Familienfreundlicher Betrieb

Mendener Unternehmen Schött unterstützt jedes Baby

Arbeitszeiten verändert: Julia Straz in der Produktion der Mendener Schött Druckguss GmbH, die jetzt als „Familienfreundliches Unternehmen" zertifiziert ist.

Arbeitszeiten verändert: Julia Straz in der Produktion der Mendener Schött Druckguss GmbH, die jetzt als „Familienfreundliches Unternehmen" zertifiziert ist.

Foto: Thomas Hagemann

Menden.  Die Mendener Schött Druckguss GmbH an der Siemensstraße hat vor kurzem das Prädikat „Familienfreundliches Unternehmen“ erhalten.

Christoph Hillebrand ist sichtlich stolz: Die Schött Druckguss GmbH an der Siemensstraße hat vor kurzem das Prädikat „Familienfreundliches Unternehmen“ erhalten, und Hillebrand war als Personalleiter maßgeblich daran beteiligt. Die WP will nun wissen: Was macht den Unterschied zu anderen Betrieben aus? Denn bisher ist diese Auszeichnung in Menden überhaupt nur vier Mal vergeben worden. Die Antworten sind überraschend.

Christoph Hillebrand holt jetzt weder eine lange Liste von Maßnahmen heraus – obwohl es die gibt –, noch will er anderen kluge Ratschläge erteilen, wie er sagt. „Es ist natürlich so, dass wir versuchen, unseren rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor allem in der Gesundheitsvorsorge und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf entgegenzukommen. Aber“, sagt der junge Personalchef, „das tun andere Betriebe auch. Viele reden nur nicht darüber.“

Attraktiv für Fachkräfte

Das sei aus seiner Sicht ein Fehler. Denn gerade dieses Siegel, verliehen von der „Agentur Mark“ nach einem Zertifizierungsprozess, könne eine echte Hilfe sein. Ob auf der Suche nach Fachkräften, für die das Prädikat „Familienfreundlich“ in der Stellenanzeige natürlich etwas zähle, oder im Verhältnis zur eigenen Belegschaft, die man an den Betrieb binden wolle. Nicht nur beim „Selbst-Check“ erfahre der Betrieb viel über sich selbst, wenn eine unabhängige Kommission Mitarbeiter, Betriebsrat und Geschäftsleitung zur Familienfreundlichkeit befrage.

Auch wenn das Siegel mit dem grünen Haken am Firmenstandort Menden noch ganz frisch ist: Hillebrand hat längst Erfahrung damit gesammelt. Denn Schött Druckguss gehört als eines von drei Standbeinen zur Sunderner SKS-Metaplast-Gruppe, und am Stammsitz gibt es diese Auszeichnung, die alle drei Jahre verlängert werden kann, schon länger.

Wie ist denn die Wirkung nach innen? „Den Kolleginnen und Kollegen wird tatsächlich die Schwellenangst genommen, sich bei Problemen an uns zu wenden“, beschreibt Hillebrands die wichtigste Erfahrung. Heute kämen Beschäftigte mit den einleitenden Worten „Wir sind doch ein familienfreundlicher Betrieb...“ durch seine Tür. Wegen Kinkerlitzchen erscheine kaum jemand. „Nein, meist sind es gravierende Probleme, die mit Vereinbarkeit zu tun haben. Da ist es gut, davon zu wissen.“ Umgekehrt: Wem geholfen wird, fühle sich stärker zugehörig als zuvor.

Bestätigen können das Julia Straz und Janina Manzei. Die beiden jungen Frauen hatten ganz unterschiedliche Probleme, mit denen sie bei Schött auf offene Ohren stießen, wie sie erzählen. „Als ich noch alleinerziehend war, hatte ich ein Riesenproblem damit, das Kind zur Schule zu bringen und abzuholen“, sagt Julia Straz, die in der Produktion arbeitet. Da ist Schichtdienst angesagt, mit üblicherweise eher starren Zeiten. „Mir ist es aber ermöglicht worden, die Arbeit und die Kindererziehung unter einen Hut zu bekommen“, sagt Julia Straz.

Am Anfang ist Beratung wichtig

Ihre Kollegin Janina Manzei, die im Vertrieb tätig ist, wollte nach zwei Jahren Elternzeit zurück in den Beruf – und erlebte eine angenehme Überraschung: „Ich wurde gefragt, welche Arbeitszeiten mir denn am besten passen würden“, berichtet die junge Mutter. Sie entschied sich für 20 Wochenstunden in Gleitzeit, „damit kommt die Familie jetzt gut klar“.

Christoph Hillebrand kennt indes auch Anfragen, in denen es um häusliche Pflege betagter Eltern geht, manchmal Knall auf Fall. „Da geht’s gerade am Anfang vor allem um gute Beratung.“ Dafür zieht er die Pflegemappe des Märkischen Kreises heran. Die ist bestückt mit Infos und Anlaufstellen und steht allen Unternehmen im MK zur Verfügung. „Das hilft wirklich weiter.“

In Sundern eigener Fitnessraum

Dann ist da die Liste der Angebote an die Belegschaft. Dazu zählen Gesundheitswochen mit verschiedenen Krankenkassen, in denen es im Betrieb mal um Ernährung, mal um die Lunge, mal um den gesunden Rücken geht. Wer als Schött-Werker ins Fitnessstudio geht, bekommt ab 70 Trainingsstunden im Jahr die Hälfte der Kosten erstattet. Montags erscheint ein eigener Fitnesstrainer an die Siemensstraße. Dessen Übungen nach Feierabend im Pausenraum würden gut angenommen, sagt Hillebrand. „In Sundern haben wir einen eigenen Fitnessraum, der kostenlos und ganz oft ausgebucht ist“ – die Buchung der Geräte erfolgt dort übers betriebsinterne Netz.

Sport ist aber nicht alles: Schött Druckguss will ab 2020 auch die Ferienbetreuung der Kinder von Mitarbeitern finanziell unterstützen, mit fünf Euro pro Kind und Tag. Sogar zur Geburt gibt’s hier einen kleinen Zuschuss.

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