A46

Die A46 in Bestwig: Ein Traumjob für jeden Fahrbahnmarkierer

Applikateur Kevin Kleiner bringt die Markierung auf der Talbrücke Nuttlar auf.

Applikateur Kevin Kleiner bringt die Markierung auf der Talbrücke Nuttlar auf.

Foto: Frank Selter

Nuttlar/Bestwig.  Die Firma Hitzblech bringt die Markierungen auf der neuen A46 in Bestwig auf. Es gibt gute Gründe, warum die Männer den Job so genießen.

Ach, wenn doch nur jeder seiner Einsatzorte so wäre wie dieser: Kevin Kleiner gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er vom neuen Teilstück der A 46 in Bestwig spricht. Der 37-Jährige ist Applikateur und gemeinsam mit seinen Kollegen zuständig für das Aufbringen der Fahrbahnmarkierungen.

„Hier kann ich meinen Job wirklich genießen“, sagt er und sein Chef Winfried Hagen, Geschäftsführer der Firma Hitzblech, muss lächeln. Dass Kevin Kleiner bei der Arbeit die Vögel zwitschern hört, kommt nicht oft vor. In der Regel erledigt er seinen Job, wenn 40 Tonner an ihm vorbeibrettern. Über das, was er schon auf Autobahnbaustellen neben dem fließenden Verkehr erlebt hat, könne er inzwischen ein Buch schreiben, sagt Kleiner.

Konzentration ist wichtig

Schimpfende Autofahrer seien dabei noch das kleinste Problem. Daran habe er sich gewöhnt – an Flaschen und andere Gegenstände, die nach ihm geworfen werden, nicht. Lärm, Stau, Beschimpfungen, stinkende Abgase – all das gibt es auf der neuen Autobahn in Bestwig noch nicht. Und das weiß Kleiner ebenso zu schätzen, wie sein Chef Winfried Hagen. „Hier kann man sich voll und ganz auf die Arbeit konzentrieren“, sagt Hagen, während im Kevin Kleiner mit einem Nicken zustimmt.

Und Konzentration ist wichtig, wenn die Mitarbeiter der Firma Hitzblech die Markierungen aufbringen. Jeder noch so kleine Schlenker hätte fatale Folgen. Denn einmal aufgebracht, lässt sich die Markierung nur durch Abfräsen wieder entfernen. Das Wort Farbe hört Winfried Hagen in diesem Zusammenhang übrigens gar nicht gern, weil es schlicht falsch ist.

Wie ein Streuselkuchen

Der Experte spricht von Zweikomponenten-Kaltplastik als Agglomerat oder – ein bisschen einfacher – von einer Strukturmarkierung, die nachts auch bei Nässe sichtbar sein wird. Dafür werden zum einen winzige Glasperlen in die Masse eingemischt. Zum anderen hat die Markierung eine Struktur, die ein bisschen an Streuselkuchen erinnert: Sie ist bewusst nicht komplett deckend, weil sich damit das Wasser seinen Weg sucht und nicht auf der Markierung stehen bleibt. „Unter Wasser stehende Markierungen leuchten nämlich nicht“, erklärt Winfried Hagen.

Arbeit ohne Zeitdruck

Um die Markierung auf den Asphalt aufzubringen, muss die Fahrbahn nicht nur trocken, sondern vor allem auch sauber sein. Auch das ist in Bestwig kein Problem. Denn außer den Fahrbahnmarkierern und den Schutzplankenbauern ist auf der Strecke kaum noch jemand unterwegs, um dort zu arbeiten. „Hier haben wir auch bei Neubauten schon ganz andere Sachen erlebt“, sagt Hitzblech-Geschäftsführer Winfried Hagen. Schwierig werde es vor allem dann, wenn parallel noch Erdarbeiten laufen. Die sind entlang der A46 in Bestwig allerdings längst erledigt – zumindest in den Bereichen, auf die es für die Firma Hitzblech ankommt.

Was die Baustelle für Winfried Hagen außerdem noch äußerst attraktiv macht: Es gibt keinen Zeitdruck. Bis zur Freigabe des Teilstücks für den Verkehr am 18. November gibt es zwar noch eine Menge zu tun - allerdings nichts was, Hagen aus der Ruhe bringt. „Man muss wirklich sagen, dass das hier die Crème de la Crème ist“, sagt der Geschäftsführer und lobt den Landesbetrieb für seine Planungen.

Klare Vorgaben

Derweil setzt sich Kevin Kleiner auf den Sitz der Markierungsmaschine und beginnt auf der Talbrücke Nuttlar mit der Arbeit. Schließlich muss das gute Wetter genutzt werden. Während die Sonne vom wolkenlosen Himmel scheint, ist unter anderem der Standstreifen in Richtung B480 dran. Dafür gibt es klare Vorgaben – ebenso wie für alle anderen Markierungen.

Als Experte hat Winfried Hagen sie natürlich im Kopf. Der Streifen für die Standspur ist 30 Zentimeter, jeder Mittelstreifen 15 Zentimeter breit. Der Abstand zwischen den sechs Meter langen Mittelstreifen beträgt 12 Meter. Das ist auf der A45 im Ruhrgebiet nicht anders, als auf der A46 in Nuttlar. Nur, dass die Arbeit im Sauerland momentan mehr Spaß macht.

Hoffnung nicht aufgeben

Sechs Jahre werden die Markierungen auf dem neuen Autobahnteilstück im besten Fall ihren Zweck erfüllen. Wenn die Applikateure dann wieder ranmüssen, wird die Baustelle auf der A46 eine sein, wie die meisten anderen - mit blinkenden Warnbaken und rauschendem Verkehr nebenan. Aber vielleicht ja immerhin ohne schimpfende Autofahrer. Kevin Kleiner gibt jedenfalls die Hoffnung nicht auf, dass Auto- und Lkw-Fahrer bis dahin verstanden haben, dass er seinen Job nicht macht, um sie zu ärgern, sondern um ihre eigene Sicherheit zu erhöhen.

  • Unter der Geschäftsführung von Dipl.-Ing. Winfried Hagen sind insgesamt 180 Mitarbeiter an den fünf Standorten in Werdohl, Saerbeck, Lustadt, Liebenau und Wardenburg beschäftigt.
  • Das Einzugsgebiet erstreckt sich von Hamburg bis zum Bodensee und damit quasi über den kompletten Westen Deutschlands.
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