Beigeordneter im Gespräch

Menden könnte Stadtkämmerer an Porta Westfalica verlieren

Nach der einstimmigen Wiederwahl zum Beigeordneten durch den Stadtrat: Uwe Siemonsmeier (links) im Juli mit Bürgermeister Martin Wächter. In einem Jahr könnte Siemonsmeier in Porta selbst Bürgermeister sein.

Nach der einstimmigen Wiederwahl zum Beigeordneten durch den Stadtrat: Uwe Siemonsmeier (links) im Juli mit Bürgermeister Martin Wächter. In einem Jahr könnte Siemonsmeier in Porta selbst Bürgermeister sein.

Foto: Stadt menden

Menden/Porta Westfalica.  Uwe Siemonsmeier hat in seiner Heimatstadt Porta Westfalica Aussichten, zum Bürgermeisterkandidaten von CDU und FDP nominiert zu werden.

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Verliert die Stadt Menden nach neun Jahren ihren Beigeordneten und Stadtkämmerer Uwe Siemonsmeier? Wie er der WP jetzt bestätigte, liegt ihm aus seiner Heimatstadt Porta Westfalica das Angebot vor, mit Unterstützung von CDU und FDP aussichtsreicher Bürgermeisterkandidat für die Wahl im September 2020 zu werden.

„Anwalt der guten Ideen“

Siemonsmeier ist parteilos, in Porta erklärte er jetzt, als Bürgermeister ein „Anwalt der guten Ideen“ sein zu wollen. Zugleich macht er deutlich, dass er – wie sein Mendener Beigeordneten-Kollege Sebastian Arlt für die CDU – noch nicht nominiert ist. „Ich arbeite wirklich gern in Menden“, sagt Siemonsmeier. Die einstimmige Wiederwahl zum Beigeordneten vor wenigen Wochen habe gezeigt, dass diese Arbeit auch gewürdigt werde. Sollten Kandidatur oder Wahl in Porta nicht klappen, werde er insofern nichts verlieren.

Bitte um Verständnis

Zugleich bitte er um Verständnis dafür, dass ihn die Aussicht reizt, Bürgermeister seiner Heimatstadt zu werden. Dort wuchs er auf und hat als zweifacher Familienvater bis heute seinen Hauptwohnsitz, „um die Familie da nicht aus dem sozialen Umfeld rauszureißen“. Indes hat Siemonsmeier auch eine Wohnung in Menden: Pendeln nach Porta, das komme bei 140 Kilometern nicht in Frage. Seine Freizeit in der Hönne-stadt gestaltet Siemonsmeier unter anderem als Bassist der Rathaus-Rockband „Never too late“.

In Porta würde er Chef einer ihm bestens bekannten Verwaltung. Dort machte Siemonsmeier von 1989 bis ‘92 seine Ausbildung, war in Bauordnungsamt und Ordnungsamt tätig und absolvierte nebenher ein Studium der Betriebswirtschaftslehre, bevor er im Jahr 2000 den Bauhof der Nachbarstadt Rheda-Wiedenbrück übernahm. Als er 2011 mit 41 Jahren in Menden gewählt wurde, hatte Siemonsmeier zudem acht Jahre bei der Gemeindeprüfungsanstalt hinter sich. Eine Zeit, die ihm den Ruf eines Etat-Experten eintrug – und ihm an seiner neuen Wirkungsstätte einen fulminanten Einstieg bescherte. „Fand“ er doch bald darauf im Mendener Jahresabschluss 2008 einen Überschuss von mehreren Millionen Euro. Die Folge: Menden wäre um ein Haar deutlich später als 2011 in den „Stärkungspakt Stadtfinanzen“ des Landes für seine 34 höchstverschuldeten Kommunen eingetreten.

Ausgeglichene Haushalte

Vom Stärkungspakt profitierte Siemonsmeier als Kämmerer in den Folgejahren nicht nur wegen der Unterstützungsgelder: Die Mendener Politik sah sich zugleich „von ganz oben“ auf strikten Sparkurs gezwungen. Wegen der einsetzenden Hochkonjunktur und sprudelnder Steuereinnahmen konnte Siemonsmeier zuletzt planmäßig die ersten Haushalte vorlegen, die in Einnahmen und Ausgaben tatsächlich ausgeglichen waren.

Ungewöhnlich genug: Ausgerechnet als Hüter der Stadtkasse wurde Siemonsmeier unter dem damaligen Bürgermeister Volker Fleige (SPD) als Beigeordneter auch Chef des Fachbereichs Soziales. Während die Politik unkte, hier werde der Bock zum Gärtner gemacht, kümmerte sich Siemonsmeier fortan ohne die befürchteten Kahlschläge auch um Kitas oder Flüchtlinge. 2015 und ‘16 bewältigte seine Mannschaft den Zuzug von rund 1000 Geflüchteten in Menden, ohne dass es nennenswerte Zwischenfälle gab. Später bildete Siemonsmeier ein „Team Inte­gration“, das 14 städtische Kräfte aus verschiedensten Verwaltungsbereichen zusammenfasste – vom Sachbearbeiter für Leistungsbezug bis zum Integrationshelfer – und die Hilfen damit effektiver machte.

Stärkungspakt-Regeln gelten weiter

Am Dienstag musste Siemonsmeier den Politikern im Mendener Hauptausschuss indes erklären, dass der Stärkungspakt auch für Menden über das Jahr 2021 hinaus gilt, „obwohl die Stadt dann ohne Landeszuschuss den Ausgleich im Haushalt schaffen wird“. Bis eine Begrenzung gefunden sei, würden die jährliche Sanierungspläne also weiterhin zum Alltag gehören, ebenso das Verbot des Einsatzes der längst wieder geschaffenen Ausgleichsrücklage.

Ob sich Uwe Siemonsmeier damit in Menden allerdings noch lange beschäftigen wird oder nicht, das entscheidet sich jetzt wohl in Porta Westfalica.

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