Heimat-Urlaub

In der Arche Noah schmeckt Blütennektar mal nach Fruchtgummi

Beschreibung anzeigen

Menden.  Die Natur so ursprünglich wie möglich erleben Kinder und Erwachsene im Naturschutzzentrum Arche Noah.

Der Wind raschelt zwischen den Bäumen rund um das Naturschutzzentrum Arche Noah. Hinter dem grünen Eingangstor erlebt man die Natur fast in Reinform. Bienen summen um den Holzunterstand herum, sind auf der Suche nach Nektar, Zitronenfalter steigen immer wieder in der Wildwiese auf und flattern davon. In einiger Entfernung können Besucher Kinderrufe hören.

Die Wiese und ihre Bewohner

Am Steinofen vorbei führt ein schmaler Pfad in Richtung Carport. Über grünen Kunstrasen und eine kleine Holzbrücke stapfen die Kinder zur Bastelstunde. Die Wiese, ihre Bewohner und Pflanzen stehen heute im Mittelpunkt. Dafür haben die kleinen Besucher schon gesammelt. Sie sollen ein Wiesenbild basteln. Grashalme auf das doppelseitige Klebeband gedrückt, dazu ein paar lila- und gelbfarbene Blumen. Zwischen den ersten Grashalmen haben ein paar der Mädchen ihre Lieblingstiere gemalt: Marienkäfer, Schmetterling und Co. strahlen mit der Sonne um die Wette. „Wir haben Würmer, Käfer, Raupen, Schmetterlinge und Bienen gesehen“, rufen sie durcheinander – und auch eine Hornisse. „Ist die denn überhaupt gefährlich?“, fragt Ulrich Hering. „Nein, wenn man ihnen nix tut“, antwortet ein blondes Mädchen.

Rund 30 Gruppen, schätzt Hering, kommen in den Sommerferien ins Naturschutzzentrum, etwa 350 sind es über das Jahr verteilt. Von Montag bis Mittwoch für jeweils drei Stunden heißt es abtauchen in die Natur. Hinzu kommen Vor-Ort-Termine im Rahmen von OGS-Ferienaktionen, erklärt Hering. „Es kommt sehr gut bei den Kindern an, die Ferienaktionen sind in der Regel ausgebucht.“ Und die, die kommen, kämen auch gerne.

Die Natur, sagt der Leiter der Einrichtung, fasziniere schließlich noch immer – auch in Zeiten der Digitalisierung und zunehmender Handynutzung auch bei Grundschulkindern. Allerdings habe der Wissensstand deutlich nachgelassen, das habe er in seinen 13 Jahren bei der Arche Noah gemerkt. Die Kinder seien einfach weniger in der Natur unterwegs als früher.

Riechen wie die Wildbienen

Svenja Klems bereitet gerade den Abschluss des Tages vor. Es gibt Süßigkeiten. Natürlich ein Höhepunkt für die kleinen Besucher – auch wenn sie sich die Naschereien erst erarbeiten müssen. Über den schmalen Pfad tapsen sie zurück zum Sammelplatz. Vorbei an einem kleinen Teich, dem Bienenhaus und der grünen Oase des Naturschutzzentrums. Klems erklärt, wie sich die Sicht der Bienen von denen des Menschen unterscheidet: „Sie können Rot nicht sehen, dafür aber Ultraviolett.“ Hauptsächlich aber steuern sie über den Geruch auf Blumen und den Nektar zu. Das gilt es nun, spielerisch darzustellen. Klems baut drei als Blumen geschmückte Tongefäße auf. Der Reihe nach versteckt sie Süßigkeiten darunter und im Stil eines Hütchenspiels müssen die Kinder erriechen, wo sich die Leckereien befinden. „Ob ihr das genau so gut könnt wie die Bienen, sehen wir gleich“, sagt die 36-Jährige. „Ich hab’ aufgepasst“ brüllt ein Junge lautstark. Einen Tipp darf er seinem Kumpel aber nicht geben. „Das riecht nicht so stark“, sagt er.

Eine weitere Geruchsprobe. Erwischt. Der Reihe nach finden alle 17 Kinder die Süßigkeiten.

Mädchen versus Jungs

Zum Abschluss eines Tages in der Natur steht noch ein Wettkampf auf dem Programm. Jungen gegen Mädchen. Wieder geht es darum, das Leben der Bienen interaktiv nachzuspüren. „Am besten mit allen Sinnen“, sagt Klems. Die Kinder füllen einen Plastikbecher mit Wasser, rennen abwechselnd zu einem etwa fünf Meter entfernten Eimer und müssen so viel Wasser wie möglich hineinschütten. Das Problem: Der Plastikbecher hat jede Menge Löcher. Es symbolisiert den Nektartransport der Bienen. „Auf dem Weg zurück brauchen die Bienen ja auch Energie“, erklärt Klems. Am Ende haben die Mädchen 100 Milliliter mehr transportiert als die Jungs. Ein knapper, aber verdienter Sieg.

Erwachsenenbildung auch gefragt

Inzwischen haben sich die ersten Eltern vor dem grünen Tor postiert. Sie holen ihre Sprösslinge ab. Für Svenja Klems heißt das nun: aufräumen. Das Konzept, alle Elemente der Natur möglichst spielerisch zu entdecken, ist über Jahre gereift. Klems wischt über einen Tisch. „Wir wollen ihnen ja auch ein wenig Abwechslung bieten“, sagt sie. Hier, mitten in der Natur, umgeben von Wald und nahezu unberührten Wildblumenfeldern, können auch die Handys mal in die Ecke gelegt werden. Und das sei auch gut so.

Ihren Job zwischen Schmetterling, Libelle, Biene und Co. macht sie immer noch gerne, sagt die 36-Jährige. Sie liebe vor allem die Vielseitigkeit der Arbeit direkt am Wald. Denn nicht nut Kinder kommen ins Naturschutzzentrum. Auch angehende Erzieher des Hönne-Berufskollegs oder Schüler aus der Sekundarstufe II verbringen Nachmittage hier – und genießen die Ruhe und Naturbelassenheit.

Noch mehr Fotos, Videos und Nachrichten aus Menden und Umgebung finden Sie hier.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben