Interview

Mendener Landwirt fürchtet um die Zukunft seines Hofes

Ortslandwirt Hans Georg Ammelt schließt nicht aus, dass auch er seinen Hof in Halingen deutlich umstrukturieren muss. Für ihn gibt es mehrere Faktoren, die sich für die Landwirte verbessern sollten.

Ortslandwirt Hans Georg Ammelt schließt nicht aus, dass auch er seinen Hof in Halingen deutlich umstrukturieren muss. Für ihn gibt es mehrere Faktoren, die sich für die Landwirte verbessern sollten.

Foto: Thekla Hanke

Menden.  Ortslandwirt Hans-Georg Ammelt kritisiert die Düngemittelverordnung. Mendener Betriebe hätten im internationalen Wettbewerb keine Chancen mehr.

In Bonn protestieren deutsche Landwirte gegen das von der Bundesregierung geplante Agrar-Paket. Auch an der Hönnestadt rollte der teilweise kilometerlange Trecker-Konvoi vorbei. Doch was bedeutet das eigentlich für die heimischen Bauern? Ortslandwirt Hans-Georg Ammelt zeichnet ein düsteres Bild von der Zukunft – das vor allem an den neuen Düngeverordnungen festgemacht wird.

Zahlreiche Landwirte sind auf ihrer Fahrt nach Bonn auch durch die Hönnestadt gefahren. Haben sich Mendener Landwirte angeschlossen?

Hans-Georg Ammelt: Ob Mendener dabei waren, kann ich nicht sagen. Es hat sich niemand bei mir abgemeldet (lacht).

Was hat es mit dem Agrar-Paket auf sich und was bedeutet das für die Landwirte vor Ort?

Zum einen soll die Düngeverordnung verschärft werden. Das heißt, dass wir über das Klimapaket weniger Tiere halten und die Co2-Emmissionen senken sollen. Wir stehen im internationalen Wettbewerb, da kümmert sich beispielsweise ein brasilianischer Farmer nicht drum. Von dort kommt das Rind- oder Hähnchenfleisch doppelt so günstig hier in Europa an. Da hat die heimische Landwirtschaft keine Chancen mehr.

Das heißt, es besteht die Gefahr, dass die heimischen Landwirte einfach abgehängt werden?

Ja. Die Welt ist ja heutzutage ein Dorf, da werden Rinder sehr schnell hin und her transportiert. Tönnies, einer der größten Schlachter Deutschlands, will 500 Millionen Euro in China investieren. Warum, fragt man sich da? Weil es erheblich günstiger ist.

Wie gefährlich ist denn das Agrar-Paket, gerade für kleine und mittelständische Betriebe in der Landwirtschaft?

Wir sind durch die Düngeverordnung sehr eingeschränkt. Gerade die kleineren Betriebe, die wenig Fläche haben, haben sich auf intensive Viehhaltung spezialisiert – sei es Legehennenhaltung oder Milchvieh – um darüber ihr Einkommen zu erwirtschaften. Und die werden jetzt, weil sie das Vieh pro Fläche halten sollen, doppelt gekniffen.

Die Familienbetriebe sind durch diese Verordnung getrieben, sich anders aufzustellen?

Naja, sie müssen die Viehhaltung erheblich einschränken. Und ob die Preise dementsprechend steigen werden, das sei dahingestellt.

Welchen Einfluss hat das Ganze auf die tägliche Arbeit? Wo macht sich das bei Ihnen bemerkbar?

Wir müssen den Hof vielleicht komplett umstrukturieren.

Das schließen Sie für sich selbst nicht aus?

Nein.

Also hat das Paket erheblichen Einfluss auch auf Menden?

Natürlich. In Menden gibt es noch fünf oder sechs Milchviehbetriebe und ich gehe davon aus, dass in den kommenden Jahren die Hälfte davon aufhören wird. Dann können wir unseren Kindern die Kühe im Zoo zeigen. Das ist eine grausige Vorstellung.

Was muss sich denn aus Ihrer Sicht ändern?

Zunächst einmal sollte sich der Verbraucher nicht das billige Steak aus Brasilien oder Argentinien auf den Teller legen. Die Molkereien sollten mehr zu ihren Landwirten stehen; es kann nicht sein, dass sie Preise aufrufen, bei denen Wasser teurer ist als die Milch. Momentan ist der Milchpreis etwas gestiegen, aber durch die zwei trockenen Jahre ist die Grundfutterversorgung mit Gras und Heu sehr knapp. Einige Betriebe müssen zukaufen, mitunter auch teuer hinzukaufen. Da wird die Wirtschaftlichkeit auch wieder in Frage gestellt.

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