Jubiläum

1150 Jahre Stift Meschede: Warum uns das stolz machen sollte

Die Walburga-Kirche ist die älteste Ein-Turm-Anlage jenseits der Alpen und  war bei ihrer Gründung 870 die Stiftskirche eines ehemaligen Damenstifts. Jetzt wird das Jubiläum gefeiert.

Die Walburga-Kirche ist die älteste Ein-Turm-Anlage jenseits der Alpen und war bei ihrer Gründung 870 die Stiftskirche eines ehemaligen Damenstifts. Jetzt wird das Jubiläum gefeiert.

Foto: kath. Kirchengemeinde Meschede-Bestwig

Meschede.  Mit dem Jahr 870 ist die Gründung des Damenstiftes Meschede verbrieft. Die Stadt erwartet ein Jubiläumsjahr mit vielen Höhepunkten.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ein besonderes Jubiläumsjahr steht Meschede bevor - mit vielen Vorträgen, Ausflügen und Konzerten. Start ist schon am Samstag, 23. November mit mit den Jubiläumsfeierlichkeiten zum 100-Geburtstag des Stifts-Chores. Ein Blick zurück, der stolz machen kann, auf die lange und bedeutungsvolle Geschichte von Kirche, Stift und Stadt mit Ausblicken in die Zukunft.

1150 Jahre Stift Meschede ist ein ungewöhnliches Jubiläum. Warum ist es trotzdem wert gefeiert zu werden?

Pfarrer Michael Schmitt: Was ist daran ungewöhnlich? Wir feiern sonst auch Jubiläen in 25er- oder 50er-Schritten. Auf 1150 Jahre Glaubens-und Kirchengeschichte können wir doch wahrlich stolz sein. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Vom Stift Meschede aus gibt es über Jahrhunderte verbriefte Beziehungen in fast alle Orte des Pastoralen Raums. Zur Stärkung der Gemeinschaft finde ich es wichtig, solch große Jubiläen auch gemeinsam zu feiern. Und auch als Stadt tut es uns gut, auf unsere geschichtliche Bedeutung hinzuweisen. Meschede hat bei den Bombenangriffen weite Teile seines historischen Gedächtnisses verloren. Da können wir froh sein, dass uns wenigstens die Walburga-Kirche erhalten geblieben ist, und das nicht nur als Museum, sondern als Zeugnis des Glaubens, das von Betenden und Touristen gleichermaßen besucht wird.

Sie haben sich als „Auswärtiger“ in die Geschichte der Kirche „reingearbeitet“ - was begeistert Sie besonders daran?

Eine lange Geschichte fasziniert mich schon immer. Und die hat die Kirche mit dem Walburga-Grab, der Ringkrypta und vor allem mit der ältesten Ein-Turm-Anlage nördlich der Alpen und dem einflussreichen Damenstift vorzuweisen. Schon lange bevor es Thema wurde, dass ich nach Meschede gehen sollte, hat mich der damals schon blinde Pfarrer Robert Beule noch durch die Kirche geführt. Ich habe dann später die Ausgrabungsberichte gelesen. Dann lässt sich das alles besser einordnen.

Jetzt feiert erst mal der Stifts-Chor sein Jubiläum. Glaube und Gesang gehören zusammen?

Ja, das zeigt auch die aktuelle Umfrage zu den Dialogabenden, Musik ist wichtig und hat auch in der langen Geschichte des Stifts immer eine Rolle gespielt. Das bezeugen nicht zuletzt die 136 Tonkrüge, die im 9. Jahrhundert in die Kirche eingemauert wurden. Sie sollten Stimme und Gesang zum Klingen bringen. Heute stehen sie im Britischen Museum in London und im Berliner Neuen Museum auf der Museumsinsel sogar in Nachbarschaft der Nofretete. Da wird man schon ein wenig ehrfürchtig. Auch die erste Orgel im Sauerland ist 1447 in Meschede bezeugt. Ob und wie die Stiftsdamen ab dem 9. Jahrhundert gesungen haben, das kann vielleicht der Vortrag von Professor Dr. Stefan Klöckner am 23. November erhellen.

Was ist ihr persönlicher Höhepunkt im Jubiläumsjahr?

Oh, da gibt es viele. Die „elfeinhalb Vorträge“ sind jeder für sich hörenswert. Daneben starten die Predigten zum Hitda-Codex, dem Hauptwerk der Kölner Buchmalerei, das extra für Meschede geschaffen wurde und das heute in Darmstadt liegt, Mittwoch, 4. Dezember. Dazu wird jeweils das passende Bild des Evangeliars gezeigt. Ich freue mich aber auch auf die Besuche am Walburga-Schrein, zu denen auch Kindergärten, die Walburga-Schulen und die Frauengemeinschaft kommen. Und natürlich auch auf den Höhepunkt: den Stiftsmarkt mit Stadtfest im September, zu dem wir als Aussteller allein 20 Klöster erwarten.

Reicht dieser Blick in die Geschichte und muss man nicht mehr den Blick auf die aktuellen Probleme von Kirche und Glauben richten?

Das tun wir. Denn auch dazu geben viele Vorträge Hinweise. So lautet zum Beispiel das Thema von Prof. Dr. Matthias Wemhoff aus Berlin: „Ein karolingisches Damenstift als Impulsgeber für die Gegenwart? Warum es sich lohnt, das Jubiläum zu feiern“. Zum Jubiläum öffnet sich die Gemeinde ganz bewusst. Es gibt viele Kooperationen: unter anderem mit der Siedlergemeinschaft Hünenburg, dem Lions-Club, mit dem Heimatbund, dem Café PAN, der Frauengemeinschaft und den Soroptimistinnen. Ich wünsche mir, dass mit dem Festjahr die Bedeutung von Stadt und Kirche bei den Meschedern selbst, aber auch weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannter wird.

Das Programmheft liegt ab dem kommenden Wochenende in den Kirchen und in den Touristbüros aus. Die Termine finden sich auch unter www.katholische-kirche-meschede-bestwig.de

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben