bürger hielten dies für eine Verschwendung von Steuermitteln. Der CDU „werfen sie vor, Partikularinteressen einiger weniger Bürger für wichtiger zu halten als die Schaffung angemessener Lern- und Ausbildungsbedingungen für die junge Generation“. Auch angesichts der Folgekosten frage er sich: „Wie viele Kommunen von der Größe Mendens leisten sich zwei Museen?“

Mit dem Austritt wolle er auf diese „unverständliche Schwerpunktsetzung der Mendener CDU bei der Wahrnehmung unterschiedlicher politischer Aufgaben und fehlende Bereitschaft zur Kontrolle zentraler Verwaltungsbereiche hinweisen“, erklärt Dr. Hardt. „Ein Schritt, der mir nach 38-jähriger Zugehörigkeit zur Mendener CDU nicht leicht fällt.“

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