Stefan Sommer geht

Mendener Wirtschaft: Warmer Abschied mit kalter Abrechnung

Mitglieder des IMW-Beirats am Donnerstagabend nach der Verabschiedung von Ex-WSG-Geschäftsführer Stefan Sommer (Mitte). Links der langjährige Beirats-Vorsitzende Rüdiger Scholz, rechts IMW-Vorstandssprecher Andreas Wallentin. 

Mitglieder des IMW-Beirats am Donnerstagabend nach der Verabschiedung von Ex-WSG-Geschäftsführer Stefan Sommer (Mitte). Links der langjährige Beirats-Vorsitzende Rüdiger Scholz, rechts IMW-Vorstandssprecher Andreas Wallentin. 

Foto: Thomas Hagemann

Menden.  Stefan Sommer, Ex-Wirtschaftsförderer der Stadt, wird von der Wirtschaft herzlich verabschiedet. Die Politik dagegen greift der IMW scharf an.

Es war schon ein sehr besonderer Abschied, den Stefan Sommer, langjähriger Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft WSG am Donnerstag im Beirat des Initiativkreises Mendener Wirtschaft erfuhr: herzlich und mit Standing Ovations für seine Person, und zugleich knallhart mit denen, die für Sommers Ablösung vor einem Jahr gesorgt hatten. Derartige Töne hat man von dem Wirtschaftsverband, der 280 Mendener Unternehmen, Institutionen und Vereine vertritt, lange nicht gehört.

Scholz: „Beschämender Umgang“

„Für die Art und Weise, wie mit Dir umgegangen wurde, habe ich mich geschämt. Ich habe hier erstmals gelernt, was Fremdschämen bedeutet“, sagte der Beiratsvorsitzende Rüdiger Scholz zu Sommer. Nach 15 Jahren als WSG-Geschäftsführer sei Sommer dort von niemandem verabschiedet worden. Weder aus der Stadtverwaltung noch aus der neuen WSG habe der Erfinder des Menden-Gutscheins und zahlloser Veranstaltungen auch nur ein Wort des Dankes gehört, sagte IMW-Vorstandssprecher Andreas Wallentin. Und das, obwohl alle Prüfungen Sommer auch im Nachhinein ein untadeliges Verhalten bescheinigt hätten. Gleiches gelte für die langjährige Prokuristin Bianca Wirths, mit der er ein schlagkräftiges Team gebildet habe.

Keine Wirtschaftsförderung mehr

In seiner Funktion als WSG-Geschäftsführer habe sich Sommer auch im IMW-Beirat verdient gemacht, sei im Ehrenamt das Scharnier zu Politik und Verwaltung gewesen, in jeder Sitzung und zahlreichen Arbeitskreisen. Rüdiger Scholz stellte fest, dass sich mittlerweile bewahrheitet habe, was der IMW im Zuge der Auseinandersetzung um die Nichtverlängerung der WSG-Verträge von Sommer und Wirths vorhergesagt hatte: „Seit einem Jahr haben wir keine Wirtschaftsförderung mehr in Menden. Das war eine krasse Fehlentscheidung.“ Andreas Wallentin pflichtete ihm bei: Man sage das ohne Häme und Rechthaberei, sondern nachdenklich und besorgt.

Mit Sommer und Wirths hätten viele jetzt unterbrochene Aktivitäten weiterlaufen können, man hätte Zeit zur Vorbereitung der Neuerungen gehabt. Dafür hatte der IMW der Politik vorgeschlagen, die Verträge der Geschäftsführung wenigstens bis 2020 zu verlängern. Stattdessen war für Sommer und Wirths im Frühjahr 2019 Schluss.

Dies, nachdem die Spitzen von CDU und SPD diesen Vorstoß in nichtöffentlicher Ratssitzung ohne Rücksprache mit dem IMW und gegen die Stimme des Bürgermeisters unternommen hatten.

Aus Protest dagegen stellte die damalige Aufsichtsrats-Vorsitzende der WSG, Annette Rossin-Kehne, ihr Amt zur Verfügung und trat aus der CDU aus. Sie ist bis heute fraktionsloses Ratsmitglied.

Unbefangenheit ist weg

Stefan Sommer selbst schilderte in seiner kurzen Dankesrede vor dem Gremium, dass er diesen Rückschlag, den er als Rausschmiss empfunden habe, auch gesundheitlich nur schwer habe verkraften können. Der Weggang von Simone Korte aus dem Mendener Stadtmarketing nach Iserlohn resultiere aus der Unmöglichkeit einer Zusammenarbeit mit den jetzigen Köpfen der WSG: „Die Iserlohner haben sie mit Kusshand genommen. Klar, die haben jetzt eine Top-Marketingfrau.“

Was ihn selbst angehe, sagte Sommer nach der Veranstaltung, so könne er nicht mehr unbefangen durch die Mendener Innenstadt gehen, etwa bei Veranstaltungen wie dem Bayrischen Picknick am heutigen Samstag, das er maßgeblich mit auf den Weg gebracht hatte. Eine Verabschiedung durch die Werbegemeinschaft Menden habe es nicht gegeben.

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