Untersuchung läuft

Mendener Patienten sitzenlassen? Pflegedienst wird überprüft

Hat der Pflegedienst aus Werne bei seinem überstürzten Abschied aus Menden seine Pflegebedürftigen hier im Stich gelassen? Das wird jetzt überprüft.

Hat der Pflegedienst aus Werne bei seinem überstürzten Abschied aus Menden seine Pflegebedürftigen hier im Stich gelassen? Das wird jetzt überprüft.

Foto: Michael Kleinrensing

Menden/Werne.  Pflegebedürftige sollten sich binnen zwei Tagen einen anderen Dienst suchen: BKK-Landesverband nimmt Unternehmen aus Werne unter die Lupe.

Der Fall des in Werne beheimateten Pflegedienstes, der in Menden Ende August Knall auf Fall seinen Standort aufgegeben hat und dabei seine mehr als 30 Kundinnen und Kunden im Stich gelassen haben soll, wird jetzt von den Landesverbänden der Pflegekassen überprüft. Das bestätigte eine Sprecherin des BKK-Landesverbandes Nordwest in Essen auf Anfrage der WP. Die Landesverbände der Pflegekassen untersuchten, ob im Mendener Fall ein gesetzlicher oder vertraglicher Verstoß vorliegt – und ob Maßnahmen eingeleitet werden müssten.

Denn: „Der Versorgungsvertrag im Rahmen der sozialen Pflegeversicherung für zugelassene ambulante Pflegedienste beinhaltet, wie alle Verträge, Rechte und Pflichten der Vertragsparteien“, erklärte die Sprecherin. „Dazu gehört die Versorgungspflicht des Pflegedienstes gegenüber den Pflegebedürftigen.“ Für Verstöße sehe der Versorgungsvertrag „die Ergreifung verschiedener Vertragsmaßnahmen“ vor.

„Späte Reaktion“ eingeräumt

Unterdessen ist in Werne ein Zeitungsbericht erschienen, wonach die Inhaberin und Gründerin des Werner Pflegedienstes eine „späte Information“ der Pflegebedürftigen in Menden einräumt. Die Betreuung sei aber „durchgängig sichergestellt“ gewesen: Ihre Mitarbeiter in Menden seien „von einem anderen Pflegedienst übernommen“ worden, der die Betreuung fortgeführt habe.

Das sieht aus Sicht der ehemals Beschäftigten in Menden ganz anders aus. Nachdem zwei hiesige Mitarbeiterinnen ihre Kündigungen Ende August mit Frist zum Ende September eingereicht hatten, seien sie sofort vor die Tür gesetzt worden (die WP berichtete). Die Patienten seien dann nur zwei Tage vor der Schließung zum 1. September per Zettel im Briefkasten informiert worden – mit der Folge, dass ein Wochenende lang niemand da gewesen wäre, der sich um die Pflegebedürftigen kümmerte. Aus Verantwortungsgefühl hätten die bereits gekündigten Pflegerinnen dies dann übernommen.

Patienten sollen Pflegedienst suchen

In dem Brief des Pflegedienstes, den die Gekündigten ihren Patienten auch noch in die Briefkästen werfen mussten, stand wörtlich: „Sehr geehrte Patienten, aufgrund unvorhergesehener personeller Entwicklungen sind wir nicht mehr in der Lage, den Pflegedienst über den 31.08.2019 hinaus fortzuführen. Wir bitten Sie, sich ab dem 01.09.2019 einen neuen Pflegedienst zu suchen.“

Dies widerspricht also glatt den Angaben der Pflegeunternehmerin in der Werner Tageszeitung. Auch an der Tür des Büros, das der Pflegedienst bis dahin im Mendener Hansa-Seniorenwohnpark betrieben hatte, wies nur ein handgeschriebener Zettel kurzfristig auf das Aus hin. Die Leitung des Wohnparks nannte dieses Vorgehen des auswärtigen Unternehmens „unverantwortlich“, gleiches sagten Angehörige der offenkundig im Stich gelassenen Menschen.

Die Pflegedienst-Inhaberin, die für die WP nach dem Geschehen nicht zu erreichen war, erklärte am Hauptstandort Werne laut dem dortigen Zeitungsbericht, dass die „rein unternehmerische Entscheidung“, sich aus Menden zurückzuziehen, ohnehin zum Ende dieses Jahres hätte umgesetzt werden sollen. Man hätte den Dienst in Menden „nicht mehr in der gewohnten Qualität anbieten können“. Der Betrieb des ohnehin sehr kleinen Standortes Menden sei von Werne aus „sehr aufwändig“ gewesen.

Menden passte nicht

Den Fokus richte man nun auf die anderen Städte. Für diese Standorte gebe es „keine solchen Pläne“, erklärte die Gründerin, die in Werne 1998 startete und nach eigenen Angaben mittlerweile rund 180 Beschäftigte zählt. Sorgen bräuchten sich die Pflegebedürftigen und deren Angehörige in Werne und den anderen Standorten wie Hamm „keinesfalls zu machen“. Für die dortige Region gebe es sogar Ausbaupläne, da habe Menden „nicht ins Portfolio“ gepasst. Die Entscheidung gegen Menden sei auch eine Entscheidung für alle anderen Standorte gewesen.

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