Enkeltrick & Co.

Ehrenamtliche Mendener Berater sollen vor Trickbetrug warnen

2018 gingen die Millionenschäden durch Trickbetrüger etwas zurück. 2019 wird aber wohl ein Rekordjahr.

2018 gingen die Millionenschäden durch Trickbetrüger etwas zurück. 2019 wird aber wohl ein Rekordjahr.

Foto: Grafik WP

Menden.  Im Seniorentreff oder auf dem Markt: Die Polizei soll ehrenamtliche Seniorenberater der Stadt schulen, um die Flut von Betrugsanrufen einzudämmen.

Um Mendener Seniorinnen und Senioren vor Trickbetrügern warnen zu können, soll das Team der 14 ehrenamtlichen Seniorenberater der Stadt jetzt mit allen Wassern gewaschen werden. In Schulungen durch die Kriminalpolizei sollen sie das Wissen um die Schlichen der Telefon- und Haustürbetrüger kennenlernen. Das sollen sie dann weitergeben, ob im Seniorentreff oder auf dem Wochenmarkt, damit arglose Menschen nicht länger um Hab und Gut gebracht werden. Das haben am Mittwochabend die Politiker im städtischen Sozialausschuss auf Antrag der SPD einstimmig beschlossen.

Professionelle Show

Ausschlaggebend für das überzeugende Votum war ein überzeugender Auftritt. Kriminalhauptkommissar Michael Hufnagel aus der Dienststelle „Kriminalprävention und Opferschutz“ der Kreispolizeibehörde sprach vor den Politikern Klartext mit Blick auf Opfer und Täter: „Wenn man davon in der Zeitung liest, dann fragt man sich immer, wie dumm jemand sein muss, so einem Betrüger 10.000 Euro in einer Tüte aus dem ersten Stockwerk vor die Füße zu werfen, wie es bei uns passiert ist. Wer aber die professionelle Show kennt, die da abgezogen wird, den wundert das überhaupt nicht mehr.“

Opfer schämen sich

Trotzdem schämten sich Menschen, die von falschen Enkeln oder Polizisten am Telefon so hereingelegt wurden, manchmal derart, dass sie die Straftaten nicht einmal anzeigten. „Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, dabei nehmen diese Delikte auch im Hellfeld drastisch zu“, berichtete Hufnagel. Und 2019 werde „ein Rekordjahr“. Menden und der Märkische Kreis machten dabei überhaupt keine Ausnahme.

Im Gegensatz zu den Opfern seien die Täter völlig schamlos. Sie nutzten Eigenschaften aus, die ältere Menschen häufiger an den Tag legten als jüngere: die Hilfsbereitschaft und den Respekt vor Amtsträgern. Die Täter seien international organisiert: Oftmals von der Türkei aus würden Menschen im MK mit „älter“ klingenden Vornamen aus Telefonbuch-Verzeichnissen herausgesucht. Dann folgen Anrufen durch vermeintliche Verwandte und deren Anwälte, durch die Polizei und im Anschluss noch durch die „Staatsanwaltschaft“. Am Ende lässt man die Menschen glauben, es ginge tatsächlich darum, einem Kind oder Enkel aus einer schlimmen Klemme zu helfen – oder ihr Geld in Sicherheit zu bringen.

Hier liegt auch ein wichtiger Ansatz für die deutsche Polizei: „Die Abholer“, erklärt Michael Hufnagel, „müssen vor Ort sein.“ Deshalb sei es für die Ermittler so ungeheuer wichtig, dass angerufene Menschen nicht nur den Hörer auflegen, sondern sofort die echte Polizei anrufen. „Dann wissen wir, welches Wohngebiet heute dran ist und können es observieren.“ Wobei die Polizei manchmal ihrerseits von den Tätern beobachtet werde.

Diese Abholer seien ohnehin extrem aufmerksam. So melden sie ihren anrufenden Komplizen aus dem Ausland auch aktuelles Geschehen vor Ort, das die psychologisch geschulten Täter sofort nutzen, um das Vertrauen ihrer Opfer zu erschleichen. In Altena war es kürzlich die laufende Hubschrauber-Suche nach einem verschwundenen Senior. Auf dieser Suche im Wald, so logen die Anrufer dem Opfer vor, hätten sie drei Rumänen in einem Bulli gefasst, die Zettel mit Adressen für Einbrüche dabei gehabt hätten, darauf auch die des Opfers. Der Raubzug sei für die kommende Nacht zu erwarten; es komme gleich ein Beamter in Zivil, um Geld und Schmuck aus dem Haus in die Asservatenkammer der Polizei in Sicherheit zu bringen.

Wer dann noch nicht überzeugt ist, wird noch von einem „Staatsanwalt“ angerufen, der die vermeintliche Polizeitaktik genau erläutert. Dann schnappt die Falle zu.

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