Premiere

MAT: Junge Akteure des „Ensemble 21“ wollen wachrütteln

"Bin ich ein Mensch? Mensch!": das „Ensemble 21" des MAT auf der Bühne.

"Bin ich ein Mensch? Mensch!": das „Ensemble 21" des MAT auf der Bühne.

Foto: Frauke Brenne/brennweite

Menden.  Mit der Eigenproduktion „Bin ich ein Mensch? Mensch!“ hat das „Ensemble 21“ des MAT erfolgreich Premiere gefeiert. Weitere Aufführungen folgen.

Sollte noch jemand glauben, die jungen Leute von heute seien zu brav und angepasst, dann empfiehlt sich ein Besuch im Mendener Amateurtheater. Dort gibt es sie, die 18- bis 25-Jährigen, die laut und provozierend ihre kritische Stimme erheben. In dem neuen Stück „Bin ich ein Mensch? Mensch!“ lassen sie aufhorchen. Am Freitag ernteten sie bei ihrem allerersten Auftritt als „Ensemble 21“, die zugleich die Premiere ihrer ersten Eigenproduktion war, großen Beifall. Und seitdem bereichern sie das MAT um eine neue Sparte: das Theater der jungen Erwachsenen.

Laute Parolen

Du willst es dir im Theatersessel gemütlich machen und leise genießen? Nicht bei diesem Stück! Die Akteure wollen aufschrecken, wachrütteln, (ver-)stören! Schon im Foyer mischen sie sich unter die Besucher und rufen laute Parolen in die Menge: Worte wie „Kapitalismus“, „Freiheit“ oder „Flüchtlinge“. Zwar gibt es auch ein paar sanfte Töne. Aber das Ungestüme dominiert – laut und schnell, krass und extrem, frech und turbulent.

Vor einem Jahr hatten die 14 jungen Leute - hervorgegangen aus dem Jugendtheater des MAT - damit begonnen Büchners „Woyzeck“ zu lesen. Von den existenziellen Fragen des Menschseins tief berührt, bezogen sie das Nachdenken auf sich selbst und die heutige Zeit.

Smartphone- und Burger-Junkies

Heraus kam ein eigenes Stück mit viel Gesellschaftskritik. Der ungezügelte Kapitalismus und die rücksichtslose Ausbeutung der Erde werden ebenso gegeißelt wie Mobbing, rechtsradikale Gewalt und die Beschneidung freiheitlicher Rechte in diktatorischen Systemen.

Junge Leute, die völlig unkritisch dem Konsum erlegen sind, bekommen als Smartphone- und Burger-Junkies eine schallende Ohrfeige verpasst. Selbstkritisch beleuchtet das Ensemble Konflikte zwischen hohen Idealen und der bestehenden Moral. So lernt ein Mädchen einen jungen Mann kennen, der aus Syrien geflohen ist. Soll sie sich näher auf ihn einlassen?

Kabarettistische Komik

Bei allem Ernst – das Lachen kommt nicht zu kurz. Kabarettistische Komik zieht sich durch den Abend. Manche Szenen mit weniger Tiefgang sind einfach nur lustig. Vor allem aber wirkt das Ganze durch theatertechnische und dramaturgische Finessen, schnelle Wechsel und Kontraste lebendig und frisch. Das ist dem jungen Theaterpädagogen Daniel Kreisel (24) zu verdanken, der bei diesem Stück zeigt, was er gelernt hat. Kulisse dunkel, Akteure schwarz gekleidet, kaum Requisiten, aber Action und Spannung ohne ­Ende. Der Fachmann setzt er­folgreich um, was er braucht: Improvisation, Provokation, Einbeziehung des ­Publikums, Tanzeinlagen, Sprechchöre und manches mehr aus der „Trickkiste“ des modernen Theaters.

Im Vorstand des MAT herrscht große Freude, dass die jungen Leute dem MAT über das Jugendalter hinaus treu geblieben sind. Obwohl mehrere von ihnen mittlerweile in Aachen oder anderen Städten studieren oder eine Ausbildung absolvieren, kommen sie regelmäßig sonntags in Menden zusammen, um zu proben.

2020 soll ihr nächstes Stück aufgeführt werden.

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