Gericht

Dieb findet Leuchte auf Toilette in Menden und stiehlt sie

Ein Student hat eine auf dem Klo versteckte Außenleuchte gefunden und mitgehen lassen. Dafür muss er sich vor dem Landgericht Arnsberg verantworten (Symbolbild).

Ein Student hat eine auf dem Klo versteckte Außenleuchte gefunden und mitgehen lassen. Dafür muss er sich vor dem Landgericht Arnsberg verantworten (Symbolbild).

Foto: QUICKELS, Wolfgang / WAZ

Menden.  Vor Gericht: Ein Student lässt eine auf dem Klo versteckte Leuchte mitgehen und verletzt zwei Menschen. Die Erinnerung der Zeugen ist schwammig.

Es ist nicht wenig, was dem 27-jährigen Hemeraner am Landgericht Arnsberg vorgeworfen wird: Er soll eine teure Außenlampe eines Mendener Unternehmens gestohlen und bei der Flucht mit dem Auto zwei Menschen verletzt haben. Nach drei zähen Stunden Verhandlung kommt der Angeklagte jedoch mit einem blauen Auge davon, das Verfahren gegen ihn wird eingestellt. Das Problem: Seit der Tat sind bereits drei Jahre verstrichen, die Erinnerung der Zeugen ist schwammig.

Was ist passiert

Der Angeklagte gab gleich zu Beginn der Verhandlung zu, die Außenleuchte im Wert von 867,75 Euro gestohlen zu haben. Er habe zu der Zeit Molekularbiologie studiert und in der freien Zeit einen Ferienjob als Verpacker bei dem Unternehmen gehabt.

In einer der Toiletten habe er eine dort deponierte Leuchte gefunden und eingesteckt. Warum er sie gestohlen hat? „Ich kann mir das nicht erklären. Sie lag da und ich habe sie mitgenommen. Ich hatte keine Idee, was ich damit machen soll.“

„Gelegenheit macht Diebe“, sagt sein Verteidiger zur Tat. Ich würde es als Jugendsünde bezeichnen. Er weiß, dass er Mist gebaut hat.“

Als der Hemeraner von den Hausmeistern erwischt wird, bekommt er Panik, flüchtet auf den Parkplatz und fährt los. „Ich habe vorsichtig ausgeparkt und bin ausgewichen. Ich wollte niemanden verletzen. Ich bin höchstens Schrittgeschwindigkeit gefahren.“ Die Lampe habe er auf dem Weg nach Hause in einem Müllcontainer entsorgt.

Das sagen die Zeugen

Als Zeugen sind die Hausmeister und ihr Vorgesetzter geladen. Sie alle haben am Tattag versucht, den Angeklagten aufzuhalten.

Die Erinnerungen an den Tag vor drei Jahren sind schwammig. Ihre Aussagen, die sie damals bei der Polizei und am Mittwoch vor Gericht tätigen, unterscheiden sich immer wieder. Oft ist die Erinnerung nur vage. Bei einer Sache sind sich die drei allerdings damals wie heute einig: Der Angeklagte soll zügig gefahren sein, habe keine Ausweichbewegungen gemacht. Ob er vorgehabt habe, sie umzufahren? „Es kann genauso gut sein, dass er einfach flüchten wollte und damit gerechnet hat, dass wir aus dem Weg gehen“, sagt einer der Hausmeister schulterzuckend.

Passiert sei den Zeugen nichts. Die Körperverletzung? „Er hat mich mit dem Außenspiegel an der Hand gestreift“, sagt einer der Hausmeister. „Aber das war eigentlich nichts.“ Auch der andere sei lediglich gestreift worden. Beide hätten genug Zeit gehabt, dem Auto aus dem Weg zu gehen.

Das Urteil

Am Ende bleibt nicht viel vom ursprünglichen Tatvorwurf. Aus dem räuberischen Diebstahl mit gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr und Körperverletzung ist ein Diebstahl mit Nötigung geworden.

„Die Tat liegt lange zurück und wir haben es hier nicht gerade mit einem typischen Angeklagten zu tun“, sagt Richter Althaus nach einigem Überlegen. Der 27-Jährige sei auf einem guten Weg mit seinem Leben, habe sich nichts mehr zu Schulden kommen lassen und mache gerade seinen Master.

„Das Kartenhaus der Anklage ist in sich zusammengefallen“, stimmt auch Staatsanwalt Daniel Stieve zu. Die Überlegung, dem Angeklagten eine Geldstrafe aufzuerlegen, wird ebenfalls verworfen. Für die geleistete Arbeit im Betrieb hat der Hemeraner nie Lohn erhalten. Schlussendlich wird das Verfahren gegen den 27-Jährigen eingestellt. Den Diebstahl habe er in Prinzip bereits mit dem Ausbleiben seines Lohns zurückgezahlt. „Lassen Sie sich das eine Lehre sein!“, mahnt Althaus den Angeklagten.

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