Kampf um Arbeitsplätze

IG Metall will Gerry Weber mit Facebook-Appell retten

Auch hier sehen Beschäftigte ihre Arbeitsplätze bedroht: die „Taifun“-Filiale an der Mendener Hauptstraße, die zu Gerry Weber gehört.

Auch hier sehen Beschäftigte ihre Arbeitsplätze bedroht: die „Taifun“-Filiale an der Mendener Hauptstraße, die zu Gerry Weber gehört.

Foto: Marita Marquis

Menden/Balve/Halle.  Ungewöhnliche Foto-Aktion von Gerry-Weber-Beschäftigten soll Sparkassen dazu bewegen, neuem Sanierungsplan zuzustimmen. 2000 Jobs in Gefahr.

Mit einer ungewöhnlichen bundesweiten Facebook-Aktion will die IG Metall auch heimische Banken dazu bewegen, dem jüngsten Sanierungsplan für das Modeunternehmen Gerry Weber mit Sitz in Halle/Westfalen zuzustimmen: Beschäftigte, die ihre Arbeitsplätze bedroht sehen, halten auf Handy-Fotos Schilder mit den Labels der Sparkassen hoch, die sich laut IG Metall gegen die Rettung ihrer Arbeitsplätze sperren.

Hier sehen Sie die Aktion auf Facebook.

Betroffen von dieser Aktion ist auch die Vereinigte Sparkasse im Märkischen Kreis mit Sitz in Plettenberg. Sie ist die Zweckverbands-Sparkasse der Städte Altena, Balve, Neuenrade, Plettenberg und Werdohl sowie der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde. In Plettenberg war dazu am späten Dienstagnachmittag keine offizielle Stellungnahme mehr zu erhalten.

Selfie-Aufruf der IG Metall wird auch an der Mendener Hauptstraße befolgt

In der Gerry-Weber-Zentrale in Halle nahm zuvor niemand mehr den Hörer ab. Gefolgt wurde dem Selfie-Aufruf unterdessen auch im Mendener Geschäft „Taifun“, das zur Modekette aus Halle gehört. „Wir bangen um unsere Existenz“, erklärte eine langjährig Beschäftigte. Mehr als 500 Porträts erreichten die IG Metall bisher, berichtet Manfred Menningen auf Anfrage der WP. Menningen ist der Tarifverantwortliche der IGM in Bielefeld für den Bereich Textil/Bekleidung.

Von 2000 Beschäftigten bundesweit machen laut IGM bisher 500 Mitarbeiter mit

Er erläuterte aus Sicht der Gewerkschaft die Aktion. Demnach habe das Unternehmen Gerry Weber mit bundesweit etwa 2000 Beschäftigten, das schon vor der Corona-Krise in einer Insolvenz in Eigenverwaltung steckte, wegen der virusbedingten Flaute einen neuen Sanierungsplan erarbeitet. „Das alte Konzept trug nicht mehr“, sagt Menningen. Jetzt sollen weitere 200 Arbeitsplätze abgebaut und der Sanierungs-Tarifvertrag für die Beschäftigten weiter abgemagert werden. Finanzinvestoren sollen ihre Kredite erhöhen und verlängern. Und die Gläubiger, denen das Ursprungskonzept eine Ausschüttung von 30 Prozent zusagte, sollen dem Unternehmen laut Menningen zwei Drittel davon bis 2023 stunden.

Ja zum Sanierungsplan: 20 Banken und Sparkassen sollen überzeugt werden

Dem Plan hätten alle Seiten zugestimmt – bis auf etwa 20 Banken und Sparkassen. Denen, so Menningen, wolle man jetzt klarmachen, „dass hinter jeder Kündigung ein Mensch steht“. Jeder einzelne solle das jeweilige Institut über Facebook auffordern, den Sanierungsplan mitzutragen. Die IGM sei gerade dabei, die Bilder hochzuladen. Auf einigen ist bereits zu lesen: „Die Vereinigte Sparkasse im Märkischen Kreis riskiert in dieser Corona-Krise meinen Arbeitsplatz bei Gerry Weber“.

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