Urteil

Drohende Eskalation nach Diebstahl im Netto-Markt Bestwig

Der Netto-Markt in Bestwig. Hinter der Eingangstür stellte der Filialleiter den Ladendieb.

Der Netto-Markt in Bestwig. Hinter der Eingangstür stellte der Filialleiter den Ladendieb.

Foto: Eric Steinberg

Bestwig.  Nach einem Diebstahl droht die Situation im Bestwiger Netto-Markt zu eskalieren. Drei Richter beschäftigten sich jetzt mit dem Fall.

Dem Angeklagten ist seine Situation sichtlich peinlich. Noch nie in seinem 52 Jahre alten Leben, hatte er etwas mit Gerichten zu tun. Jetzt sieht er sich gleich drei Richtern gegenüber: Wegen räuberischen Diebstahls in Bestwig muss er sich vor dem Schöffengericht verantworten. Es geht um einen Warenwert von gerade einmal zehn Euro.

Es ist 9.45 Uhr am Morgen des 25. August 2018, als der 52 Jahre alte Olsberger im Netto-Markt zwei Flaschen Wodka mitgehen lässt und dabei auf frischer Tat ertappt wird. Bis hierhin aus juristischer Sicht lediglich ein Diebstahl geringwertiger Sachen. Weil der Mann danach allerdings den Filialleiter geschubst und bedroht haben soll, geht es vor Gericht um räuberischen Diebstahl.

Ein anderer Kunde hatte den Olsberger an jenem Tag dabei beobachtet, wie er immer wieder auffällig nervös das Alkoholregal entlang gelaufen war und den Filialleiter informiert, nachdem er ein Klimpern im Rucksack gehört hatte. An der Kasse legte der Olsberger dann ein Päckchen Katzenfutter aufs Band, bezahlte und wollte den Markt verlassen. Dabei hatte er die Rechnung allerdings ohne den Filialleiter und den Zeugen gemacht.

Der 45 Jahre alte Leiter des Marktes baut sich im Bereich der Ausgangstür vor dem Olsberger auf und bittet ihn, seinen Rucksack zu öffnen. Als der Mann das zwei Mal hintereinander verweigert, droht die Situation nach Angaben des Marktleiters irgendwann zu eskalieren. „Lass mich vorbei, sonst passiert etwas“, soll der Olsberger gedroht und daraufhin den Filialleiter zur Seite geschubst haben.

„Ich habe niemandem Gewalt angedroht“

Er habe einen ziemlich aggressiven Eindruck gemacht. Genau das aber bestreitet der Olsberger vor Gericht. „Ich habe niemandem Gewalt angedroht und auch keine Gewalt angewendet.“ Ganz im Gegenteil: Der Kunde, der ihn zuvor beobachtet hatte, habe ihm den Arm nach hinten gedreht.

„Während ich an die Scheibe gepresst war, habe ich darum gebeten, ruhig zu bleiben“, so der Olsberger. Niemals habe er den Marktleiter massiv weggestoßen. Gut 20 Minuten dauerte es, bis die Polizei an diesem Morgen im Netto-Markt eintraf. „Irgendwann hat er sich während der Wartezeit dann beruhigt“, erinnert sich der Marktleiter vor Gericht.

„Es war nicht einfach“

Fast eine halbe Stunde musste sich das Gericht nach der Beweisaufnahme zur Beratung zurückziehen. „Es war nicht einfach“, wie Richter Dr. Sebastian Siepe in der Urteilsbegründung betonte. Es handele sich definitiv nicht um den klassischen Fall räuberischen Diebstahls. Siepe sprach von einem Grenzfall.

Zuvor hatte der Verteidiger des Mannes darum gebeten, nicht mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Und das tat das Gericht am Ende auch nicht: Es verurteilte den Mann wegen des Diebstahls geringwertiger Sachen zu einer Geldstrafe von 1350 Euro.

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