Feuer-Katastrophe

Brand von Notre-Dame: Erinnerungen des Hüingser Kinderchores

Reinhard Broich mit einem Plakat des Hüingser Kinderchores für ein Konzert in Notre-Dame im Juli 1977.

Reinhard Broich mit einem Plakat des Hüingser Kinderchores für ein Konzert in Notre-Dame im Juli 1977.

Foto: Frank Saul

Menden.   1977 singt der Hüingser Kinderchor um dessen Leiter Reinhard Broich genau dort, wo nun das Gewölbe der weltberühmten Kathedrale eingestürzt ist.

Es sind Bilder, die den Mendener Reinhard Broich den ganzen Abend an den Fernseher fesseln. Als die Kathedrale Notre-Dame in Paris in Flammen steht, erinnert er sich an einen Auftritt des Hüingser Kinderchores in dem weltberühmten Gotteshaus – genau an der Stelle, an der das Gewölbe nach dem Kollaps des hölzernen Turms eingebrochen ist.

42 Jahre ist es her, dass der Hüingser Kinderchor sein fünfjähriges Bestehen feiert. Chorleiter Reinhard Broich und etwa 50 Kinder befinden sich auf einer Konzertreise durch Frankreich. Ein Ziel: die Kathedrale Notre-Dame. „Es war eine ganz große Besonderheit“, erinnert sich Broich, der noch heute den Paul-Gerhardt-Chor leitet. Der Prälat für kulturelle Veranstaltungen in Notre-Dame befindet damals, dass es für die Hüingser Musiker eine „große Ehre“ sei, dort zu singen; denn man lege Wert auf Qualitätsklangkörper. Der Auftritt des Kinderchors scheint den Prälat allerdings überzeugt zu haben, erinnert sich Broich. „Er hat uns danach eingeladen, zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal ein Konzert zu geben.“

Unter eingestürztem Gewölbe

Gesungen hat der Hüingser Kinderchor in der Vierung der Kirche unterhalb des riesigen Kronleuchters. „Genau dort, wo das Gewölbe jetzt eingebrochen ist“, sagt Broich. 3000 Besucher hören dem Chor aus dem Sauerland damals zu. Ein Plakat vom Auftritt hat der ehemalige Chorleiter in seinem Archiv gefunden. Darauf sind Tag und Uhrzeit des Konzertes vermerkt.

Als der Dachstuhl der Kathedrale am Montagabend gegen 18.50 Uhr Feuer fängt, sitzt Reinhard Broich gebannt vor dem Fernseher. „Ich war zutiefst erschüttert und erschrocken. Es kamen direkt all diese Gedanken und Erinnerungen hoch“, sagt der Chorleiter. Dabei seien am Montagabend ja zunächst nur Bilder von außen gezeigt worden. Erst am Tag danach hätten die Drohnenbilder das ganze Ausmaß der Zerstörung deutlich gemacht. Dabei erinnert er sich immer an die „wahnsinnig freundliche Aufnahme“ im Nachbarland. „Wir waren schließlich völlig Unbekannte aus einem kleinen Nest wie Hüingsen.“

Der Brand von Notre-Dame sei für den Mendener eine „unfassbare Katastrophe“. Schon einmal wurde ein Gebäude, wo der Hüingser Kinderchor auftrat, in Teilen oder vollkommen zerstört. Die Musiker traten bei einer Konzertreise durch die USA auch auf dem Dach des Südturms des World Trade Centers auf.

Benefiz-Aktion geplant

Um den Feuerwehrleuten und Einsatzkräften in Paris für ihren Einsatz am vergangenen Montagabend zu danken und die Bewunderung zum Ausdruck zu bringen, gibt es Überlegungen beim Paul-Gerhardt-Chor, einen Teil beizutragen. „In seiner anstehenden Generalversammlung wird sich der Chor mit dem Vorschlag von Prof. Horst Pieper beschäftigen, Paris musikalisch in angemessener Form beim Wiederaufbau der Kathedrale zu unterstützen.“ Denkbar sei in diesem Rahmen etwa ein Benefiz-Konzert des Paul-Gerhardt-Chores.

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