Hospizdienst

Die letzten Tage eines Lebens: Hospizmitarbeiter erzählen

16 Sterbebegleiterinnen engagieren sich beim Hospizdienst Schmallenberger Sauerland. Einige von ihnen sind auf diesem Bild zu sehen. Der Sterbeprozess geht oft auch den Ehrenamtlern nahe.  

16 Sterbebegleiterinnen engagieren sich beim Hospizdienst Schmallenberger Sauerland. Einige von ihnen sind auf diesem Bild zu sehen. Der Sterbeprozess geht oft auch den Ehrenamtlern nahe.  

Foto: Hospizdienst

Schmallenberg.  „Mit aushalten, wo manchmal nichts mehr zu tun ist“: Sterbebegleiter aus Schmallenberg erzählen von Herausforderungen und ihrer Arbeit.

Sterben ist mehr als das Versagen der Organe am Ende eines Lebens. Sterben ist ein Abschiedsprozess. Das wissen die Mitarbeiterinnen des Ambulanten Hospizdienstes Schmallenberger Sauerland ganz genau. Sie begleiten Menschen ab dem Zeitpunkt einer tödlichen Krankheitsdiagnose, in ihren letzten Tagen, sind aber auch für Angehörige da. „Die Angehörigen und Betroffenen bestimmen dabei den Weg. Die Sterbebegleiterinnen fügen sich ein“, sagt Christine Knape. Sie ist die Koordinatorin des Hospizdienstes, teilt die Zeiten der Mitarbeiterinnen ein und schaut, wo Hilfe benötigt wird. „Der Dienst ist für uns alle eine Herzensangelegenheit“, sagt sie. „Und es geht nicht immer nur um Tod und Sterben. Oft ist unsere Begleitung sehr nah am Leben. Denn vor dem Tod kommen viele Erinnerungen oder schöne Momente zur Sprache.“

Begleitung in der letzten Lebenszeit

Seit mittlerweile 17 Jahren gibt es den Hospizdienst für das Stadtgebiet - „so etwas fehlte in der Region“, sagt Knape. Aktuell engagieren sich 16 Sterbebegleiterinnen ehrenamtlich im Verein. Für niemanden ist der Dienst leicht - „aber unglaublich wichtig“, betont die Zweite Vorsitzende Stephanie Kotthoff. Auch sie begleitet Menschen in ihrer letzten

Lebenszeit. Überwiegend sind die Ehrenamtler auf der Palliativstation oder in Senioreneinrichtungen im Einsatz, auch eine Begleitung über längere Zeit ist bei Betroffenen möglich. „Im häuslichen Bereich bieten wir ebenfalls Begleitung an, das wird im Stadtgebiet allerdings nur selten angenommen.“

30 intensive Betreuungen pro Jahr

Warum? Das können sich die Vorstandsmitglieder auch nicht so recht erklären. „Vielleicht liegt es daran, dass die familiären Strukturen hier noch stärker verankert sind. Für manche ist es auch schwierig in so einer Situation fremde Personen ,reinzulassen’“, sagt Peter Miebach vom Hospizdienst. Insgesamt betreuen die Sterbebegleiter zwischen 22 und 30 Sterbende pro Jahr. „Das sind die intensiveren Begleitungen“, erklärt Knape.

Dazu kommen Patienten, die wöchentlich auf der Palliativstation und in Senioreneinrichtungen besucht werden.

All’ das stemmen sie ehrenamtlich, der Verein finanziert sich über Spenden. Die Sterbebegleiter arbeiten in kleinen Gruppen als Bereitschaftsdienst. „So erfolgt die Einteilung individuell“, sagt Knape.

Dankbarkeit immer zu spüren

Der Sterbeprozess geht oft auch den Ehrenamtlern nahe. „Es ist keine oberflächige Begegnung. Manchmal nimmt man bedrückende Themen mit nach Hause. Aber auch die Dankbarkeit. Die ist immer sehr zu spüren. Man geht reicher raus, als man in die Begleitung reingekommen ist“, sagt Ehrenamtlerin Margit Klauke.

Auf solche Erfahrungen müssen die Mitarbeiter vorbereitet sein. Deswegen durchlaufen sie einen intensiven Qualifizierungskurs. Diesen begleitet als Coach Karin Kinkel-Lennemann.

Intensive Ausbildung

„Die Ausbildung umfasst 100 Unterrichtsstunden. Dabei geht es weniger um die Theorie, sondern viel mehr um Selbstreflexion. Die Teilnehmer setzten sich mit eigenen Erfahrungen und Auffassungen zum Sterben, Tod und zur Trauer auseinander. Dabei lernt man viel über sich selbst.“ Insgesamt dauert die Ausbildung, die alle zwei Jahre angeboten wird, fast ein Jahr.

Auch Exkursionen zum Hospiz, Krematorium, Bestattungshaus oder Praktika stehen auf dem Programm. „Das ist eine lange Zeit“, sagt die Ausbilderin. „Aber für die Begleitung eines Sterbenden bedarf es eines besonderen Einfühlungsvermögens und persönlicher Belastbarkeit.“ Der Qualifizierungskurs soll befähigen, angstfreier und offener mit dem Erleben von Sterben und Tod umzugehen. „So wird es möglich, dem Sterbenden auch in sehr schwierigen Situationen nahe zu bleiben und beizustehen. Denn am Ende geht es dann nur noch um eine einzige Sache: Zuhören, da sein und mit aushalten, wo manchmal nichts mehr zu tun ist.“

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