Kostenfalle

Zehn Prozent Gebühr für Münzwechsel an Automaten bei Real

Kunden müssen an Geldwechselautomat bei Real 9,9 Prozent Gebühr zahlen. Ein Kunde hält ein Flugblatt von Coinstar.

Kunden müssen an Geldwechselautomat bei Real 9,9 Prozent Gebühr zahlen. Ein Kunde hält ein Flugblatt von Coinstar.

Foto: Arne Poll

Menden.   Wer am Coinstar-Automaten bei Real in Menden Münzen eintauschen will, muss mit satten Gebühren rechnen. Ganz gratis machen es auch Banken nicht.

Es klimpert im Münzfach des Automaten. Es dauert vielleicht zwei oder drei Minuten, da hat der „Coinstar“ alles Geld verschluckt und einen Kassenbon ausgespuckt. Der „Barwert“ entspricht nicht dem, was die Kundin hineingeworfen hat. Der Anbieter behält 9,9 Prozent Bearbeitungsgebühren ein. Die Supermarktkette Real und der britische Anbieter ­Coinstar werben gemeinsam für den Service. Der Bon lässt sich bei Real mit dem Einkauf verrechnen oder in Scheinen auszahlen.

Abzocke will Real nicht erkennen. Das Unternehmen kooperiert nicht nur in Menden, sondern deutschlandweit mit dem Automatenaufsteller, der nach eigenen Angaben in den 90er Jahren in den USA die Idee für die Aufstellung der Automaten hatte. Negative Reaktionen seien ihr nicht bekannt, sagt eine Sprecherin des zum Metro-Konzern gehörenden Unternehmens auf Nachfrage: „Auch Banken nehmen mittlerweile Gebühren.“ Die Bearbeitungsgebühren seien normal. Coinstar lässt eine Anfrage der Redaktion zur Auslastung des Mendener Automaten unbeantwortet.

Werbespruch wird weiter genutzt

Kunden erfahren erst, nachdem sie einen Vorgang gestartet haben, allerdings bevor sie das Geld einwerfen, die Höhe der Gebühren. Die Aussage ist klar genug für Verbraucherschützer, die sich aber an etwas anderem störten: Der Werbeslogan „Tauschen Sie Ihre Münzen gegen Bargeld ein“ sei irreführend hieß es, weil die Kunden strenggenommen nur einen Gutschein zum Einlösen bekommen. Das Unternehmen kündigte gegenüber unserer Mediengruppe im vergangenen Herbst an, auf die Werbung in dieser Form verzichten zu wollen. In Menden wird allerdings weiter auf Flugblättern damit geworben.

„Die Höhe der Gebühren ist nicht angemessen“, sagt Thomas Pätzold von der Mendener Bank auf Nachfrage. Erstaunt sein dürfe man aber nicht, weil der Service ja letztlich das alleinige Geschäftsmodell des Automatenaufstellers sei. Dieser muss die Technik, Logistik und Wartung finanzieren.

Sparkasse nimmt ab 50 Euro Geld

Auch die heimischen Banken bieten den Münzwechsel-Service nicht mehr gänzlich kostenlos an: Die Sparkasse nimmt bei Privatkunden für Münzeinzahlungen ab 50 Euro Gesamtwert zwei Prozent Gebühren. Unter 50 Euro ist die Einzahlung kostenlos. Man kann auch mehrere Unter-50-Euro-Einzahlungen nacheinander tätigen.

„Privatkunden zahlen bei uns noch nichts“, sagt Thomas Pätzold mit Blick auf die Mendener Bank. Die Regelung gelte auch für karitative kirchliche Einrichtungen und Vereine. Wobei die Betonung auf „noch“ liege. „Es kostet uns einen enormen Aufwand“, erklärt Pätzold: „Zeit und Muskelkraft.“ Jeder Münzsack wiegt 15 Kilo und müsse erst einmal eingelagert werden.

Bundesbank spricht von „Bargeld-Entsorgung“

Gleichzeitig müsse die Bank auch für die sogenannte Bargeld-Entsorgung (heißt wirklich so!) bei der Bundesbank bezahlen. Im Moment werde dieser Betrag noch nicht an die Kunden weitergegeben. Lediglich mit Geschäftskunden gebe es eine individuelle Vereinbarung über die Gebühren. Für Kinder soll die Münzeinzahlung auch weiter kostenfrei bleiben, verspricht Pätzold. Er rät zum Beispiel zur Einzahlung im Rahmen des Weltspartags am 30. Oktober.

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