Auf der Autobahn

Trucker aus Menden erzählt, wie er ein Leben rettete

Mutiger Lebensretter: Der Mendener Lastwagen-Fahrer Frank Simon (rechts) wird von Ministerpräsident Armin Laschet mit der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

Mutiger Lebensretter: Der Mendener Lastwagen-Fahrer Frank Simon (rechts) wird von Ministerpräsident Armin Laschet mit der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

Foto: Land NRW

Menden.  Als ein Motorradfahrer von einem Autofahrer von der Spur gefegt wird, handelte Trucker Frank Simon blitzschnell – und wird so zum Lebensretter.

Der Autofahrer zog von der linken Überholspur einfach auf die mittlere Fahrbahn rüber, ohne den Motorradfahrer neben ihm zu beachten. Als der Zweiradfahrer stürzte, wurde Frank Simon, der im Lastwagen hinter dem Unfallopfer fuhr, zum Lebensretter. Dafür wurde der Mendener nun mit der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

Frank Simon handelt geistesgegenwärtig

Frank Simon fährt beruflich viel auf Autobahnen in Deutschland und ganz Europa. An jenem 16. April des vergangenen Jahres war der Lkw-Fahrer gerade für eine Mendener Spedition auf der A 3 in der Nähe der Anschlussstelle Bad Camberg in Hessen unterwegs. Der 49-Jährige beobachtete, wie der Motorradfahrer, der sich vor ihm auf der mittleren von drei Fahrspuren befand, von einem Auto, das auf der linken Spur fuhr, touchiert wurde.

Autofahrer übersieht Motorrad

„Der Autofahrer hat den Motorradfahrer wohl übersehen“, erzählt Frank Simon im Rückblick. Der Motorradfahrer rutschte über die rechte Fahrspur in Richtung Seitenstreifen und blieb zwischen der rechten Spur und dem Seitenstreifen liegen. Eine lebensgefährliche Situation, da weitere Fahrzeuge in Richtung des verunglückten Mannes rasten.

Frank Simon handelte geistesgegenwärtig. Er bremste sofort seinen Lkw ab, „und dann habe ich meinen Lastwagen quer über die rechte Spur und den Standstreifen gestellt“, sagt der Mendener. Auf diese Weise konnte er den nachfolgenden Verkehr um den am Boden liegenden Motorradfahrer herumleiten. Dass dieses Manöver auch für ihn selbst nicht ganz ungefährlich war, „darüber habe ich nicht nachgedacht. Ich wollte einfach verhindern, dass jemand in den Motorradfahrer reinfährt.“

Andere Unfallzeugen riefen in der Zwischenzeit Polizei und Notarzt. Nachdem er seinen Lastwagen quer geparkt hatte, stieg Frank Simon aus, um dem Motorradfahrer Erste Hilfe zu leisten: „Ich habe ihn in die stabile Seitenlage gelegt“, erinnert er sich. Als Berufskraftfahrer macht er regelmäßig Fortbildungen, so dass er intuitiv genau das richtige tat.

„Zum Glück war er beweglich, bis auf die Hüfte“, berichtet Frank Simon. Schließlich konnte er den Verletzten an die eintreffenden Rettungskräfte übergeben. Später stellte sich heraus, dass die Hüfte des Mannes geprellt war, zudem hatte er etliche blaue Flecken und musste einige Tage im Krankenhaus bleiben.

Suche nach Schutzengel

Viel später, als der Motorradfahrer wieder fit war, suchte dieser über die Polizei nach seinem Schutzengel. „Er hat mich zu einem Dankeschön-Essen eingeladen“, erzählt Frank Simon gerührt. Auch mehrere kleine Geschenke hatte der Zweiradfahrer dabei, darunter auch ein T-Shirt mit dem Aufdruck „The Best Trucker“.

Vor drei Monaten schließlich flatterte eine Einladung in den Briefkasten von Frank Simon – zur Auszeichnung mit der Rettungsmedaille durch Ministerpräsident Laschet. „Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet“, erklärt Frank Simon. Die Polizei habe ihn wohl für die Auszeichnung vorgeschlagen.

Am Mittwochabend wurde Frank Simon die Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen im Deutschen Sport- und Olympiamuseum in Köln verliehen. Insgesamt erhielten 20 Bürger die Rettungsmedaille an diesem Abend. Begleitet wurde der Mendener von seiner Mutter Ursula Turnhöfer und vom Ersten Beigeordneten der Stadt Menden, Sebastian Arlt (in Vertretung des Bürgermeisters). „Das war schon ein ganz besonderer und sehr aufregender Moment“, erzählt der 49-Jährige. „Ich habe mit schwitzigen Händen und Schweißperlen auf der Stirn da gestanden.“

Weitergefahren „mit zittrigen Knien“

Was hat Frank Simon eigentlich damals gemacht, nachdem er als Ersthelfer von den Rettungskräften abgelöst worden war? „Ich habe der Polizei genau berichtet, was passiert ist“, erinnert sich Frank Simon. Und dann? „Na ja, dann ich bin weitergefahren – mit ein bisschen zittrigen Knien“, sagt Frank Simon. „Ich musste ja meinen Job erledigen.“

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