Zankapfel Klimawandel

Mendens Wetterexperte widerspricht „Klimaleugner“ Vahrenholt

Mit Flächenbränden auf ausgedörrten Feldern hatte es die heimischen Feuerwehren in den letzten beiden Sommern vermehrt zu tun. Aus Peter Friedrichs Sicht ist das kein Zufall.

Mit Flächenbränden auf ausgedörrten Feldern hatte es die heimischen Feuerwehren in den letzten beiden Sommern vermehrt zu tun. Aus Peter Friedrichs Sicht ist das kein Zufall.

Foto: Alex Talash

Menden.  Peter Friedrich nimmt auf der Internetseite „Mendenwetter“ kritisch Stellung zum Vahrenholt-Interview „Hört auf, den Kindern Angst zu machen“.

Der Mendener Peter Friedrich ist ein höchst verträglicher Mensch – doch das jüngste WP-Interview mit dem ehemaligen Hamburger Umweltsenator Fritz Vahrenholt („Hört auf, den Kindern Angst zu machen“) macht ihn wütend, wie er der WP jetzt erklärte.

Auch der Zeitung nehme er übel, dass sie einem „Klimaleugner“ wie Vahrenholt so viel Platz eingeräumt habe. Auf seiner Internetseite nimmt Peter Friedrich dazu einen Faktencheck zum letzten Satz des Interviews vor. Der lautet: „Immerhin geht die Temperatur seit 2016 zurück.“ Der Mendener dazu: „Es ist richtig. Die globale Temperatur hat nach einem schnellen Anstieg in den Vorjahren einen Knick nach unten gemacht. Das ist eine gute Nachricht. Vermutlich haben wir es aber mit einem Ausreißer zu tun. Trotz allem war 2018 global das viertwärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn. In Deutschland sieht es etwas anders aus. Hier war 2018 das wärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn. So viel zu den Fakten.“

99 Prozent der Klimaforscher einig

Laut Friedrich gibt es „überhaupt keinen Grund, an den Aussagen von circa 99 Prozent aller Klimaforscher zur Klimakrise zu zweifeln. Die Bundesregierung hat die frühere Aussage, 97 Prozent der Fachwissenschaftler sähen den menschengemachten Klimawandel als erwiesen an, vor einigen Monaten auf 99 Prozent korrigiert“, erklärt Friedrich. Und nennt Parameter wie das Auftauen des Permafrosts in den Bergen und der Tundra, den Anstieg des Meeresspiegels, der deutlich stärker ausgefallen sei als vorhergesagt, oder die zusätzlichen Gefahren durch das immer wärmere Meerwasser.

CO2-Bepreisung „richtig“

Die Thesen von Vahrenholt seien von Klimawissenschaftlern immer wieder auseinandergenommen worden. „Viele Details sind auf der Wikipedia-Seite mit seinem Namen nachzulesen.“ Von den 500 „Wissenschaftlern“, die mit ihm gemeinsam gegen den „Klimaalarm“ auftreten, seien demnach nur zehn tatsächlich Klimawissenschaftler. Friedrich: „Ich gehöre sicher nicht zu den Panikmachern. Wir haben allerdings mindestens dreißig Jahre lang zu wenig getan, um die schädlichen Klimagase zu reduzieren. So lange liegen die Fakten eigentlich auf dem Tisch. Ich glaube aber auch, dass es falsch ist, Maßnahmen jetzt über das Knie zu brechen. Fast alle Verantwortlichen haben den Ernst der Lage erkannt. Das Bewusstsein bei den Bürgern ist geschärft. Die meisten Menschen machen sich Gedanken, wie sie ihre CO2-Bilanz verbessern können. Dass CO2 einen Preis bekommt, ist selbstverständlich richtig. Die Menschen nicht zu überfordern, sicherlich auch.“

Er könne die Kritik an der Bundesregierung für ihr zögerliches Klimapaket ebenso verstehen wie die Bundeskanzlerin, die die Bürger „mitnehmen“ wolle. Doch ihn ärgerten Leserbriefe „von absoluten Banausen, die behaupten, das Klima habe sich schon immer verändert (was natürlich stimmt) und das Gerede von der menschengemachten Klimakrise sei Panikmache (was, wie eigentlich jeder weiß, nicht stimmt).

Das Vahrenholt-Interview empfinde er als fast unerträglich, da nirgends deutlich gemacht werde, dass er „ein absoluter Außenseiter“ sei. Seine Thesen fielen aber „bei den vielen Ignoranten dieses großen Menschheitsproblems auf fruchtbaren Boden“.

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